Guten Morgen liebe Leser!
Sommer, nicht Frühling, sondern Sommer. Anders kann man dieses Wetter kaum nennen. Schon auf meinem Weg zur Redaktion begann ich zu schwitzen. Dabei habe ich noch immer die Minusgrade in Deutschland in Erinnerung, die ich vor knapp drei Wochen erleben durfte. Heute werden bei uns in Modiin 33 Grad erwartet. Und morgen, da soll es noch wärmer werden.
Und hier ist das Wetter für heute in Israel:
Heiter mit einem sehr deutlichen Temperaturanstieg. Sharav, heiß und trocken. Folgende Höchsttemperaturen werden erwartet: Jerusalem 29 Grad, Tel Aviv 31 Grad, Haifa 29 Grad, Tiberias am See Genezareth 33 Grad, am Toten Meer 33 Grad, Eilat am Roten Meer 35 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist unverändert und liegt bei -213.45 m unter dem Meeresspiegel.
Heute haben die Pessachferien begonnen, die bis zum 8. April dauern werden. Es sind recht lange Ferien, die längsten nach den Sommerferien. Und nach Pessach hat man immer schon das Gefühl, dass sich das Schuljahr seinem Ende zuneigt. Denn gleich danach haben wir die Erinnerungstage und den Unabhängigkeitstag, dann Lag be Omer und Shavuot, und dann ist das Jahr tatsächlich zuende, die Sommerferien werden am 21. Juni beginnen.
Allerdings werden nicht alle Kinder während der gesamten Ferien zuhause bleiben. Das Bildungsministerium bietet nämlich zum ersten Mal auch an den Pessachferien in vielen Schulen und Kindergärten die sogenannte “Schule der Feiertage an”. Man möchte den Eltern kleinerer Kinder, von 3 Jahren an bis zur dritten Klasse, entgegenkommen und bietet ihnen an, ihre Kinder in der nächsten Woche vom 25.3. bis zum 29.3., einen Tag vor Pessach, weiter in die Schule oder den Kindergarten zu schicken, wo den Kindern ein abwechslungsreiches Programm angeboten werden soll. Es ist so ähnlich wie ein Sommerlager, nur eben viel billiger, der Preis dafür liegt zwischen 20 und 30 Shekeln pro Tag (5-7 Euro). Denn die Eltern haben keine Ferien und mussten bis jetzt immer irgendeine Lösung finden für ihre Kinder. Und nicht jeder hat eben eine Oma parat, die bereit ist, den Posten des Babysitters zu übernehmen. Also, eine echt gute Idee. Zu unserer Zeit, also als unsere Kinder klein gaben, hat es so etwas nicht gegeben, wie viele gute Dinge nicht, die heute schon selbstverständlich sind. Wir haben sogar noch für den Kindergarten tief in die Tasche greifen dürfen, heute zahlen die Eltern nichts mehr dafür.
Das Bildungsministerium wirbt für die “Schule der Feiertage”, an Pessach und ChanukkaVor einigen Tagen las ich in den Nachrichten, dass in Jerusalem in den orthodoxen Synagogen Flugblätter verteilt wurden, die die Männer dazu aufriefen, von jetzt an in der Straßenbahn nur noch im vorderen Teil des zweiten Wagons zu sitzen und gleichzeitig die orthodoxen Frauen nett darauf hinzuweisen, sich woanders hinzusetzen. Klingt merkwürdig? Es ist nicht neu, dass die orthodoxe jüdische Bevölkerung die Geschlechter voneinander trennen, nicht nur in der Synagoge, was für uns ja bekannt und auch üblich ist, sondern auch in den Schulen, bei Hochzeiten und allen anderen Feiern. Je orthodoxer sie sind, desto mehr wird darauf geachtet. Dagegen ist ja auch nichts einzuwenden, solange niemanden etwas aufgezwungen wird. So gab es in der Vergangenheit in den orthodoxen Stadtteilen Versuche, Frauen davon abzuhalten, im vorderen Teil des Busses zu sitzen. Ich erinnere mich da an einen Fall, wo sogar ein kleines Mädchen fast mit Gewalt dazu gezwungen wurde, sich woanders hinzusetzen. In einem anderen Fall wurde eine junge Soldatin beschimpft. Vor etwa 8 Jahren war dies ein sehr diskutiertes Thema, was zu viel Unruhe geführt hatte. Ich habe einen Bericht auf Deutsch darüber gefunden, er stammt vom August 2010:
Heute wird deutlich weniger über dieses Thema gesprochen Das mag daran liegen, dass in den letzten Jahren einige dicke Strafen erteilt wurden für diejenigen, die Frauen zwingen wollten, sich woanders hinzusetzen. Dies wurde mit einer sexuellen Belästigung gleichgestellt und dementsprechend bestraft.
Und wenn wir schon über die Fahrt in öffentlichen Verkehrsmittel sprechen: Neulich fuhr ich in Modiin wieder in einem der neuen Elektrobusse nachhause. Ich bin wirklich begeistert von ihnen. Momentan gibt es neu uns nur sechs dieser Busse, doch in der Zukunft sollen weitere dazukommen. Auch in anderen Städten steigt man langsam auf diese Elektrobusse um, eine tolle Sache. Wie es ist, in so einem Bus zu sitzen, das sehen Sie hier:
Fahrt im Elektrobus in ModiinHeute habe ich endlich mal wieder über den Allteg geschrieben, das ist doch viel schöner als über traurige Ereignisse, Terror, Korruptionen und so weiter zu schreiben. In der Hoffnung, nur noch über Alltägliches schreiben zu können, wünsche ich Ihnen jetzt einen wunderbaren und ganz normalen Donnerstag. Machen Sie es gut.
Shalom aus Jerusalem!
Dov




