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Gedanken zum Schabbat

Wie jede gute Reise beginnt auch Jakobs Reise mit einem Traum.

Jakob

Wochenlesung – וַיֵּצֵ֥א – Wa´Jeze – Er zog aus ; 1.Mose 28,10 – 32,3 ; Hosea 12,13 – 14,10

Ein Traum ist ein mächtiges Werkzeug, um Realität zu erschaffen, und es ist wichtig, dass ein Traum mit der Realität verbunden ist und keine bloße Fantasie bleibt. Lasst uns Jakobs Traum etwas genauer betrachten. In seinem Traum sieht Jakob eine Leiter mit Engeln, die auf- und absteigen. Die Bewegung der Engel ist besonders bemerkenswert und verdient Aufmerksamkeit. Wir lesen: „Und siehe, die Engel Gottes stiegen auf und ab“.  Das ist unsere Wochenlesung.

 


Ein paar „Gedanken zum Schabbat“. In den fünf Büchern Mose wird die Geschichte des Volkes Israel geschildert, von der Erschaffung der Welt bis zur Erlösung im Gelobten Land, das Gott Abraham verheißen hat. Diese fünf Bücher sind in Wochenlesungen eingeteilt. Vor 25 Jahren hat mein Vater Ludwig Schneider zu den 54 Wochenlesungen das Buch „Schlüssel zur Thora“ geschrieben. Ein messianischer Leidfaden quer durch die Thora. Die Thora hat 70 Gesichter, heißt es im Hebräischen. Einige dieser Facetten möchte ich aufzeigen, um die Sicht noch zu erweitern. Die Wochenlesungen der Thora öffnen uns die Augen und das Herz für das gesamte Wort Gottes, die Bibel. Die Thora wirft ein Licht auf den gesamten biblischen Text, und so entdecken wir jedes Mal etwas Neues, was uns zum Nachdenken anregt und die Bibel relevant und lebendig macht.  


 

Dies deutet darauf hin, dass die Engel auf der Erde leben und dazu bestimmt sind, den Menschen zu dienen – daher werden sie auch „Dienstengel“ genannt. Die Leiter beginnt mit ihren Füßen auf der Erde und endet im unendlichen Himmel. Dies zeigt, dass der Himmel die Grenze für Träume ist – Träume können so hoch und erhebend sein wie der unendliche Himmel. Die Bewegung auf der Leiter symbolisiert die Höhen und Tiefen, die jeden Weg begleiten, wie gesegnet er auch sein mag.

Doch obwohl Jakob in seinem Traum gesegnet wird, sieht die Realität nach seinem Erwachen in diesem Moment nicht besonders gesegnet oder vielversprechend aus. Tatsächlich beginnt Jakob seine Reise mit einem Abstieg: Der Abschied von seinem Land. Flucht vor seinem Bruder. Die Trennung von seiner Familie.  Sein Gesicht dem Ungewissen zugewandt.

Jakob wird von Ängsten übermannt, existenziellen Ängsten wie: „Was werde ich essen? Wo werde ich schlafen?“ Wenn wir uns in einer Überlebenskrise befinden, an einem Punkt, an dem wir nichts mehr zu verlieren haben, sind wir bereit, fast alles zu tun, um zu überleben. Genau in einem solchen Moment treffen wir Jakob. In seiner überwältigenden Überlebenssituation wagt er etwas, das niemand zuvor getan hat.

Jakob stellt Gott Bedingungen. Er sagt: „Wenn Gott mit mir sein und mich behüten will auf dem Wege, den ich reise, und mir Brot zu essen geben will und Kleider anzuziehen, und mich wieder mit Frieden heim zu meinem Vater bringt, so soll der HERR mein Gott sein.“ Mit anderen Worten, er wendet sich an Gott und sagt: Du willst mein Gott sein, mir ein Erbe geben? Das ist gut und schön, aber ich habe auch meine eigenen Wünsche. Wenn du, Gott, deinen Teil des Abkommens erfüllst, dann werde auch ich meinen Teil erfüllen.

