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Israel skeptisch, dass Ahmed al-Sharaa den IS in Syrien ausrotten kann

In Israel geht man davon aus, dass die Fähigkeit des syrischen Staatschefs, einen entscheidenden Sieg zu erringen, begrenzt bleiben wird, solange er versucht, einen doppelten Kampf zu führen – sowohl gegen den IS als auch gegen externe Akteure wie den Iran.

US-Außenminister Marco Rubio trifft den syrischen Präsidenten Ahmed al-Sharaa in New York, 22. September 2025. Quelle: Freddie Everett/US-Außenministerium.

(Jerusalem Center for Security and Foreign Affairs) Anfang dieses Monats setzte US-Präsident Donald Trump seine Drohung um, gegen den Islamischen Staat (IS) Vergeltung zu üben, nachdem bei einem Terroranschlag eines IS-Aktivisten am 13. Dezember in der syrischen Wüstenstadt Palmyra drei Amerikaner – zwei Soldaten und ein ziviler Dolmetscher – getötet worden waren.

Im Rahmen der Reaktion griffen US-Militärflugzeuge am 19. Dezember rund 70 IS-Ziele in den Wüstengebieten von Deir ez-Zor, Homs und Raqqa an. Auch Jets der jordanischen Luftwaffe beteiligten sich an der Luftoffensive.

Während Trump die Operation als „sehr kraftvollen Akt der Vergeltung“ bezeichnete, erklärte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth: „Amerikanische Streitkräfte haben in Syrien die ,Operation Hawkeye Strike‘ gestartet, die darauf abzielt, IS-Kämpfer, Infrastruktur und Waffenlager zu eliminieren.“

Er definierte den Einsatz als „Vergeltungsbotschaft“ nach dem Anschlag von Palmyra. Quellen aus dem Umfeld des syrischen Verteidigungsministeriums deuteten an, dass die US-Luftschläge mehrere Tage andauern könnten.

Syrien begeht derzeit den ersten Jahrestag des Sturzes des Regimes von Baschar Assad. Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa steht nun vor der entscheidenden Bewährungsprobe seiner Herrschaft – dem Kampf gegen den IS, parallel zu dem Versuch, ein fragmentiertes Syrien in einen geeinten Staat zu überführen.

Hochrangige israelische Sicherheitsbeamte erklären, der IS-Anschlag vom 13. Dezember auf US-Truppen habe sowohl Washington als auch Jerusalem alarmiert und unterstreiche das Ausmaß der sicherheitspolitischen Herausforderung, vor der al-Sharaa steht.

Nach Angaben syrischer Medien hat der IS in den vergangenen Monaten zweimal versucht, al-Sharaa zu ermorden.

Trotz des Sturzes des Assad-Regimes sind die gesellschaftlichen Bruchlinien in Syrien nicht verheilt.

In diesem Vakuum hat der IS fruchtbaren Boden für seine Aktivitäten gefunden. Die Organisation kennt Gelände, Bevölkerung und das Regime selbst – insbesondere al-Sharaa – sehr genau. Viele ihrer Kämpfer stammen aus denselben Regionen Syriens; einige kämpften zuvor in Fraktionen, die später aufgelöst wurden oder sich der neuen Realität anpassten.

Nach dem Anschlag von Palmyra starteten die Sicherheitskräfte des neuen syrischen Regimes eine breite Verhaftungswelle gegen IS-Aktivisten. Sie sprechen von enger Überwachung mutmaßlicher IS-Aktivitäten, namensbasierten Beobachtungslisten und gezielten Neutralisierungen von Kämpfern.

Tausende bewaffnete junge Männer

Israelische Sicherheitsbeamte weisen darauf hin, dass al-Sharaa sich als Präsident eines Staates präsentieren will und nicht als Kommandeur von Hayat Tahrir al-Sham, der sunnitisch-islamistischen Gruppe, die er zuvor anführte. Der Übergang von einer revolutionär-militärischen Herrschaft zu institutionalisierter Staatlichkeit erfordert jedoch nicht nur Veränderungen an der Spitze, sondern auch an der Basis der Gesellschaft.

Syrien verfügt über Tausende bewaffnete junge Männer ohne formale Ausbildung, ohne stabile Existenzgrundlage und ohne zivile Zukunftsperspektive – ein ideales Rekrutierungspotenzial für den IS. Die Gefahr ist offensichtlich: Ohne Konzepte zur Aufnahme, Rehabilitation und Integration in das staatliche Leben könnten diese jungen Männer, getrieben von Ideologie oder Verzweiflung, zu einem Reservoir an Arbeitskräften für den IS werden.

Für die Vereinigten Staaten und Israel ist der Kampf gegen den IS zu einem zentralen Lackmustest für die Glaubwürdigkeit des neuen Regimes in Damaskus geworden. Aus Sicht Washingtons dient al-Sharaas Fähigkeit, die Überreste der Organisation einzudämmen, zu zerschlagen und auszurotten, als praktisches Kriterium dafür, ob Syrien die Ära des Terrorismus tatsächlich hinter sich lässt – oder lediglich Symbole und Rhetorik austauscht.

Israelische Sicherheitsbeamte sagen, der Anschlag von Palmyra auf US-Truppen habe einen Wendepunkt markiert. In Washington wurde er nicht als isoliertes Ereignis wahrgenommen, sondern als Beweis dafür, dass der IS weiterhin in der Lage ist, Anschläge zu initiieren, Verteidigungen zu durchbrechen und eine doppelte Botschaft zu senden: innenpolitisch die Stabilität zu untergraben und nach außen zu signalisieren, dass die syrische Arena trotz des Regimewechsels weiterhin ein aktives Feld für Terrorismus ist.

