Guten Morgen Israel – Hedenglisch Teil II

Ein weiteres Kapitel der Selutinischen Grammatik.

von Michael Selutin | | Themen: Guten Morgen
Jerusalem Klagemauer Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Boker Tov liebe Leser!

Michael und Kinder

Ich hatte vor einigen Monaten bereits geschrieben, wie meine Kinder die Sprachen Hebräisch, Deutsch und Englisch miteinander vermischen, also Hedenglisch sprechen. Da sie sich in diesem Bereich weiterentwickelt haben, möchte ich dies mit der Israel Heute Familie teilen, die merkwürdigerweise an meinen Abenteuern mit meinen Terrorkindern interessiert ist.

Vor einigen Tagen kam Naomi (4) auf mich zugerannt, zeigte mir stolz ihre Füße und sagte,

„Papa, ich geself it!“

Hm, ich geself it war mir neu, aber es war nicht schwer zu erraten, was sie meinte, denn sie hatte zwei Socken an, bei denen die Ecke nach oben schaute.

„Kol Ha Kawod!“ (toll gemacht) rief ich. „Du hast dir die Socken selbst angezogen?“

„Mhm“ nickte Naomi und stapfte stolz zu David, um ihm auch ihre neueste Leistung zu zeigen.

„David, ich geself it!“ hörte ich dann auch aus seinem Zimmer.

David hat übrigens auch eine lustige grammtikalische Neuerung in die deutsche Sprache gebracht. Auf hebräisch wird die Steigerungsform mit joter (mehr) gebildet, es gibt also kein besser, größer, stärker. Dementsprechend bildet David seine deutschen Sätze mit joter, also mehr.

„Papa, wenn du die Tchina mit Sschug mischst, schmeckt es noch mehr gut.“ (Sschug ist kein Schreibfehler, es beginnt mit einem Ss, gefolgt von einem CH wie in WoCHe oder TCHina und ist eine sehr scharfe Paste)

Ich versuchte David zu verbessern, aber die sprichwörtliche israelische Sturheit macht es mir schwer.

„David, es heißt es schmeckt besser.“

„Ok, Tchina mit Sschug schmeckt noch mehr besser.“

„Nein David, es schmeckt einfach besser.“

„Warum einfach? Es ist überhaupt nicht einfach. Warum kann ich nicht einfach wie alle normalen Menschen sagen, es ist noch mehr lecker?“

Tehina schmeckt mit S’chug wirklich „noch mehr“ besser

Ich werde sie mit der darauf folgenden zweistündigen Diskussion verschonen, aber David hat mich überzeugt, dass die deutsche Grammatik noch mehr schwer ist als die hebräische.

Die hebräische Sprache ist wahrscheinlich wirklich noch mehr simpel als die deutsche, aber das bedeutet nicht, dass sie noch mehr weniger Tiefe hat. In unserem Thora-Wochenabschnitt Trumah lesen wir über den Bau der Stiftshütte und es gibt einen Vers, der auf Hebräisch sehr schön klingt und sich sogar relativ gut ins Deutsche übertragen lässt. Gott sagt zum Volk Israel:

„Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, damit ich in ihrer Mitte wohne!“

(2. Mose, 25. 8)

Die Juden sollen nicht ein Heiligtum bauen, damit Gott darin wohnt (wäre ja etwas merkwürdig), sondern damit er in ihrer Mitte wohnt. Der Bau und die Nutzung der Stiftshütte sind also Mittel, um Gott näherzukommen. Die jüdische Tradition lehrt, dass man die Gegenwart Gottes spürte, wenn man die Stiftshütte, oder später den Tempel in Jerusalem betrat. Man konnte sich dort sozusagen mit spiritueller Energie aufladen und dann voller göttlicher Energie zurück ins tägliche Leben treten. Wir haben diese Möglichkeit heute nicht mehr, wir müssen uns mitten in unserer allzu physischen Welt aus eigener Anstrengung zu Gott hinwenden, indem wir seine Gebote erfüllen und Ihn in unser Leben lassen. Wer dies schafft, hat jedoch einen Vorteil gegenüber den alten Israeliten, er kann sagen „ich geself it!“.

 

Das Wetter für heute in Israel

Die Golanhöhen, gestern

Vereinzelte Regenschauer vom Norden bis zum nördlichen Negev. Gegen Nachmittag kann es auch im Süden des Landes regnen. Auf dem Hermon Berg wird weiter schneien. An der Küste besteht die Gefahr von Überflutungen. Es bleibt kalt. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 7 Grad, Tel Aviv 14 Grad, Haifa 11 Grad, Tiberias am See Genezareth 14 Grad, am Toten Meer 19 Grad, Beersheva 19 Grad, Eilat am Roten Meer 19 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um weitere 4,5 Zentimeter gestiegen und liegt jetzt bei – 209,435  m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen nur noch 63,5 Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Im Namen der gesamten Redaktion wünsche ich Ihnen ein angenehmes Wochenende und einen gesegneten Schabbat. machen Sie es gut.

 

Schabbat Schalom aus Bet Schemesch!

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