Durch das Herz

Wir sollten bei unseren Entscheidungen auf die Stimme des Herzens und des Glaubens hören

von Anat Schneider | | Themen: Thora
Tel Aviv Promenade Foto: Miriam Alster/Flash90

Guten Morgen liebe Leser!

Vor einer Woche hat für uns in Israel wie an vielen anderen Orten auf der Welt wieder ein landesweiter Lockdown begonnen. Auch im wöchentlichen Thoraabschnitt in 2. Mose 1 traten die Kinder Israels in eine Art „Lockdown“ (Parschat Schemot).

Es war ein Lockdown für Familien mit Kindern. Es war eine Abriegelung der Gesellschaft und des Geistes. Aber sie führte auch dazu, dass man zu einem Volk wurde, weil man nun vom Pharao als die „Kinder Israels“ definiert wurde. Man wurde eine eigenständige Gruppe mit einer eigenen Identität. Und Zehntausende von Menschen, die mit einer gemeinsamen Identität zusammenleben, können eine Bedrohung darstellen, dachte zumindest der Pharao.

Für die Kinder Israels ist der Übergang zu einem Volk, das eingesperrt ist, auch eine Chance: Eine Gelegenheit, ihre Kraft und ihre einzigartigen Stärken zu entdecken. Eine Gelegenheit, ihr Erbe zu entdecken. Eine einmalige Gelegenheit, Gott wiederzuentdecken, den sie in den vielen schweren Tagen der Knechtschaft vergessen hatten. Die „verschlossene“ Gelegenheit führte zur Freiheit der Kinder Israels aus der grausamen Sklaverei.

Beim Lesen des Thoraabschnitts „Schemot“ können wir die Kraft spüren, die die Dynastie hervorbringt und aufrechterhält. Diese Kraft kommt von den israelitischen Frauen – eine „tierische Kraft“. (Das Wort „Hayot“, חיות, wird in 2. Mose 1,19 eher verhalten mit „lebendig“ übersetzt (Schlachter 2000). Anderswo bedeutet es „Tiere“.

Frauen spielen hier eine zentrale Rolle, um etwas zu bewirken:

  • Die hebräischen Hebammen Puah und Shifrah widersetzen sich dem Befehl des Pharaos, die hebräischen männlichen Babys zu töten.
  • Jocheved bringt einen Jungen zur Welt (Mose). Trotz des Befehls, alle männlichen Säuglinge in den Nil zu werfen, versteckt sie ihn in ihrem Haus. Als sie gezwungen wird, ihn in den Fluss zu werfen, tut sie das, aber in einer kleinen schwimmenden Arche.
  • Miriam, seine Schwester, bewacht ihn vom Flussufer aus und setzt dabei ihr eigenes Leben aufs Spiel.
  • Dann rettet die Tochter des Pharao sein Leben. Sie gibt ihm einen Namen und ein Zuhause im Palast und zieht ihn auf.
  • Später gesellt sich Zippora, Moses Frau, zu ihm, gibt ihm ein neues Zuhause in Midian und bringt seine Söhne zur Welt.

Beim weiteren Lesen stellen wir staunend fest, dass die Frauen in diesem Thoraabschnitt Möglichkeiten des Lebens, der Heimat – eines sicheren Ortes für Wachstum und Entwicklung – hervorbringen. Wir können den Gesetzen, Verordnungen und Beschränkungen, die damals und meist auch heute noch von Männern erlassen werden, allen gebührenden Respekt zollen. Doch in diesem Thoraabschnitt sind es die Frauen, die dafür verantwortlich sind, den „Raum“ zu schaffen, der Leben ermöglicht.

Israelische Polizistinnen sorgen für die Einhaltung der Coronamaßnahmen in Jerusalem

Wir erleben, wie die Frauen eine Entscheidung treffen, indem sie auf ihr Herz, auf ihr Bauchgefühl hören. Und um dieser Führung willen sind sie bereit, ihr Leben zu riskieren.

Im Thoraabschnitt „Schemot“ können wir sehen und lernen, dass Entscheidungen, die durch das Herz und durch inneres Hören getroffen werden, uns letztlich an Orte der Gesundheit, der Ruhe und des Lebens führen; an Orte, an denen der Glaube wächst.

Ich bete, dass wir auf die inneren Stimmen in jedem von uns hören, und dass auch die Führer der Welt lernen, auf diese Stimmen zu hören. Lasst uns verstehen, dass die Stimme der Logik nicht die einzige Stimme ist. Manchmal sind es gerade die gegensätzlichen Stimmen, die uns an bessere Orte führen können. Ich bete, dass wir auch in diesen Momenten, in denen es scheint, als sei die Welt verrückt geworden und das Leben, das wir kannten, sich verändert hat – dass wir auch jetzt auf die Stimme des Herzens und die Stimme des Glaubens hören und ihnen einen Platz in unseren Entscheidungen geben. Vielleicht finden wir dann den Weg heraus aus der Isolation, der Abriegelung und der Quarantäne, die uns seit fast einem Jahr auferlegt werden. Vielleicht ist die Gelegenheit, die wir jetzt nutzen sollten, von diesem Thoraabschnitt und den Frauen zu lernen, die dort die Führung übernahmen:

Auf welche unserer inneren Stimmen sollen wir hören? Wo sollen wir die Lautstärke aufdrehen?

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Das Wetter für heute in Israel

Heiter bis teilweise bewölkt mit für die Jahreszeit ungewöhnlich hohen Temperaturen. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 20 Grad, Tel Aviv 27 Grad, Haifa 23 Grad, Tiberias am See Genezareth 26 Grad, am Toten Meer 24 Grad, Beersheva 24 Grad, Eilat am Roten Meer 29 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen weiteren halben Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei – 209.955 m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen 115,5 Zentimeter bis zur oberen Grenze.

Am Strand von Tel Aviv, gestern

Die Redaktion von Israel Heute wünscht allen Lesern einen angenehmen Dienstag. Machen Sie es gut.

 

Schalom aus Jerusalem!

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