Das wirkliche Problem und die wirkliche Chance

von Arthur Schwartzman

Auch wenn die Hamas 4.000 Raketen abgefeuert hat, war die wahre Bedrohung in der vergangenen Woche die Zerrüttung des jüdisch-arabischen Zusammenlebens in Israel

Foto: Illustration/Wisam Hashlamoun/Flash90

Das eigentliche Problem

Gerade hat ein Waffenstillstand begonnen, der eine entscheidende Operation unterbricht, die die Sicherheit von Millionen von Israelis zu gewährleisten hat. Es ist nicht unsere erste Operation in Gaza, und ich fürchte, es wird auch nicht die letzte sein. Jedes Mal, wenn die Hamas beschließt, uns in eine weitere Runde in diesem immerwährenden Konflikt zu ziehen, pocht sie auf die Unterstützung von Palästinensern im Westjordanland und arabischen Dörfern und Städten in Israel (ganz zu schweigen von der muslimischen Welt). Selbst für viele israelische Araber ist die Sache der Hamas letztlich ihre Sache. Dieses Mal riefen die Kämpfe gewalttätige Proteste hervor, wie wir sie noch nie zuvor im ganzen Land gesehen haben.

Siehe: Muslime entweihen Synagogen in Zentralisrael

Die darauf folgende Gewalt brachte die Menschen dazu, ihre Sicht auf die israelische Gesellschaft zu überdenken. Viele wurden sich der Realität bewusst, dass das Gefüge des jüdisch-arabischen Zusammenlebens viel zerbrechlicher ist, als sie dachten. Gewalt in gemischten Städte explodierte plötzlich, der Hass schwappte auf die Straßen. Während die Polizei sich abmühte, die wütenden Mobs zu zerstreuen, nahmen es Juden auf sich, zurückzuschlagen und die arabischen Krawalle abzufangen. Gelegentlich sprangen sie für die fehlende Sicherheit der jüdischen Bevölkerung ein, ein anderes Mal ging es zu weit und arabische Geschäfte wurden beschädigt und arabische Passanten verprügelt.

Siehe: Pogrome gegen Juden gehen weiter

Viele glauben, wie auch ich, dass die wahre Bedrohung bei der Operation „Wächter der Mauern“ der interne Konflikt ist und nicht so sehr der Raketenbeschuss aus Gaza. Ich möchte das tödliche Sperrfeuer, das Häuser und Leben im Land zerstört hat, nicht herunterspielen. Aber während Gaza irgendwo „da drüben“ ist, müssen wir hier in Israel neben unseren arabischen Nachbarn aufwachen. Viele von ihnen sind Ärzte, Lebensmittelladenbesitzer, Autohändler, Bauarbeiter, Restaurantbesitzer. Wir leben Seite an Seite. Jeden Tag. Wie wird unsere Beziehung aussehen, wenn das alles vorbei ist?

Unzählige Araber haben in Interviews für mehrere Fernsehsender gesagt, dass dies das Ende der Partnerschaft ist. Das Rad kann nicht mehr zurückgedreht werden. Es ist vorbei. Aber ist es das?

Juden und Araber demonstrieren für ein friedliches Zusammenleben.

Während die Medien damit beschäftigt sind, über die schrecklichen Vorgänge zu berichten, werden gemeinsame jüdisch-arabische Friedensbemühungen an den Rand gedrängt. So veröffentlichte die Stadtverwaltung von Haifa Fotos von Bewohnern, die Seite an Seite arbeiten und leben, in Nof HaGalil wurde ein Bild einer gemischten Kinderfußballmannschaft hochgeladen und das Religious Leaders Forum sprach sich deutlich gegen Gewalt aus und sagte mit Nachdruck: „Gewalt ist nicht Teil meiner Religion!“ Auch der Vorsitzende der islamistischen Partei Ra’am, Mansour Abbas, gab eine versöhnliche Botschaft ab und sagte: „Wir sind bereit, uns an der Restaurierung der beschädigten Synagogen zu beteiligen. Ich werde dies leiten.“ Noch ist nicht alles verloren.

