Die israelischen Streitkräfte haben am Sonntag ein Netzwerk der Hamas aufgedeckt, das angeblich von türkischem Boden aus operiert und Angriffe auf Israelis vorbereitet.
Nach Angaben der IDF waren mehrere mit der Hamas verbundene Personen – Salam Yaish, Walid Abu Nasser, Majed Ja’aba, Muhammad Mallah und Ayman Sharawna – an „umfangreichen militärischen Aktivitäten“ gegen Israel beteiligt, unter anderem in Judäa und Samaria.
Zu den Aktivitäten des Netzwerks gehörten Berichten zufolge die Rekrutierung von Aktivisten, der Transfer von Geldern und der Schmuggel von Waffen in das Gebiet, um die Angriffsinfrastruktur der Hamas auszubauen.
⭕️ IDF & ISA EXPOSE: Key operatives in Hamas’ terrorist network who directed dozens of terror attacks in Turkey over the past year.
Hamas operatives in the Judea and Samaria division have been directing and advancing extensive military activity in Judea and Samaria and in… pic.twitter.com/trNZNe29Gk
— Israel Defense Forces (@IDF) June 21, 2026
Das ist kein unerheblicher Vorwurf. Er rückt die Türkei – ein NATO-Mitglied, das in Washington nach wie vor regelmäßig als komplizierter, aber notwendiger Verbündeter bezeichnet wird – in den Mittelpunkt einer erneuten israelischen Warnung: Die Hamas wird von Ankara nicht nur rhetorisch verteidigt. Sie wird auch operativ unterstützt.
Die Türkei beherbergt seit Jahren Hamas-Vertreter, darunter eine Hamas-Präsenz in Istanbul, die bis ins Jahr 2012 zurückreicht. Seit dem Massaker vom 7. Oktober 2023 hat sich die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan noch offener auf die Seite der Hamas gestellt, indem sie Israel als Quelle regionaler Instabilität darstellte und die palästinensische islamistische Bewegung gleichzeitig als legitimen politischen Akteur behandelte.
Für Israel bestätigt die jüngste Enthüllung der IDF eine seit Langem bestehende Sorge. Die Infrastruktur der Hamas im Ausland ist nicht bloß diplomatisches Theater. Sie erfüllt eine praktische Funktion: Mittelbeschaffung, Koordination, Rekrutierung und Angriffsplanung.
Ein Bericht des Jerusalem Center for Security and Foreign Affairs aus dem Jahr 2021 besagte, dass das Istanbuler Hauptquartier der Hamas dabei geholfen habe, Hunderte von Angriffen gegen Israelis zu leiten und Millionen von Dollar zu waschen. Die jüngste Erklärung der IDF deutet darauf hin, dass diese Infrastruktur nicht verschwunden ist. Sie hat sich angepasst.
Die Frage ist nun weniger, ob die Türkei ein Hamas-Problem hat. Die Beweise häufen sich schon seit Jahren.
Die schwierigere Frage ist, warum so viele westliche Politiker weiterhin so tun, als teile Erdoğans Türkei im Nahen Osten dieselben strategischen Annahmen wie die Vereinigten Staaten, Israel oder Europa.
Ankara wird oft als Brücke zwischen Ost und West behandelt. Doch Brücken sind nur dann nützlich, wenn sie nicht gleichzeitig Menschen, Geld und Waffen für Gruppen transportieren, die es auf Ihre Verbündeten abgesehen haben.
Erdoğan hat Israel wiederholt vorgeworfen, die Region zu destabilisieren, unter anderem in jüngsten Äußerungen zu israelischen Militäraktionen in Syrien und im Libanon. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu reagierte darauf, indem er den türkischen Staatschef als „antisemitischen Tyrannen“ bezeichnete und dabei auf Ankaras Unterstützung der Hamas, die Unterdrückung politischer Gegner und die Behandlung der Kurden hinwies.
Die Rhetorik zwischen Jerusalem und Ankara ist mittlerweile offen feindselig. Doch hinter dieser Rhetorik verbirgt sich eine strategische Realität, die Washington nicht länger verschleiern darf.
Die Türkei „balanciert“ nicht bloß zwischen konkurrierenden regionalen Interessen. Unter Erdoğan hat sie Verbindungen zu islamistischen Bewegungen gepflegt, der Hamas politischen Rückhalt gewährt und sich als feindseliger Kritiker der israelischen Selbstverteidigung positioniert, während sie gleichzeitig im westlichen Bündnissystem verbleibt.
Dieser Widerspruch ist auf Dauer nicht tragbar.
Wenn die neuesten Erkenntnisse der israelischen Streitkräfte (IDF) zutreffen, nutzt die Hamas türkisches Territorium nicht nur als sichere politische Plattform, sondern auch als Basis für Aktivitäten, die darauf abzielen, Gewalt innerhalb Israels zu schüren.
Für Washington und Brüssel sollte dies mehr als nur höfliche Besorgnis auslösen.
Es sollte eine Neubewertung einer der bequemeren Annahmen in der Nahostpolitik erzwingen: dass die Türkei unter Erdoğan zwar schwierig ist, aber im Grunde mit dem Westen auf einer Linie liegt.
Was Israel, die Hamas und die künftige Gestalt der Region betrifft, scheint diese Annahme zunehmend realitätsfern zu sein.




