(JNS) Früher schien die Welt relativ überschaubar zu sein. Auf der einen Seite standen die Vereinigten Staaten und die demokratische Welt, auf der anderen die Sowjetunion, China und ihre Satellitenstaaten, in denen Demokratie nie ein Leitprinzip war.
Heute ist das Bild weitaus komplizierter.
Gerade jetzt, da sich die Spannungen mit dem schiitischen Regime im Iran erneut verschärfen, hat US-Präsident Donald Trump ein Bündnis mit einer anderen problematischen Regionalmacht geschlossen: der Türkei, einem islamistischen, autoritären sunnitischen Staat, dessen Entwicklung, wie der verstorbene Historiker Bernard Lewis einst warnte, letztendlich der des Iran ähneln würde.
Die Türkei war einst eine Quelle der Hoffnung. Als Mitglied der NATO galt sie weithin als Brücke zwischen der islamischen Welt und dem Westen. Diese Vision ist längst zusammengebrochen. Unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan ist die Türkei zu einem Instrument der Aggression und ideologischer Feindseligkeit geworden.
Trump hat angedeutet, dass er Erdoğan vertraut, da sich die Türkei – obwohl sie während des jüngsten Konflikts zunächst bereit schien, sich auf die Seite des Iran zu stellen – letztendlich doch auf die Seite Washingtons geschlagen hat. Dieses Vertrauen wird Berichten zufolge durch den US-Botschafter in der Türkei, Tom Barrack, bestärkt, der ein strategisches Dreieck aus Türkei, Syrien und Irak als Eckpfeiler der amerikanischen Regionalpolitik nachdrücklich unterstützt – eine Vision, die Israel kaum Raum lässt.
Doch Erdoğan, der sich offen als Führer eines wiederbelebten osmanischen Einflussbereichs und als Verfechter der Muslimbruderschaft präsentiert, ist ein höchst fragwürdiger Empfänger für eines der modernsten Kampfflugzeuge Amerikas.
Im Laufe der Jahre hat er konsequent gegen den ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah el-Sisi gearbeitet und versucht, den mit dem Westen verbündeten Block der gemäßigten Sunniten zu spalten. Aus diesem Block ging die Energiepartnerschaft im östlichen Mittelmeer hervor, die Ägypten, Israel, Griechenland und Zypern verbindet – eine der innovativsten strategischen Initiativen der Region.
Griechenland betrachtet die Türkei als einen zunehmend aggressiven Nachbarn. Zypern bleibt geteilt, wobei die Türkei weiterhin die nördliche Hälfte der Insel besetzt hält. Erst vor kurzem hat Erdoğan begonnen, die brüchigen Beziehungen zu Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman wieder aufzubauen.
Unterdessen hat Ankara offen Hamas-Führer empfangen, das Massaker vom 7. Oktober gelobt, Flottillen von türkischem Territorium aus nach Gaza auslaufen lassen und die Feindseligkeit gegenüber Israel zu einem Kernstück seiner Außenpolitik gemacht. Erdoğan vergleicht den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu regelmäßig mit Adolf Hitler und hat Jerusalem als zukünftiges türkisches Ziel bezeichnet. Der türkische Außenminister Hakan Fidan erklärte kürzlich: „Israel ist eine Last, die die Menschheit nicht länger tragen kann.“
Es gibt auch praktische Gründe für Vorsicht.
Der Kauf des russischen S-400-Raketenabwehrsystems durch die Türkei im Jahr 2019 löste Sanktionen des US-Kongresses aus und führte zum Ausschluss der Türkei aus dem F-35-Programm, da befürchtet wurde, dass vertrauliche Technologie letztendlich an Russland – oder sogar an China – weitergegeben werden könnte. Eine Rücknahme dieser Entscheidung würde Jahre dauern, selbst wenn Washington sich dazu entschließen sollte.
Die Vereinigten Staaten müssen zudem Israels qualitative militärische Überlegenheit („Qualitative Military Edge“) wahren – eine langjährige parteiübergreifende Verpflichtung, die nach wie vor im Mittelpunkt der amerikanischen Politik steht.
Israel bietet zudem strategische Vorteile, mit denen nur wenige Partner in der Region mithalten können. Selbst heute noch können US-Militäroperationen von israelischem Territorium aus gestartet werden, während viele umliegende arabische Staaten einen solchen Zugang weiterhin verweigern.
Auf die Frage nach dem Verkauf von F-35-Kampfflugzeugen an die Türkei antwortete Netanjahu kürzlich schlicht: „Ich würde das nicht tun.“
Angesichts der bisherigen Bilanz Erdoğans, seiner Ambitionen und der Ungewissheit über die Zukunft des Nahen Ostens verdient dieser Rat ernsthafte Beachtung.
Wenn Trump tatsächlich erkannt hat, wie schwierig es ist, ein dauerhaftes Abkommen mit dem revolutionären islamistischen Regime in Teheran zu erzielen, sollte er sich auch fragen, ob man sich wirklich auf eine langfristige strategische Verständigung mit einer zunehmend islamistischen, autoritären und messianischen Türkei verlassen kann. Das ist eine Frage, die Washington nicht ignorieren darf.




