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Israel und seine schreckliche Schwachstelle

Ein angespanntes Treffen zwischen der Ministerin Orit Strook und Angehörigen der Geiseln offenbart die tiefe Spaltung in Israel über den Umgang mit der Hamas und die Frage, um welchen Preis Leben gerettet werden sollen.

Israel
Familien der in Gaza festgehaltenen israelischen Geiseln bei einer Sitzung des Ausschusses für Bildung, Kultur und Sport in der Knesset, am 24. Dezember 2024. Foto: Chaim Goldberg/Flash90

Letzte Woche traf sich die Ministerin für jüdische Siedlungen und nationale Missionen, Orit Strook (65), mit Familienangehörigen israelischer Geiseln, die nicht in der aktuellen Phase der Vereinbarung eingeschlossen sind, sowie mit befreiten Geiseln zu einem schwierigen Gespräch. Die rechte Ministerin und Parteikollegin von Finanzminister Bezalel Smotrich, die grundsätzlich gegen den Geiseldeal war und ist, machte den Geiseldeal von 2011 für den Überfall am 7. Oktober verantwortlich, bei dem auch 251 Menschen in den Gazastreifen verschleppt wurden. Damals wurden 1.027 in Israel inhaftierte palästinensische Terroristen für den israelischen Soldaten Gilad Schalit freigelassen. Im geschlossenen Treffen versuchten die Familienangehörigen, Strooks Meinung zu ändern, doch die Tonaufnahmen des angespannten Gesprächs offenbarten eine unüberbrückbare Kluft. Ein angespanntes Treffen, dessen Tonaufnahmen von N12 ohne Nennung der Namen der Familienangehörigen veröffentlicht wurden.

Orit Strook, Ministerin für Nationale Mission und Mitglied der Zionistischen Religiösen Partei, bei einer Fraktionssitzung in der Knesset, am 27. Januar 2025. Foto von Chaim Goldberg/Flash90.

Aus dem Dialog wird die tiefe Kluft in der israelischen Gesellschaft zwischen zwei Weltanschauungen deutlich: Die einen fordern die Befreiung um jeden Preis, die anderen sehen in einer Kapitulation gegenüber der Hamas eine Gefahr für neue Entführungen.
„Wir haben ihnen beigebracht, dass es sich lohnt“, sagte Strook. „Die Schwachstelle der israelischen Gesellschaft ist die Heiligung des Lebens. Das haben unsere Feinde verstanden, und deswegen ist es wieder passiert.“

Daher denke ich, dass es wichtig ist, dass ihr das Gespräch selbst lest, denn dadurch gewinnt ihr vielleicht einen tieferen Einblick in das Thema und die unterschiedlichen Meinungen im Volk, die das Land spalten:

Familienangehörige: „Wir sind seit über einem Jahr in dieser Situation. Wenn wir den Krieg beenden, kommen alle Geiseln zurück. Falls die Hamas erneut angreift, werden wir uns wieder verteidigen. Warum also nicht jetzt retten, wen wir retten können, und uns danach mit den Konsequenzen befassen?“

Ministerin Strook: „Ich weiß mit Sicherheit, dass jede Geisel, die wir zurückbringen, die nächste Entführung mit sich bringt. Es reicht, dass sie unsere Kinder, Frauen und Alten entführen – und wir knien nieder und geben ihnen alles, was sie verlangen.“

Familienangehörige: „Uns wurde beigebracht, dass der Unterschied zwischen uns und den Arabern der ist, dass wir das Leben heiligen. Wenn wir solche Aussagen wie deine hören, was unterscheidet uns dann noch von ihnen?“

Strook: „Aber wir heiligen das Leben.“

Familienangehörige: „Wenn wir das Leben heiligen – warum überlassen wir Geiseln ihrem Schicksal?“

Strook: „Das ist unsere schreckliche Schwachstelle. In keinem Volk, an keinem Ort der Welt ist je passiert, was uns am 7. Oktober widerfahren ist. Und es geschah nur, weil sie (Hamas) verstanden haben, dass das der richtige Weg ist, Israel anzugreifen.“

Familienangehörige: „Nein, es geschah aufgrund eines Versagens eurer Regierung, der Armee und des Geheimdienstes.“

Freigelassene Geisel: „Es ist nicht wegen des Geiseldeals passiert, ihr habt uns einfach jahrelang vergessen.“

Strook: „Die Hamas hat sich bewusst auf Massenentführungen konzentriert, weil wir, der Staat Israel, ihnen beigebracht haben, dass es sich sehr lohnt. Und jetzt bringen wir es ihnen wieder bei.“

