Mehrere Wochen lang war unsere Redaktion im Herzen Jerusalems erstmalig seit Beginn unseres Dienstes geschlossen. Coronavirus und Regierungsvorschriften zwangen uns, von Zuhause aus zu arbeiten. Und so haben wir die Mai-Ausgabe unserer Israel Heute Zeitschrift online zusammengestellt. Heute scheint alles möglich zu sein, solange Internet und WLAN funktionieren. Ohne Internet ist heute fast nichts mehr möglich, erst recht keine Medienarbeit.
Um die Büroräume hat sich zwischenzeitlich Jalal gekümmert. Täglich inspizierte er die leeren Büros, kontrollierte, ob alles in Ordnung war und goss die Pflanzen von Pavel, unserem Mitarbeiter aus dem Layout.
Jalal ist Palästinenser, er lebt im arabischen Stadtteil von Jerusalem. Vor wenigen Tagen hat der Fastenmonat Ramadan begonnen, und das macht die Moslems tagsüber müde, da sie bis Sonnenuntergang weder trinken noch essen dürfen. Und das einen ganzen Monat.
Noch vor Ramadan haben wir uns einmal in der Woche mit Jalal und anderen Freunden aus dem Gebäude in der Redaktion getroffen und gemeinsam Kaffee getrunken. Jetzt ist Kaffee für Jalal tagsüber erst einmal eine Weile tabu.
Jalal arbeitet schon seit einigen Jahren für uns. Dass Araber in vielen Büros und Firmen in Jerusalem arbeiten, ist an sich nicht ungewöhnlich. Er hat einen Schlüssel zu unserer Redaktion und wir haben ein gegenseitiges Vertrauen. Sehr oft erfahren wir von ihm, was auf der arabischen Seite in Jerusalem oder in den Palästinensergebieten vorgeht. Er macht uns oft auf Kleinigkeiten aufmerksam, um das größere Bild in der arabischen Gesellschaft besser verstehen zu können. Diejenigen, die nur Gift verbreiten und so tun, als ob Juden und Araber nicht gemeinsam zusammenleben oder arbeiten können, haben entweder keine Ahnung oder verbreiten dies nur aus böser Absicht.
Jalal wie auch andere arabische Kollegen von uns, wissen ihr Leben unter israelischer Freiheit in Jerusalem zu genießen. Auch wenn sie ab und zu vorsichtig sein müssen und niemals zugeben würden, dass beispielsweise ein jüdischer Tempel in Jerusalem existiert hat, so muss man sich deswegen noch lange nicht wundreißen.
Wir glauben, dass der Prophet Sacharja recht hat, der einst warnte, dass eines Tages Jerusalem zum Taumelbecher für alle Völker ringsumher wird. Diejenigen, die den Laststein Jerusalem wegheben wollen, werden sich daran wund reißen. Aber das ist bei Jalal , Khaled, Aiman und anderen palästinensischen Freunden und Mitarbeitern nicht der Fall. Wir reißen und krachen uns vielleicht höchstens um den Kaffee, wie dieser zu kochen und trinken sei. Vielleicht verbrennen wir auch unsere Zunge am heißen Kaffee, aber die Harmonie zwischen den Völkern halten wir am Leben.




