Mit dem Entzünden der ersten Chanukka-Kerze ist bei Jerusalem ein außergewöhnliches archäologisches Zeugnis ans Licht gekommen. An der historischen Stätte Nebi Samuel, nordwestlich der Hauptstadt, wurde eine rund 2.000 Jahre alte Tonlampe aus der hasmonäischen Zeit freigelegt. Der Fund gilt als eindrucksvoller Beleg für die jüdische Präsenz und Kontinuität im Land Israel zur Zeit des Zweiten Tempels.
Die Entdeckung erfolgte im Rahmen archäologischer Arbeiten der israelischen Zivilverwaltung, offiziell der Koordinationsstelle für Regierungsaktivitäten in den Gebieten (Coordination of Government Activities in the Territories – COGAT). Die dem israelischen Verteidigungsministerium unterstellte Behörde ist unter anderem für zivile Angelegenheiten, Infrastruktur, Koordination sowie archäologische Belange in Judäa und Samaria zuständig. Innerhalb von COGAT arbeitet die spezialisierte Einheit KAMAT Archäologie, die systematisch Ausgrabungen durchführt, historische Stätten dokumentiert und deren Erhalt sicherstellt.
Neben der Tonlampe wurde an der Fundstätte auch ein Schreibgerät aus derselben Epoche entdeckt – ein sogenannter Stilus, der zum Schreiben auf Wachstafeln diente. Beide Objekte verweisen auf einen organisierten Alltag jüdischen Lebens in der Region Jerusalem während der hasmonäischen Herrschaft, der nicht nur religiös, sondern auch administrativ und kulturell geprägt war.
Die archäologische Stätte Nebi Samuel erhebt sich auf etwa 885 Metern über dem Meeresspiegel und zählt zu den bedeutendsten historischen Orten der Region. Aufgrund ihrer strategisch herausragenden Lage bot sie über Jahrtausende hinweg eine natürliche Kontrolle über die Zugangswege nach Jerusalem. Entsprechend reichhaltig sind die archäologischen Spuren, die hier freigelegt wurden.
Ausgrabungen belegen Siedlungsschichten aus zahlreichen Epochen – von der israelitischen und persischen Zeit über die hasmonäische Periode bis hin zu den Kreuzfahrern und Osmanen. Zu den wichtigsten Überresten zählen die Fundamente einer großen Kreuzritterfestung sowie ein Moscheebau, der traditionell mit der Grabstätte des Propheten Samuel verbunden wird. Die Vielfalt der Funde macht Nebi Samuel zu einem zentralen Ort für das Verständnis der politischen, religiösen und militärischen Geschichte des Jerusalemer Umlands.

Ein Stilus zum Schreiben auf Wachstafeln. Bildnachweis: Pressestelle der Zivilverwaltung (COGAT)
Die nun freigelegte Tonlampe und das hasmonäische Schreibgerät fügen sich in eine Reihe bedeutender archäologischer Entdeckungen ein, die in den vergangenen Jahren im Rahmen der Forschungs-, Dokumentations- und Erhaltungsarbeiten von KAMAT Archäologie in ganz Judäa und Samaria gemacht wurden. Mit modernen Untersuchungsmethoden und präziser Dokumentation arbeitet die Einheit daran, historische Schichten freizulegen, zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Der Leiter der Einheit KAMAT Archäologie der Zivilverwaltung, Benjamin Har-Even, betonte die besondere Symbolik der Entdeckung zum Chanukka-Fest. Mit dem Entzünden der ersten Kerze – eines Festes, das für das Standhalten des jüdischen Volkes in seinem Land steht – werde erneut sichtbar, wie tief die historischen Wurzeln des jüdischen Volkes im Land Israel verankert seien. Die Funde aus der hasmonäischen Zeit stärkten die historische und kulturelle Verbindung des jüdischen Volkes zu seinem Land und unterstrichen die Bedeutung kontinuierlicher archäologischer Forschung für kommende Generationen.
So verbindet sich das Licht der Chanukka-Kerzen in diesem Jahr auf besondere Weise mit dem Licht der Geschichte – sichtbar geworden in einer kleinen Tonlampe, die nach zwei Jahrtausenden erneut vom jüdischen Leben im Land Israel erzählt.