Familienangehörige: „Was du uns damit beibringst, ist, dass wenn wir entführt werden, wir auf uns allein gestellt sind, weil ihr den Arabern eine Lektion erteilen wollt.“

Freigelassene Geisel: „Du zeigst mir, dass dir deine Bürger egal sind.“

Strook: „Wenn es mir egal wäre, wärst du nicht freigekommen – ich habe für deine Freilassung gestimmt.“

Freigelassene Geisel: „Und jetzt soll ich dir danken? Danke, dass du zugestimmt hast, mich freizulassen? Ich wurde während deiner Amtszeit entführt! Ich habe keinen Preis!“

Strook: „Ich soll also meine Haltung ändern, eine Haltung, die allein dem Schutz Israels und seiner Bürger dient, nur weil ihr eine andere Meinung habt?“

Familienangehörige: „Wenn der Krieg weitergeht, wird *** vielleicht nicht einmal weitere sechs Monate überleben.“

Strook: „Nicht unbedingt.“

Familienangehörige: „Carmel Gat hat nicht überlebt, auch Eden Jeruschalmi hat nicht überlebt.“

Freigelassene Geisel: „Hersch hat nicht überlebt.“

Strook: „Ich erinnere mich gut an die riesigen Feierlichkeiten in Israel nach dem Geiseldeal für Gilad Schalit im Jahr 2011. Und am Ende ist *** genau deshalb jetzt in Gefangenschaft.“

Freigelassene Geisel: „Das ist passiert, weil ihr versagt habt, weil eure Regierung geschlafen hat, weil ihr eure Bürger nicht beschützt habt. Wäre der Geheimdienst funktionstüchtig gewesen, hätte die Regierung dafür gesorgt, dass das Militär und die Nachrichtendienste ihre Arbeit tun – dann wäre das nicht passiert!“

 

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu befindet sich in dieser Woche in den USA und trifft dort mit US-Präsident Donald Trump zusammen, um im nächsten Schritt alle übrigen Geiseln aus der Gefangenschaft im Gazastreifen zu befreien, einschließlich aller Leichname. Dies wird sehr schwierig sein, denn dafür muss Israel zahlreiche Kompromisse eingehen, etwa den Krieg beenden. Auch wenn die Mehrheit der Regierung für den jetzigen Geiseldeal stimmte, so hängt die Regierung von Strook und ihren Parteikollegen in Otzma Jehudit und Religiöser Zionismus ab, denn ohne sie fällt Netanjahus Regierung.

Trotz der zahlreichen Bemühungen der Familienangehörigen, die Bedeutung des Abschlusses des Abkommens und der Freilassung aller verbliebenen Geiseln auch in der letzten Phase zu unterstreichen, hat das Treffen mit Ministerin Strook gezeigt, dass die Positionen unüberbrückbar scheinen. Beide Seiten haben ihre Argumente, und das macht die ganze Situation im Land so schwierig. Auf der einen Seite sehen wir die Not der Geiseln und ihrer Angehörigen, und wir dürfen unsere Geschwister in Not nach dem biblischen Gebot „Stehe nicht auf dem Blut deines Nächsten“ nicht im Stich lassen. Andererseits müssen wir aber auch offen zugeben, dass wir damit neue Entführungen riskieren. Um das zu verhindern, muss Israel die Hamas & Co. vernichten.

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Patrick Callahan

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3 Kommentare zu “Israel und seine schreckliche Schwachstelle”

  1. Hans-Jürgen Rieth sagt:

    Ich sitze hinterm warmen Ofen, ich kann gut reden, trotzdem: Die Frau Strook hat zu 100 % recht! In einem Krieg gibt es keine Geiseln, nur Kriegsgefangene! Für Kriegsgefangene gibt es ein internationales Recht, an das sich die Hamas mit Sicherheit auch nicht hält – eben die Hamas! Eine israelische ‚Geisel‘ gegen hunderte Hamas-Verbrecher?
    Wenn überhaupt, dann eins zu eins!

  2. Jochen Rieger sagt:

    Hallo Aviel! Es wäre so einfach und Gottes Hilfe käme noch dazu, wenn man Gottes Anweisungen in 2. Mose 34,12 umgesetzt hätte und umsetzen würde!
    Herzliche Segensgrüße,
    Jochen Rieger

  3. R K sagt:

    Meine Frage: Kann der Geheimdienst nicht in Erfahrung bringen, wo die Geiseln sind (mit Gottes Hilfe) und sie ohne Gegenaustausch befreien?

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