Fünf Monate nach dem schlimmsten antisemitischen Terroranschlag in Australiens Geschichte haben in Sydney die ersten öffentlichen Anhörungen der Royal Commission on Antisemitism and Social Cohesion begonnen. Jüdische Australier schilderten dabei, wie der Anschlag auf das Chanukka-Fest am Bondi Beach eine Gemeinschaft traf, die bereits seit Jahren unter wachsendem Judenhass leidet.
Vater und Sohn schossen auf Familien beim Chanukka-Fest
Am 14. Dezember 2025 eröffneten Sajid Akram, 50, und sein Sohn Naveed, 24, das Feuer auf jüdische Familien, die sich am Bondi Beach zu einem Chanukka-Fest versammelt hatten – und verübten damit das schlimmste Massaker in Australien seit 30 Jahren. 15 Menschen wurden getötet. Sajid Akram wurde von der Polizei erschossen, Naveed sitzt in Untersuchungshaft und ist wegen Terrorismus und 15-fachem Mord angeklagt. Die Behörden stufen den Anschlag als vom Islamischen Staat inspiriert ein. Sheina Gutnick, deren Vater bei dem Anschlag getötet wurde, sagte nach der Anhörung gegenüber Medienvertretern, der Anschlag habe glückliche Kindheitserinnerungen an den Strand zerstört, an dem sich ihre Eltern kennengelernt hatten. Alle Zeugen, die am Montag aussagten, waren jüdische Australier – einige sprachen unter Pseudonymen aus Angst vor Repressalien.
Mehr als 2.000 antisemitische Vorfälle in einem Jahr
Die Anhörungen machten deutlich, dass dem Anschlag eine dramatische Eskalation des Judenhasses vorangegangen war. Im Jahr nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 wurden mehr als 2.000 antisemitische Vorfälle gemeldet – verglichen mit einem bisherigen Rekordwert von knapp 500 im Vorjahr.
Die Untersuchungsleiterin Virginia Bell erklärte in ihrer Eröffnungsrede: „Der starke Anstieg des Antisemitismus, den wir in Australien erlebt haben, spiegelt sich in anderen westlichen Ländern wider und scheint klar mit den Ereignissen im Nahen Osten zusammenzuhängen. Es ist wichtig, dass die Menschen verstehen, wie schnell diese Ereignisse zu hässlichen Feindseeligkeiten gegenüber jüdischen Australiern führen können – einfach weil sie Juden sind.“
Toby Raphael, Vizepräsident der Newtown Synagoge in Sydney, die 2025 mit Hakenkreuzen beschmiert wurde, sagte: „Jetzt hat jeder ständig Angst.“ Er habe seinen Gemeindemitgliedern einst erklärt, es brauche keine Sicherheitsvorkehrungen in der Synagoge – das habe sich grundlegend geändert.
Alex Ryvchin, ein jüdischer Gemeinschaftsführer, dessen Haus 2025 einem Brandanschlag zum Opfer fiel, sagte bei der Anhörung, er glaube, Australien befinde sich „auf dem Weg zur Katastrophe“. Er habe bereits im Januar gewarnt, dass jemand sterben werde – und im Dezember sei das Massaker eingetreten, das die Gemeinschaft dauerhaft verändert habe.
Australiens Regierung hatte im August erklärt, der Iran habe mindestens zwei antisemitische Anschläge in Australien orchestriert, und daraufhin die diplomatischen Beziehungen zu Teheran abgebrochen. Die Royal Commission soll ihren Abschlussbericht im Dezember 2026 vorlegen.




