Katar hat die Vorwürfe zurückgewiesen, sich in die israelischen Parlamentswahlen vom Dienstag eingemischt und Aktivitäten zur Beeinflussung des Wahlergebnisses finanziert zu haben. Der Sprecher des katarischen Außenministeriums, Madschid al-Ansari, bezeichnete die Anschuldigungen am Donnerstag als „lächerlich und gefährlich“ und warf israelischen Politikern vor, das Emirat in innenpolitische Auseinandersetzungen hineinzuziehen.
In einer Stellungnahme auf der Plattform X erklärte al-Ansari, Katar habe weder in die israelischen Wahlen eingegriffen noch Aktivitäten finanziert, die deren Ausgang beeinflussen sollten. Bestimmte israelische Politiker und ihre Kontakte in den Medien hätten eine weitere Desinformationskampagne gegen Doha gestartet.
Al-Ansari verwies dabei auf frühere Anschuldigungen gegen das Emirat. Katar werde vorgeworfen, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, die israelische Linke und nun auch arabische Wähler gekauft zu haben. Würde man all diesen Behauptungen Glauben schenken, gehöre Katar offenbar ganz Israel, erklärte der Sprecher.
Das Emirat dürfe nicht zum Sündenbock für politische Misserfolge israelischer Politiker gemacht werden. Zugleich forderte al-Ansari die künftige israelische Regierung auf, das Völkerrecht und die einschlägigen UN-Resolutionen zu respektieren sowie das Recht der Palästinenser auf einen unabhängigen Staat auf Grundlage der Grenzen von 1967 mit Ostjerusalem als Hauptstadt anzuerkennen. Katar werde seine Rolle als Vermittler und seine diplomatischen Bemühungen in der Region fortsetzen.
We categorically deny allegations that Qatar has interfered in Israeli elections or funded any activities intended to influence their outcome. We reject the accusations made by certain Israeli politicians and their contacts in the media, who have launched yet another disinformation campaign aiming to drag Qatar into Israeli political disputes following this week’s elections. They accuse Qatar of buying off Benjamin Netanyahu, the Israeli political left and now, in this latest campaign, the Arab vote. If these claims were to be believed, Qatar would apparently own all of Israel.
These accusations are ridiculous and dangerous in equal measure. The repeated invocation of Qatar in Israeli electoral rhetoric reveals an excessive obsession with our country among certain Israeli political and media figures. Qatar should not be used as a scapegoat for the political failures of certain Israeli politicians. Rather than trying to shift attention onto Qatar, they would be better off focusing on their own voters, improving people’s everyday lives, and undoing the damage they’ve created in the region.
We reiterate that we have no involvement in Israel’s political or electoral competition. These are internal Israeli matters in which we do not interfere, and we will not accept any attempt to draw Qatar into its domestic political disputes. Any government emerging from these elections must uphold international law and relevant United Nations resolutions, engage seriously and honestly on the Palestinian issue, and respect the inalienable rights of the Palestinian people, foremost among them their right to self-determination and an independent state on the 1967 borders, with East Jerusalem as its capital. This requires responsibility and accountability.
None of this will distract us from our important role as a mediator, our diplomatic and humanitarian efforts, our support for the Palestinian people, or our commitment to a just and comprehensive peace and regional stability. We will continue working closely with our regional and international partners to resolve ongoing conflicts through diplomacy. We will not remain silent while Qatar’s name is exploited to serve electoral agendas or narrow political interests.
— د. ماجد محمد الأنصاري Dr. Majed Al Ansari (@majedalansari) October 29, 2026
Schin Bet untersucht Verdacht auf ausländische Einflussnahme
Hintergrund der Stellungnahme sind Ermittlungen zu einer möglichen ausländischen Einflussnahme auf die Wahlen zur 26. Knesset. Der Vorsitzende des Zentralen Wahlausschusses, der stellvertretende Präsident des Obersten Gerichtshofs Noam Sohlberg, hatte den Leiter des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet, David Zini, aufgefordert, entsprechende Verdachtsmomente zu untersuchen.
In seinem Schreiben vom Mittwoch verwies Sohlberg auf schwerwiegende Hinweise, wonach ausländische Akteure durch finanzielle Mittel versucht haben könnten, den Wahlprozess unrechtmäßig zu beeinflussen. Er betonte allerdings, dass er die Stichhaltigkeit der Vorwürfe selbst nicht beurteilen könne.
Wie Israel Heute bereits berichtete, forderte Sohlberg den Geheimdienst auf, Beweise zu finden, die den Verdacht entweder bestätigen oder widerlegen. Erste Erkenntnisse sollen innerhalb einer Woche vorgelegt werden.
In dem Schreiben wurde kein ausländischer Staat ausdrücklich genannt.
Berichte über mögliche Geldzahlungen aus Katar
Nach Informationen des israelischen Fernsehsenders Kanal 12 und der Nachrichtenplattform Ynet richtet sich der Verdacht insbesondere gegen Katar. Demnach könnten mehrere Millionen Schekel aus dem Emirat nach Israel geflossen sein, um die Wahlbeteiligung im arabischen Sektor zu erhöhen.
Die Berichte sprechen von möglichen Geldtransfers an Organisationen, die arabische Wähler zur Stimmabgabe mobilisieren sollten. Ob dabei gegen israelisches Wahlrecht verstoßen wurde, ist Gegenstand der Untersuchungen.
Der Schin Bet hatte nach Angaben israelischer Medien bereits vor dem Wahltag Hinweise auf mögliche Unregelmäßigkeiten erhalten. Die Ermittlungen beruhen demnach auf eigenen Erkenntnissen des Geheimdienstes und nicht ausschließlich auf Beschwerden politischer Parteien.
Netanjahus Likud-Partei hatte nach der Wahl massive Vorwürfe des Wahlbetrugs erhoben und behauptet, arabische Parteien hätten durch unzulässige Praktiken das Wahlergebnis beeinflusst. Für einen systematischen Wahlbetrug wurden bislang jedoch keine öffentlich überprüfbaren Beweise vorgelegt.
Arabische Parteien könnten entscheidende Rolle spielen
Die Vorwürfe fallen in eine politisch angespannte Phase nach der Knessetwahl vom 27. Oktober. Nach den am Freitag gemeldeten Ergebnissen kommt der Netanjahu-Block auf 53 Mandate, während das oppositionelle Lager um Gadi Eisenkot 48 Sitze erreicht. Die arabischen Parteien gewinnen zusammen 19 Mandate. Die Wahlbeteiligung liegt bei 77,9 Prozent.
Damit verfügt keines der beiden großen politischen Lager über die für eine Regierungsmehrheit erforderlichen 61 Sitze. Die starke Wahlbeteiligung im arabischen Sektor und der Erfolg der arabischen Parteien haben die politischen Kräfteverhältnisse erheblich beeinflusst. Die endgültige Bestätigung der Wahlergebnisse ist für den 4. November vorgesehen.
Ob tatsächlich ausländische Gelder zur unrechtmäßigen Beeinflussung der Wahl eingesetzt wurden, müssen die weiteren Ermittlungen des Schin Bet klären. Der Zentrale Wahlausschuss stellte inzwischen ausdrücklich klar, dass die Untersuchung keinen Einfluss auf die endgültigen Wahlergebnisse haben werde. Die Ermittlungen richteten sich zudem nicht gegen eine bestimmte Bevölkerungsgruppe. Die offiziellen Wahlergebnisse sollen wie geplant am 4. November Präsident Isaac Herzog vorgelegt werden.



