Die Bibel ist voller Action

Dieser Wochenabschnitt hat es in sich

Die Bibel ist voller Action
Tomer Neuberg/Flash90

Guten Morgen liebe Leser!

Michael und Kinder

In unserem Thora-Wochenabschnitt Ki Tisa geht es wirklich zur Sache. Der Abschnitt beginnt ganz entspannt mit dem Bau der Stiftshütte, ein Paar Gesetzen über den Schabbat und dann wird es fast unheimlich, denn Mose erhält die erste Version der Gesetzestafeln:

„Und als Gott mit Mose auf dem Berg Sinai zu Ende geredet hatte, gab er ihm die beiden Tafeln des Zeugnisses, Tafeln aus Stein, beschrieben mit dem Finger Gottes.“ (2. Mose 31, 18)

Beschrieben mit dem Finger Gottes klingt schon ziemlich cool, und die jüdische Tradition lehrt, dass die Buchstaben auf den Tafeln teilweise schwebten. Es war sicherlich ein interessanter Anblick.

Jetzt aber beginnt die Action erst richtig, denn Mose steigt mit diesen Tafeln vom Berg Sinai herab und sieht das Volk um das goldene Kalb tanzen:

„Es geschah aber, als er nahe zum Lager kam und das Kalb und die Reigentänze sah, da entbrannte Moses Zorn, und er warf die Tafeln weg und zerschmetterte sie unten am Berg. Und er nahm das Kalb, das sie gemacht hatten, und verbrannte es mit Feuer und zermalmte es zu Pulver und streute es auf das Wasser und gab es den Kindern Israels zu trinken.“ (2. Mose 32, 19 – 20)

Was für eine Szene! Nicht nur wurden die von Gott eigenhändig beschriebenen Gesetzestafeln zerschlagen, Mose gab dem Volk auch Wasser zu trinken, in dem Gold aufgelöst war. Das war sicherlich ein großer Schock für das Volk. Aber es war nun mal auf frischer Tat dabei ertappt worden, wie es seinen Gott mit einem selbstgemachten Götzen betrog, und das nur 40 Tage, nachdem das Volk Gottes Stimme gehört hatte und damit Ihm selbst begegnet war.

Dunkle Wolken über dem Strand von Bat Yam, gestern.

Die Strafe folgte sofort, nicht nur durch das Trinken des Goldwassers:

„Da stellte sich Mose im Tor des Lagers auf und sprach: Her zu mir, wer dem Herrn angehört! Da sammelten sich zu ihm alle Söhne Levis.

Und er sprach zu ihnen: So spricht der Herr, der Gott Israels: Jeder gürte sein Schwert an seine Hüfte, und geht hin und her, von einem Tor zum anderen im Lager, und jeder erschlage seinen Bruder, seinen Freund und seinen Nächsten! Und die Söhne Levis machten es, wie ihnen Mose gesagt hatte, und an jenem Tag fielen vom Volk an die 3000 Männer. (2. Mose 32, 26 – 28)

Hier sehen wir, dass es eigentlich nicht das gesamte Volk war, das sich schuldig gemacht hatte, sondern „nur“ 3000 Männer. Allerdings wurde das gesamte Volk zur Verantwortung gezogen, da man die Übeltäter nicht aufgehalten hatte.

Nach der Bestrafung ging Mose zurück auf den Berg.

„Und es geschah am folgenden Tag, da sprach Mose zum Volk: Ihr habt eine große Sünde begangen! Und nun will ich zu dem Herrn hinaufsteigen; vielleicht kann ich Sühnung erwirken für eure Sünde.“ (2. Mose 32, 30)

Gott ließ sich schließlich von Mose besänftigen und befahl ihm, neue Steintafeln herzustellen. Diese waren jedoch von Mose gemacht und nicht von Gott, wie die ersten beiden.

Interessant bei der Unterhaltung zwischen Gott und Mose ist ein Argument, das Mose zur Verteidigung der Israeliten vorbrachte:

„Da neigte sich Mose schnell zur Erde und betete an; und er sprach: O Herr, wenn ich Gnade gefunden habe vor deinen Augen, so ziehe mein Herr in unserer Mitte, weil es ein halsstarriges Volk ist; und vergib uns unsere Schuld und Sünde, und nimm uns an als dein Eigentum!“ (2. Mose 34, 8 – 9)

Zwei Kapitel vorher hatte jedoch Gott gesagt, dass er das Volk bestrafen will, weil es ein halsstarriges Volk ist:

„Und der Herr sprach zu Mose: Ich habe dieses Volk beobachtet, und siehe, es ist ein halsstarriges Volk. So laß mich nun, damit mein Zorn gegen sie entbrennt und ich sie verzehre…“ (2. Mose 32, 9 – 10)

Ein halsstarriges Volk. Am Ende wird alles gut, gestern in Jerusalem.

Mose benutzt das gleiche Argument für die Israeliten, das Gott kurz vorher gegen sie benutzte. Hat sich hier der Autor der Bibel einen Fehler erlaubt? Was geht hier vor sich? Die jüdischen Bibelkommentatoren haben im Laufe der Jahrtausende natürlich verschiedene Erklärungen für diese gegensätzlichen Verse vorgebracht, aber einer ist heute wahrscheinlich besonders aktuell. Rabbi Yitzchak Nissenbaum, der im Warschauer Ghetto umgekommen ist, hat seine ganz eigene Erfahrung eingebracht, er schreibt, dass Mose in etwa folgendes zu Gott gesagt hat:

„Allmächtiger Gott, schaue mit Wohlwollen auf dieses Volk, denn was jetzt ihr größtes Laster ist, wird eines Tages ihre heldenhafteste Tugend sein. Sie sind in der Tat ein halsstarriges Volk … Aber so wie sie jetzt in ihrem Ungehorsam halsstarrig sind, so werden sie eines Tages auch in ihrer Treue halsstarrig sein. Nationen werden sie auffordern, sich zu assimilieren, aber sie werden sich weigern. Mächtigere Religionen werden sie drängen, sich zu bekehren, aber sie werden widerstehen. Sie werden Demütigung, Verfolgung, sogar Folter und Tod erleiden wegen des Namens, den sie tragen, und des Glaubens, den sie bekennen, aber sie werden dem Bund, den ihre Vorfahren mit Dir geschlossen haben, treu bleiben. Sie werden mit den Worten “Ani ma’amin”, “Ich glaube”, in den Tod gehen. Dies ist ein Volk, das ehrfurchtgebietend ist in seiner Hartnäckigkeit – und obwohl es jetzt ihr Versagen ist, wird es weit in die Zukunft hinein Zeiten geben, in denen es ihre edelste Stärke sein wird.“

Wir bleiben optimistisch. Gestern in Jerusalem.

Das Wetter für heute in Israel

Mit dem Regen ist es erst einmal vorbei. Heute wird es teilweise bewölkt sein und die Temperaturen gehen endlich wieder nach oben. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 14 Grad, Tel Aviv 19 Grad, Haifa 15 Grad, Tiberias am See Genezareth 20 Grad, am Toten Meer 21 Grad, Beersheva 20 Grad, Eilat am Roten Meer 24 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist unverändert und liegt bei – 209,28  m unter dem Meeresspiegel. Es fehlen nur noch 48 Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen ein angenehmes Wochenende und einen gesegneten Schabbat. Machen Sie es gut.

 

Schabbat Schalom aus Bet Schemesch!

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