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Ein Monster über mir und Raketen über meinem Kopf

So sieht derzeit eine medizinische Untersuchung aus.

Das Monster. Symbolbild: Ytrottier, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Vor drei Monaten hatte ich einen Termin für den 23. März im Shaare-Zedek-Krankenhaus vereinbart – eine Untersuchung der Nebenschilddrüse (Parathyroid). Die Warteliste war lang, niemand hätte damals gedacht, dass wir genau zu diesem Zeitpunkt mitten in einem Raketenkrieg mit dem Iran stehen würden.

Ich kam um acht Uhr morgens an, als Erste in der Warteschlange.

Eine Injektion, eine radioaktive Substanz, eine halbe Stunde warten – dann die erste von drei Aufnahmen.

Ich lege mich auf die Liege. Über mir ragt eine riesige Maschine auf – ein Monster. Der Techniker erklärt ruhig: zehn Minuten, nicht bewegen, und bitte nicht erschrecken, wenn die Maschine sich senkt.

Sie kommt näher, immer näher. Noch ein Stück – gleich berührt sie meine Brust.

In meinem Kopf beginne ich bereits zu planen, wie ich aufspringen und hier rauskommen könnte. Aber kann man überhaupt aufstehen, wenn so ein Monster über einem hängt?

Als sie mir schließlich ganz nahe ist, will ich schreien – doch genau in diesem Moment stoppt sie.

Ich liege still, über mir das Monster.
Ich darf mich nicht bewegen – atmen ist erlaubt.

Also zähle ich. Alle zwei Sekunden eine Zahl. Bis 600.

Kurz davor ertönt das Signal.
Ende. Ich atme auf.

„Bitte draußen warten. In einer Stunde folgen zwei weitere Aufnahmen – eine dauert 15 Minuten, die andere zehn.“

Zehn Minuten vor der nächsten Untersuchung werde ich wieder hineingebeten. Ich schalte mein Handy stumm und spiele Candy Crush – in solchen Momenten erstaunlich hilfreich.

Dann plötzlich – ein durchdringender Ton.

Alarm.

Ein Alarm steht über allem. Er ignoriert Uhrzeit, Ort und auch den Lautlos-Modus. Er durchbricht jede Barriere.

„Ist das ein Alarm hier?“, fragt ein Mann mir gegenüber.

Ich schaue auf mein Handy: Bar Giora – mein Wohnort.

„Wahrscheinlich bei mir“, sage ich.

Kaum ausgesprochen, schrillen auch die anderen Telefone.

„Was machen wir bei einer Sirene? Gibt es hier einen Schutzraum?“, frage ich.

Natürlich gibt es einen. Krankenhaus.

Abfangspuren am Himmel über Jerusalem. Foto: Yonatan Sindel/Flash90.

Der Mann erzählt mir, dass er und seine kranke Frau in einem alten Gebäude wohnen – wie jenes, das diese Woche in Arad zerstört wurde. Der nächste Schutzraum: drei Minuten entfernt.

„Ich hoffe, Sie gehen hin“, sage ich.

„Nein“, antwortet er. „Das ist kompliziert.“

Vierter Stock. Kein Aufzug. Zu schwer.

„Aber Sie kommen ins Krankenhaus, wollen behandelt werden – und gehen nicht in den Schutzraum?“

„Es ist schwierig.“

„Gibt es keine andere Lösung?“

„Ich habe keine Arbeit. Es gibt keine Alternative.“

Ich schweige. Was soll man darauf sagen? Es gibt Zehntausende wie ihn.

Dann – Sirene.

Ein Arzt führt uns in einen Raum, der ein Schutzraum sein soll. Doch kaum sind wir dort, werde ich schon zur nächsten Untersuchung aufgerufen.

Unter der Erde: Das Shaare-Zedek-Krankenhaus in Jerusalem hat Teile seines Betriebs in geschützte Bereiche verlegt – zwischen Behandlung und Bedrohung verschwimmen die Grenzen. Foto: Chaim Goldberg/Flash9.

Ich frage noch: „Ist das wirklich ein Schutzraum?“

„So wurde es uns gesagt“, antwortet der Techniker.

Ich lege mich hin.

Wieder das Monster über mir – und diesmal auch Raketen über uns.

Erst vor zwei Tagen wurden zwei Raketen nicht abgefangen. Beide trafen Gebäude, es gab Verletzte und große Schäden.

Als wäre die Maschine nicht genug, beginne ich mir auszumalen, was passiert, wenn genau hier eine Rakete einschlägt.

Was mache ich dann? Wie flieht man, wenn das Monster nur Zentimeter vom Herzen entfernt ist – und niemand weiß, wo die Raketen landen?

„Atme“, sage ich mir.
„Zähle.“
„Augen zu. Warten.“

Was geschieht, geschieht zu deinem höchsten Wohl.

So sagt es das Judentum: Alles ist zum Guten.

Wirklich? Für wen?

Als ich aufstehe, ist mein Körper angespannt. Wäre ein Spiegel da, ich wäre vermutlich kreidebleich.

Was habe ich gelernt?

Ich habe Angst vor Ärzten.
Ich mag keine Untersuchungen.
Ich zittere vor Spritzen.
In solchen Maschinen verkrampfe ich mich.

Und wenn dann noch Raketen dazukommen, frage ich mich, ob das alles real ist.

Die dritte Untersuchung folgt direkt danach. Ich bin schon etwas routinierter. Doch dann lächelt der Techniker:

„Bitte warten Sie noch eine Stunde. Das Mittel hat sich noch nicht gut genug verteilt – wir müssen die dritte Aufnahme wiederholen.“

Jetzt bin ich das Monster.

Und wenn Ihnen das wie eine Filmszene vorkommt: Die Realität übertrifft jedes Drehbuch.

Vielleicht zeigt sich darin etwas ganz Einfaches: Wenn wir keine Kontrolle haben – weder über unseren Körper noch über die Maschine oder das, was draußen geschieht –, bleibt uns nur eines: unsere Gedanken zu steuern. Atemzug für Atemzug.

Ein Moment der Ruhe – doch draußen bestimmt der Krieg weiterhin den Takt des Alltags. Foto: Anat Schneider.

Und was die Ergebnisse betrifft: Hier braucht es Gebet – und den Glauben, dass wirklich alles am Ende zum Guten ist.

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Patrick Callahan

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Ein Kommentar zu “Ein Monster über mir und Raketen über meinem Kopf”

  1. Francis Mo sagt:

    Betet, betet für mein Volk,
    spricht der Herr

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