Siehe: Wer ist Mansour Abbas?

Demonstrationen, an denen Hunderte von Menschen teilnahmen, fanden auf dem Habima-Platz in Tel Aviv, dem Clock Square in Jaffa und im Hadar-Viertel in Haifa statt. Die Demonstrationen wurden von der Bewegung „Standing Together“ angeführt, die sich für eine jüdisch-arabische Partnerschaft einsetzt. Ihr Slogan: „Juden und Araber weigern sich, Feinde zu sein“.

Die reale Chance

Die Herausforderungen sind real, aber es ergeben sich auch Chancen für echte Veränderungen. Gerade als eine Koalitionsvereinbarung für Veränderungen vor der Tür stand, kam es zum Konflikt. Kürzlich ist der Vorsitzende der Yamina-Partei, Naftali Bennett, der Königsmacher dieser Wahlrunde, von einem Koalitionsabkommen mit dem „Veränderungsblock“ zurückgetreten, der Benjamin Netanjahu als Premierminister absetzen will. Die steigenden Spannungen mit dem Gazastreifen und den arabischen Gemeinden in Israel haben den religiösen Zionisten von einem Kompromiss mit linken Parteien abgehalten (ganz zu schweigen von der Unterstützung arabischer Parteien). Eine starke rechtsnationalistische jüdische Regierung, das ist es, was Israel in diesen turbulenten Zeiten braucht. Dafür braucht Bennett den Likud, er braucht Benjamin Netanjahu.

Siehe: Kampf für eine rechte Regierung

Zum ersten Mal ist dabei ein Vertreter der arabischen Öffentlichkeit (Mansour Abbas) bereit, zu verhandeln. Nicht als Vorwand, sondern wirklich verhandeln zum Wohle ihrer in Israel lebenden arabischen Gemeinschaft. Es ist eine goldene Gelegenheit, die man nicht verpassen sollte. Israel hat die Chance, eine dringend benötigte Veränderung zu ermöglichen. Es könnte der arabischen Bevölkerung helfen, das Gefühl zu haben, dass die Dinge anfangen, in ihre Richtung zu laufen. Jemand muss sich um häuslichen Missbrauch, illegale Waffen, Bandengewalt und Bildung kümmern. Solange die Juden den arabischen Sektor als ihren schmutzigen Hinterhof behandeln, wird sich nichts ändern. Der Hass auf „die Besatzer“ wird immer vorhanden sein.

Die nächste Regierung, wie auch immer sie am Ende aussehen wird, muss sich mit den Randalierern innerhalb unserer Grenzen befassen. Das Innenministerium wird den Stier bei den Hörnern packen müssen, nachdem dies vorbei ist, und sich mit der Aufwiegelung in Schulen und im Internet befassen und sie ausrotten müssen. Die Zusammenarbeit mit den arabischen Anführern ist unerlässlich. Diejenigen, die es wagen, die Fahne einer terroristischen Organisation zu schwenken, müssen auch den Mut haben, mit ihr in Verbindung gebracht zu werden. Diejenigen, die zum Tod der Juden und zur Abschaffung des Staates aufrufen und andere aufhetzen, müssen mit eiserner Faust verfolgt werden. Eine entschlossene Politik muss nach der Bildung der Koalition umgesetzt werden, das darf nicht versäumt werden, sonst werden wir in 4-5 Jahren mehr dergleichen erleben.

Aus diesem Vorgang müssen Schlussfolgerungen gezogen werden. Es muss etwas anders gemacht werden, zum Wohle der israelischen Bürger, sowohl der Juden als auch der Araber. Die Wahrheit ist, dass die Juden nirgendwo hingehen, dies ist unser Heimatland, aber die Araber gehen auch nicht weg. Deshalb müssen wir Wege finden, um zu koexistieren, mit gegenseitigem Respekt, während wir gleichzeitig eine kompromisslose Position gegen Terror und Gewalt einnehmen. Lassen wir uns diese Chance nicht entgehen.

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