Naher Osten

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Israel und Syrien führen hochrangige Gespräche in Jordanien

Nach dem israelischen Angriff auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt versuchen beide Seiten, eine weitere Eskalation zu verhindern. Im Mittelpunkt stehen die türkische Militärpräsenz in Syrien und die Wiederaufnahme der Verhandlungen über ein Sicherheitsabkommen.

Syriens Außenminister Asaad Hassan al-Shaibani bei einer Pressekonferenz in Damaskus, 20. Mai 2025. Foto: Mohammed Al Rifai/EPA

Israel und Syrien haben am Sonntag in Jordanien hochrangige Gespräche geführt. Das Treffen fand unter amerikanischer Vermittlung statt und sollte nach den jüngsten israelischen Luftangriffen in Syrien Wege zur Deeskalation und zur Wiederaufnahme der Verhandlungen über ein Sicherheitsabkommen ausloten.

Die syrische staatliche Nachrichtenagentur SANA bestätigte das Treffen unter Berufung auf eine diplomatische Quelle im Außenministerium in Damaskus. Demnach wurde die syrische Delegation von Außenminister Asaad Hassan al-Shaibani geleitet. Ihr gehörten außerdem die Leiter des syrischen Allgemeinen Nachrichtendienstes und des Militärgeheimdienstes an. Auf israelischer Seite nahm eine hochrangige Delegation teil.

Nach übereinstimmenden Medienberichten wurde die israelische Delegation von Mossad-Chef Roman Gofman geleitet. Bereits in der vergangenen Woche hatte Gofman mit al-Shaibani über die zunehmende türkische Militärpräsenz in Syrien gesprochen.

Auslöser der jüngsten Spannungen war der israelische Angriff auf den Militärflugplatz Abu al-Duhur in der nordwestlichen Provinz Idlib in der Nacht zum vergangenen Dienstag. Syrischen Angaben zufolge wurde die Start- und Landebahn des Stützpunkts bei acht Angriffen getroffen. Opfer wurden nicht gemeldet. Israel bestätigte später, hinter dem Angriff zu stehen.

Verteidigungsminister Israel Katz erklärte am Wochenende, die israelische Armee habe aufgrund konkreter Geheimdienstinformationen mehrfach empfohlen, den Stützpunkt anzugreifen. Nach israelischer Darstellung bestanden Hinweise darauf, dass die Türkei ihre militärischen Aktivitäten auf dem Flugplatz ausweiten wollte. Bevor der Angriff genehmigt worden sei, habe Israel die syrische Führung auf höchster Ebene direkt gewarnt und zugleich die Vereinigten Staaten über die vorliegenden Geheimdienstinformationen informiert. Nachdem die Warnung ohne ausreichende Reaktion geblieben sei, hätten Katz und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den Angriff genehmigt.

Damaskus bestreitet dagegen, dass auf dem Stützpunkt eine dauerhafte türkische Militärpräsenz entstehen sollte. Al-Shaibani bestätigte zwar, dass türkische Offiziere Abu al-Duhur vor dem israelischen Angriff besucht hatten. Nach seinen Angaben diente der Besuch jedoch lediglich der bestehenden militärischen Zusammenarbeit bei Ausbildung und Erfahrungsaustausch. Auch Ankara bestritt Pläne für eine Stationierung türkischer Streitkräfte auf dem Stützpunkt.

Ein israelischer Panzer patrouilliert entlang der Grenze zu Syrien auf den Golanhöhen, 20. August 2026. Foto: Ayal Margolin/Flash90.

Israel betrachtet eine zunehmende türkische militärische Verankerung in Syrien dagegen als Sicherheitsrisiko. Netanjahu machte nach dem Angriff deutlich, dass Jerusalem eine weitere Ausdehnung der türkischen Militärpräsenz in Richtung der israelischen Grenze nicht akzeptieren werde. Die israelische Führung sieht insbesondere türkische Luftabwehr-, Radar- und Drohnensysteme in Syrien als mögliche Einschränkung der Operationsfreiheit der israelischen Luftwaffe.

Siehe auch: Israel und die Türkei auf historischem Tiefstand – doch niemand will einen Krieg

Bei den Gesprächen in Jordanien ging es nach Angaben aus Damaskus vor allem darum, praktische Mechanismen zur Verhinderung weiterer militärischer Zwischenfälle zu schaffen. Zugleich sollen die zuvor unterbrochenen Gespräche über ein israelisch-syrisches Sicherheitsabkommen wiederbelebt werden. Die syrische Seite fordert dabei ein Ende israelischer Angriffe sowie einen israelischen Rückzug aus Gebieten auf syrischem Territorium, die israelische Truppen nach dem Sturz des Assad-Regimes Ende 2024 eingenommen haben.

Die Vereinigten Staaten arbeiten zudem an einem Kommunikationsmechanismus zwischen Israel, Syrien und der Türkei, der Missverständnisse und unbeabsichtigte militärische Konfrontationen verhindern soll. Ziel wäre es, militärische Aktivitäten der verschiedenen Seiten in Syrien frühzeitig abzustimmen. Eine endgültige Vereinbarung über einen solchen Mechanismus gibt es bislang jedoch nicht. Al-Shaibani erklärte, Damaskus wolle sicherstellen, dass ein derartiges Modell nicht lediglich den gegenwärtigen Zustand festschreibe.

Der syrische Außenminister äußerte sich zugleich zurückhaltend über das Verhältnis zu Israel. „Wir vertrauen Israel derzeit nicht“, sagte er in einem Interview. Dennoch halte Damaskus weitere Kontakte für notwendig. Nach seinen Angaben waren beide Seiten bei den früheren Verhandlungen über ein Sicherheitsabkommen bereits in zahlreichen Punkten weitgehend übereingekommen. Die Gespräche waren jedoch nach den jüngsten regionalen Auseinandersetzungen und schließlich nach dem Angriff auf Abu al-Duhur zum Stillstand gekommen.

Für Israel steht neben der Lage an der gemeinsamen Grenze zunehmend die Rolle der Türkei im Mittelpunkt. Ankara gehört zu den wichtigsten Unterstützern der neuen syrischen Führung und beteiligt sich am Aufbau und an der Ausbildung der syrischen Streitkräfte. Jerusalem will jedoch verhindern, dass daraus eine dauerhafte türkische Militärinfrastruktur entsteht, die bis in die Nähe der israelischen Grenze reicht.

Das Treffen in Jordanien zeigt zugleich, dass beide Seiten trotz der jüngsten militärischen Konfrontation an einem direkten beziehungsweise amerikanisch vermittelten Gesprächskanal festhalten. Ob daraus tatsächlich ein Sicherheitsabkommen entsteht, hängt nun vor allem davon ab, ob Israel und Syrien eine Regelung für die israelische Militärpräsenz im Süden Syriens und für die wachsende Rolle der Türkei finden können.

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Patrick Callahan

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