„Halten Sie mich da raus” – warum unterstützt Netanjahu Trump nicht?

Der neue israelische Premierminister vermeidet die “Landmine” eines Kommentars zum Comeback des ehemaligen US-Präsidenten.

von Ryan Jones | | Themen: Trump, Benjamin Netanjahu
Trump und Netanjahu waren während ihrer vorherigen Amtszeiten wie Pech und Schwefel. Doch die Beziehungen sind in letzter Zeit angespannter geworden
Trump und Netanjahu waren während ihrer vorherigen Amtszeiten wie Pech und Schwefel. Doch die Beziehungen sind in letzter Zeit angespannter geworden Foto: EPA-EFE/MICHAEL REYNOLDS

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu hat am Sonntag zweifellos bei vielen konservativen amerikanischen Wählern für Aufregung gesorgt, als er es ablehnte, Donald Trumps Comeback-Kampagne ausdrücklich zu unterstützen.

In einem Interview mit der NBC-Sendung “Meet the Press” wurde Netanjahu gefragt, ob er die jüngste Präsidentschaftskandidatur von Trump unterstütze, den er zuvor als Israels besten Freund im Weißen Haus bezeichnet hatte.

“Halten Sie mich da raus”, antwortete Israels neuer Premierminister nach seinem eigenen erfolgreichen politischen Comeback.

“Ich werde mit jedem verhandeln, der zum Präsidenten gewählt wird, mit denjenigen, mit denen ich in der Vergangenheit zusammengearbeitet habe, und mit jedem, der neu hinzukommt, denn das Band zwischen Israel und Amerika … ist wirklich ein Band zwischen Völkern und ein zivilisatorisches Band, und es ist stark”, fügte er hinzu.

Netanjahu erklärte, es sei derzeit eine politische “Landmine”, sich auf die eine oder andere Weise zu Trump zu äußern.

Trump ist in den letzten Wochen zu einer zunehmend polarisierenden Figur geworden, sogar unter konservativen US-Wählern, nachdem er sich in seinem Mar-a-Lago-Resort mit Kanye West und Nick Fuentes getroffen hat, die beide offen antisemitische Ansichten geäußert haben.

Das hat den ehemaligen Präsidenten in eine heikle Lage gebracht. Er gilt weithin, insbesondere unter israelischen Juden, als der israelfreundlichste US-Präsident aller Zeiten:

 

 

Andererseits hat er beunruhigende Verbindungen zu einigen extremen Elementen, darunter Leute wie Kanye West, was liberale Vorwürfe nährt, er selbst sei antisemitisch.

Netanjahu hat deutlich gemacht, dass er die Anschuldigungen, Trump sei antisemitisch, als lächerlich ansieht.

Im Oktober erklärte die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karine Jean-Pierre, unmissverständlich, Trumps damalige Äußerungen seien “antisemitisch” gewesen, und warf ihm vor, er sei seit langem “mit extremistischen und antisemitischen Figuren verbündet”.

Der israelische Staatschef reagierte darauf, indem er daran erinnerte, dass Trump einen jüdischen Schwiegersohn hat, für den seine eigene Tochter zum Judentum konvertierte, und jüdische Enkelkinder hat, die er liebt.

In seinem jüngsten Interview mit amerikanischen Medien sagte Netanjahu, er hoffe, Trump werde verstehen, dass es “inakzeptabel” sei, antisemitische Persönlichkeiten zu beherbergen, und “seinen Weg finden werde, dies zu verurteilen”.

Die Beziehungen zwischen Trump und Netanjahu sind seit der Abwahl Trumps aus dem Weißen Haus im Jahr 2020 angespannt (oder scheinen es zumindest zu sein). Trump behauptet nach wie vor, dass das Wahlergebnis durch Betrug verfälscht wurde, und war verärgert, als Netanjahu zusammen mit anderen Staats- und Regierungschefs Joe Biden zu seinem Sieg gratulierte.

Trump warf Netanjahu vor, mit seinem üblichen Gratulationsanruf an Biden beleidigend früh dran gewesen zu sein. Der ehemalige Präsident und viele seiner treuen Anhänger sahen darin einen Akt des Verrats, einen Dolchstoß in den Rücken nach allem, was Trump für Israel getan hatte.

Tatsächlich rief Netanjahu Biden auffallend spät an, so dass die israelischen Medien und Knesset-Opposition ihm damals vorwarfen, die Beziehungen zur neuen US-Regierung zu belasten.

Wird Trump das Weiße Haus 2024 zurückerobern? Hegt er immer noch einen Groll gegen Netanjahu, und wird dies seine Behandlung Israels beeinflussen, sollte er erneut Präsident werden?

Die Zeit wird es zeigen. Donald Trump ist eine launenhafte Person. Während seiner letzten Amtszeit war das für Israel ein Vorteil. Aber die Israelis sind sich bewusst, dass es sich beim nächsten Mal leicht ins Gegenteil verkehren könnte.

Eine Antwort zu “„Halten Sie mich da raus” – warum unterstützt Netanjahu Trump nicht?”

  1. marie.luise.notar sagt:

    Launenhafte Person, das kann man wohl sagen, und wie sehr Politik nicht nur ein spiegelblanker Parkettboden ist, sondern oftmals eine regelrechte Glatt-Eis-Fläche, das wird in solchen Momenten sehr deutlich…und wohl dem, der gelernt hat, im Sinne der Wahrheit zu s t e h e n…

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