Seit dem Anschlag hat sich der amerikanische Druck auf Damaskus von deklaratorischer Rhetorik hin zu konkreten Ergebnisforderungen verlagert.

Die Trump-Regierung übermittelte al-Sharaa eine klare Botschaft: Sie will Festnahmen sehen, die Zerschlagung von Infrastruktur sowie eine wirksame Kontrolle über Wüstenregionen und periphere Gebiete.

Das Sicherheitsgleichgewicht im Norden

Für Israel stellt der IS keine direkte und unmittelbare Bedrohung im klassischen Sinne dar, wohl aber einen gefährlichen Katalysator für die Destabilisierung des Sicherheitsgleichgewichts im Norden. Am 19. Dezember nahmen israelische Soldaten in Südsyrien einen IS-Aktivisten fest, der Anschläge gegen Israel plante.

In Israel wird die Organisation weniger als eigenständiges Ziel betrachtet, sondern eher als Symptom – als Indikator für ein anhaltendes Regierungs- und Machtvakuum in Syrien, das rasch auf die Golanhöhen übergreifen und israelische Gemeinden bedrohen könnte.

Aus israelischer Sicht ist jeder bedeutende IS-Anschlag, insbesondere der in Palmyra, eine Erinnerung daran, dass der syrische Raum weiterhin durchlässig ist. Gebiete, die nicht unter effektiver Kontrolle der Zentralregierung in Damaskus stehen, könnten nicht nur Zufluchtsorte für sunnitischen Terrorismus werden, sondern auch Korridore für Aktivitäten des schiitischen Iran und seiner Stellvertreter.

Die Sorge innerhalb des israelischen Sicherheitsestablishments folgt einem bekannten Muster: Wo staatliche Kontrolle schwach ist, dringen radikale Akteure ein – sei es im Namen des sunnitischen Dschihad oder unter dem Banner des schiitischen „Widerstands“.

Israels Hauptanliegen ist nicht nur der IS als grenzüberschreitende Organisation, sondern die Möglichkeit, dass das von ihm erzeugte Chaos von der Hisbollah und proiranischen Milizen genutzt wird, um ihre Präsenz in Südsyrien zu vertiefen.

Ein Sicherheitsvakuum in der Region Palmyra, in der syrischen Wüste und entlang der Ost-West-Transitachsen wird in Israel als ergänzendes Glied der iranischen Achse wahrgenommen – eines, das Bewegung, Schmuggel und den Aufbau terroristischer Infrastruktur vor Ort ermöglicht.

Der Anschlag von Palmyra bestärkte israelische Einschätzungen, wonach das Regime al-Sharaa weiterhin Schwierigkeiten hat, echte Souveränität durchzusetzen, und dass Kriegserklärungen gegen den IS keinen Ersatz für tatsächliche territoriale Kontrolle darstellen.

Jedes syrische Scheitern bei der Ausrottung der Organisation wird in Israel nicht nur als internes Problem für al-Sharaas Herrschaft gesehen, sondern als regionales Risiko, das die Grenze zu den Golanhöhen und Israels Handlungsfreiheit im nördlichen Raum direkt beeinträchtigen könnte.

Dies untermauert Israels Skepsis gegenüber internationalen Wiederaufbau- und Stabilisierungsprozessen in Syrien. Solange der IS tief im Landesinneren zuschlagen kann und der Iran Möglichkeiten sieht, Instabilität auszunutzen, bleibt Syrien aus israelischer Sicht eine volatile Arena und kein stabilisierender Akteur.

Innerhalb des israelischen Sicherheitsapparats fallen die Einschätzungen zu al-Sharaas Erfolgsaussichten im Krieg gegen den IS nüchtern und teils skeptisch aus.

Die vorherrschende Annahme lautet, dass das neue syrische Regime eine breite Ausweitung der Organisation eindämmen und offene Zellen treffen kann, jedoch große Schwierigkeiten haben wird, die tief verwurzelte Infrastruktur des IS in der syrischen Wüste und in abgelegenen Stammesgebieten vollständig zu beseitigen.

Nach israelischen Sicherheitsanalysen hängt al-Sharaas Erfolg nicht nur von politischem Willen oder harten Erklärungen ab, sondern von drei entscheidenden Bedingungen: wirksame territoriale Kontrolle jenseits der großen Städte; nachhaltige nachrichtendienstliche und operative Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten; sowie klare Begrenzungen des iranischen Einflusses und der Aktivitäten schiitischer Milizen, die die sunnitische Legitimität des Kampfes gegen den IS untergraben.

In Israel ist man der Auffassung, dass al-Sharaas Fähigkeit zu einem entscheidenden Sieg begrenzt bleibt, solange er versucht, einen doppelten Kampf zu führen – einerseits gegen den IS und andererseits gegen externe Akteure wie den Iran. Ein wahrscheinlicheres Szenario aus israelischer Sicht ist, dass er die Bedrohung „managt“, also gezielte Schläge führt und die Bewegungsfreiheit des IS einschränkt, ohne dessen Präsenz in Syrien vollständig zu beseitigen.

Israel schließt nicht aus, dass es al-Sharaa gelingen könnte, Syrien auf einem grundlegenden Niveau zu stabilisieren, sieht derzeit jedoch keine Bedingungen, die ihm einen eindeutigen Sieg über den IS ermöglichen würden.

Ursprünglich veröffentlicht vom Jerusalem Center for Security and Foreign Affairs.

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Patrick Callahan

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