Was möchte Jakob? Jakob fordert lediglich grundlegende Bedürfnisse: Schutz, Nahrung, Kleidung und ein warmes Zuhause. Er will seine existenzielle Notlage beruhigen und eine Lösung finden. Mit dieser Bedingung begibt sich Jakob auf den Weg. Gott jedoch reagiert nicht zornig auf Jakobs Forderungen. Ganz im Gegenteil: Gott ist der Erste, der seinen Teil der Bedingungen im Abkommen vollständig erfüllt. Er sorgt für Jakobs Schutz, bietet ihm ein Dach über dem Kopf, Nahrung, Kleidung, Arbeit und mehr.

Doch nun ist es an Jakob, seinen Teil im Abkommen zu erfüllen. Und Gott wartet. Diese Wartezeit ist ein zentraler und lehrreicher Teil der Geschichte. Gott wartet jahrelang darauf, dass Jakob seinen Teil erfüllt. Jakob selbst muss warten, um zu heiraten. Sieben Jahre lang arbeitet er für die erste Frau, dann weitere sieben Jahre für die zweite. Viele Jahre des Wartens vergehen. Die Wartezeit und die Geduld sind notwendig. Sie sind entscheidend für die Reife, die benötigt wird, um den richtigen Moment für Veränderungen zu erkennen.

Daraus lernen wir: Es reicht nicht aus, seinen Lebenszweck oder seine Mission zu kennen. Man muss auch bereit und reif sein, diesen zu verwirklichen. Und natürlich ist es wichtig, auf den richtigen Zeitpunkt zu warten. Tatsächlich lesen wir, dass viele Jahre vergehen. Es scheint, als hätten Jakobs Leben, seine Ehe, die Kinder und die harte Arbeit eine Art Komfortzone geschaffen, die ihn jedoch seinen Teil des Abkommens mit Gott vergessen ließ.

Um aus einer ungesunden Komfortzone auszubrechen, braucht es einen Auslöser, einen Trigger, der uns aus unserem Schlaf aufweckt und uns zwingt, einen neuen Weg einzuschlagen. Dies ist notwendig, um uns wieder mit unserem wahren Wesenskern zu verbinden. Wenn wir uns dieses Ereignis bewusst werden, erkennen wir klar und deutlich, dass der Ort, an dem wir uns gerade im Leben befinden, seinen Zweck für uns erfüllt hat und etwas Neues am Horizont auftaucht.

In Jakobs Geschichte war der Auslöser für diesen Wandel die Geburt seines geliebten Sohnes Josef, der von seiner bevorzugten und geliebten Frau Rahel stammt. Die Geburt dieses Kindes markierte den Beginn von Jakobs Erwachen. Josefs Ankunft in der Welt ließ Jakob erkennen, dass er in einem fremden Land lebte, für fremde Menschen arbeitete und seine Kinder weit weg von seiner Heimat und den Wurzeln aufzog. Er war fern von seinem Gott, fern von seinem Vater und fern von sich selbst.

Jakob, der von Anfang an in Josef seinen Erben sah, erkannte in diesem Erwachen, dass er an dem Ort, an dem er sich befand, nichts hatte, was er seinem Sohn vererben konnte. In diesem Moment erinnerte er sich an den Segen, den er einst von Gott erhalten hatte: „Und ich werde wieder mit Frieden heim zu meinem Vater kehren, so soll der HERR mein Gott sein.“ Diese Erinnerung brachte ihn zurück zu dem Bund, den er einst mit Gott geschlossen hatte.

Jakob verstand, dass nun der Moment gekommen war, seinen Teil des Bundes mit dem Allmächtigen zu erfüllen, sich erneut mit Gott zu verbinden, seine Mission anzunehmen, die lange Wartezeit in einem fremden Land zu beenden und in sein wahres Zuhause zurückzukehren – zum Haus seines Vaters und seiner Mutter, zum Haus des lebendigen Gottes.

 

Schabbat Schalom.  

 

Schabbatzeiten in Israel (Ortszeit) :

  •  Jerusalem – Beginn 15:55, Ausgang 17:15
  •  Tel Aviv – Beginn 16:16, Ausgang 17:16
  •  Haifa – Beginn 16:03, Ausgang 17:14
  •  Beersheva – Beginn 16:18, Ausgang 17:17
  •  Eilat – Beginn 16:11, Ausgang 17:20

 

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Patrick Callahan

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