Israel Heute Morgen

Auch der heutige Tag beginnt mit strahlender Sonne und einem blauen Himmel. Ein paar Worte und Gedanken über die vielleicht zu häufige Verwendung des Begriffs „Terrorist“, das Leid der arabischen Mitbürger wegen dieser Terroristen und die Erinnerung an eine ehemalige arabische Mitstudentin, die nie mit dem Bus fahren wollte.

von | | Themen: Guten Morgen

Auch heute scheint hier in Jerusalem wieder die Sonne, der Himmel ist wolkenlos. So macht der morgendliche Fußweg zur Redaktion richtig Spaß. So könnte es von mir aus gerne bleiben. Doch der Wetterbericht für heute sagt etwas ganz anderes. Es soll wieder etwas regnen. Eigentlich kaum zu glauben, wenn ich jetzt aus dem Fenster schaue. Aber auch gestern kamen die Wolken erst gegen Nachmittag. Und dann wurde es wieder deutlich kühler.

Beginnen wir den Tag mit dem Wetter für heute in Israel:

Bewölkt ohne nennenswerte Veränderung der Temperaturen. Im Norden des Landes kann es zu gelegentlichen Regenfällen kommen mit der Möglichkeit von vereinzelten Gewittern. Gegen Mittag wird sich der Regen bis auf den nördlichen Negev ausbreiten. Im Osten kann es zu Blitzfluten kommen. Es weht ein starker südwestlicher Wind. Folgende Höchsttemperaturen werden erwartet: Jerusalem 15 Grad, Tel Aviv 19 Grad, Haifa 17 Grad, Tiberias am See Genezareth 19 Grad, am Toten Meer 26 Grad, Beersheva 21 Grad, Eilat am Roten Meer 24 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist unverändert und liegt weiterhin bei -214.61 m unter dem Meeresspiegel.

Noch scheint die Sonne, Blick vom Balkon (Foto: Dov Eilon)

Einer der Vorteile, die man hat, wenn man mit dem Bus zur Arbeit fährt ist, dass man Zeit geschenkt bekommt. Wenn man mit dem Auto unterwegs ist, ist man mit dem Fahren beschäftigt. Im Bus kann man sich stattdessen ausruhen oder die Zeit für andere Dinge ausnutzen. Ein echter Gewinn also. Ich nutzte meine Zeit im Bus für das Lesen der letzten Nachrichten und den Reaktionen auf unsere täglichen Artikel. Beim Lesen Ihrer “Talk-Backs”, so nennt man die Kommentare unter den Artikeln wohl in der Internet-Fachsprache, wurde ich auf ein Dilemma aufmerksam, dass wir als Journalisten haben. Ich war mit dessen auch vorher schon bewusst. Es geht um die Frage, wann man jemanden als Terrorist bezeichnen kann. Ich las die Kritik, dass ein Araber, der eine Straftat begeht, zu schnell als Terrorist abgestempelt wird. Da ist zum Beispiel die Sache mit den Auto-Attacken. Ist es ein arabischer Autofahrer, ein arabischer Mann oder einfach nur ein Mann, der eine Gruppe von Menschen anfährt? Wann ist er ein Terrorist? Beim gestrigen Fall wollte der Araber die Flucht ergreifen. Wäre er nicht viel schneller mit seinem Auto weggekommen, wenn er nicht versucht hätte “auf dem Weg” noch ein paar Polizisten anzufahren? Richtig, als er beim Verbrennen des Kupfers erwischt wurde, war ein nur jemand, der eine Straftat begann. Doch als er sich dann dazu entschied, die israelischen Sicherheitskräfte mit seinem Auto zu rammen, dann wurde aus ihm, in meinen Augen jedenfalls, ein Terrorist.

Natürlich ist nicht jeder Araber, der jemanden anfährt oder in einen Verkehrsunfall verwickelt ist, ein Terrorist. Seitdem es diese Auto-Attacken gibt, haben viele von ihnen Angst, als Terrorist angesehen zu werden. Das ist ein Problem, was auch schon dazu führte, dass ein arabischer Autofahrer Fahrerflucht begann, da er Angst hatte, als Terrorist angesehen zu werden. Dadurch zog er den Verdacht allerdings noch stärker auf sich.

Archivbild: Unfall zwischen einem israelischen und arabischen Auto (Foto: Gershon Elinson/Flash90)

Wir leben in einer nicht einfachen Realität. Durch die Taten der wirklichen Terroristen leiden viele unschuldige arabische Bürger, das ist mir klar. Dabei erinnere ich mich an meine Studienzeit an der Musikakademie. Ich spielte damals in einem Quartett zusammen mit einer arabisch-israelischen Christin. Später traten wir sogar in ihrer Heimatstadt Nazareth auf. Damals konnte man noch einfach durch Jericho durchfahren. Bei unserem Studium interessierte uns nur die Musik, das gemeinsame Musizieren. Die Politik ließen wir draußen. Eine Sache fiel mit dann aber doch auf. Die arabische Pianistin fuhr nie mit dem Bus nachhause, sondern immer nur mit einem Sammeltaxi bis nach Nazareth. Als ich sie einmal darauf ansprach, sagte sie mir, dass sie nicht gerne zur zentralen Busstation ginge wegen der Sicherheitskontrollen am Eingang. Denn sie würde immer sofort als Araberin erkannt und dann immer besonders genau kontrolliert werden. Und dazu hatte sie keine Lust. Ich sah , wie schwer es ihr fiel und wie sehr sie das belastete. Ich kann das verstehen und leider ist das auch heute noch so. Vielleicht sogar noch viel extremer. Aber was sollen wir tun? Die Terroristen sind eben leider Araber. Ist es dann nicht klar, dass ein Araber mehr kontrolliert wird? Leider haben wir viel zu viele Anschläge hinter uns. Sicherheit geht vor. Klar ist es für einen normalen arabischen Mitbürger erniedrigend, wenn er bei Kontrollen vielleicht als potenzieller Terrorist gesehen und daher besonders gründlich kontrolliert wird. Ich habe das auch im Bus erlebt, als wir den Kontrollpunkt vor Modiin erreichten. Hinter mir saß ein junger Araber. Als die Grenzschutz-Polizisten durch den Bus gingen, wurde nur er nach seinem Personalausweis gefragt. Höflich und sachlich. Ist aber eben doch unangenehm, wenn dabei alle andere Fahrgäste zuschauen.

Das ist unsere Realität hier. Sie hätte anders sein können, wenn es keine Anschläge gäbe. Aber leider gibt es sie. Daher ist es sehr schwer, ein gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Dass Araber und Juden friedlich zusammenleben können, das wissen wir. Doch es reichen ein paar Terroristen und eine Organisation wie die Hamas, die durch ihre Hetzte gegen uns, den Juden und Israel, momentan jegliche Hoffnung auf einen Frieden zerstören.

Meine damalige arabische Mitstudentin lebt übrigens schon seit vielen Jahren jenseits des Ozeans in Amerika. Eigentlich schade.

Und nun wünsche ich Ihnen einen angenehmen und friedlichen Mittwoch. Machen Sie es gut.

Shalom aus Jerusalem!

Dov

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