Wie konnte aus einem Glauben, dessen Gründer Jude war, dessen Apostel Juden waren und dessen erste Gemeinden überwiegend aus Juden bestanden, eine Tradition entstehen, die so oft gegen Juden gerichtet war? Die Antwort auf diese Frage führt direkt ins Herz der Bibel. Sie führt zum Verhältnis zwischen Altem und Neuem Testament, zwischen Israel und der Kirche, zwischen Gottes Bund mit seinem Volk und der Botschaft des Messias. Denn die Geschichte des christlichen Antijudaismus beginnt nicht mit Hass, sondern mit einer bestimmten Art, die neutestamentlichen Texte zu lesen. Wer verstehen will, warum sich die Beziehung zwischen Christen und Juden über die Jahrhunderte so dramatisch entwickelte, muss zunächst verstehen, worin sich das Neue vom Alten Testament unterscheidet und worin sich beide zugleich erstaunlich ähnlich sind.
Der Unterschied zwischen dem Alten und dem Neuen Testament liegt weniger in einem Gegensatz als vielmehr in einer unterschiedlichen Schwerpunktsetzung innerhalb derselben Heilsgeschichte. Beide Teile der Bibel erzählen von Gottes Handeln, von seiner Treue und letztlich von der Erlösung. Doch während das Alte Testament vor allem die Beziehung Gottes zu...
Artikel nicht lesbar?
Sie sind bereits Mitglied? Melden Sie sich an, um weiterzulesen.




