(JNS) Der ehemalige israelische Ministerpräsident Naftali Bennett sprach am Dienstag in Jerusalem bei der 51. Jahrestagung der Conference of Presidents of Major American Jewish Organizations – dem Dachverband großer amerikanisch-jüdischer Organisationen – über die strategischen Lehren aus dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober, die Notwendigkeit, den Iran am Erwerb von Atomwaffen zu hindern, sowie über eine wachsende Gefahr durch die Türkei und Katar.
Bennett erklärte, sieben von zehn palästinensischen Arabern im Gazastreifen und in der Palästinensischen Autonomiebehörde wollten alle Israelis ermorden. Er stützte diese Zahl auf aktuelle Meinungsumfragen in diesen Gebieten, wonach 70 % der Bevölkerung das Massaker vom 7. Oktober 2023 unterstützten. Zudem erinnerte er daran, dass bei den bislang einzigen demokratischen Wahlen in der Palästinensischen Autonomiebehörde im Jahr 2006 die Hamas 76 von 132 Parlamentssitzen gewann.
Bennett verwies zudem auf konkrete Ereignisse vom 7. Oktober. Die ersten beiden Angriffswellen seien von Hamas-Kommandos angeführt worden, sagte er. Die dritte Welle habe jedoch aus „zufälligen Personen“ bestanden, die nach Israel eindrangen und Israelis ermordeten. „Es gibt kein einziges dokumentiertes Ereignis eines ‚Gerechten unter den Völkern‘ im Gazastreifen“, so Bennett.

Zur Bedrohung durch den Iran erklärte Bennett, die Islamische Republik sei durch die gemeinsamen israelisch-amerikanischen Luftangriffe im Juni vergangenen Jahres schwer getroffen worden, doch „die ballistische Bedrohung bleibt, und das böse Regime bleibt“.
Er verglich das iranische Regime mit der ehemaligen Sowjetunion – „verrottet, alt, abgekoppelt, inkompetent“ – und sagte, die Ajatollahs würden letztlich stürzen. Israels Strategie müsse darauf abzielen, diesen Zusammenbruch nach Kräften zu beschleunigen. In der Zwischenzeit gelte es, Iran am Erwerb von Atomwaffen zu hindern.
Zugleich warnte Bennett vor einer neuen Bedrohung aus Anatolien. „Die Türkei ist das neue Iran“, sagte er. Gemeinsam mit Katar nähre sie das „Monster der Islamischen Bruderschaft“, das „am Ende ebenso gefährlich werden könnte wie das von Iran geschaffene“.
Die Türkei baue eine sunnitische Achse auf, bestehend aus Saudi-Arabien, Pakistan und weiteren Staaten, mit dem Ziel, Israel in einem neuen „Würgekreis“ einzuschließen, so Bennett. Den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan bezeichnete er als „raffiniert und gefährlich“. Israel dürfe mit einer Reaktion auf die Bedrohung aus Ankara nicht warten, auch wenn es weiterhin mit Iran befasst sei.
Seine größte Sorge sei jedoch die innere Bedrohung – die Spaltung zwischen Juden in Israel. Der moderne Staat Israel sei die dritte Iteration eines souveränen jüdischen Staates; die beiden vorherigen seien durch Bürgerkriege verloren gegangen. „Im Jahr vor dem 7. Oktober, in diesem schrecklichen Jahr 2023, haben wir gesehen, wie sich die israelische Gesellschaft selbst zerriss“, sagte er mit Blick auf die gesellschaftlichen Verwerfungen rund um die geplante Justizreform der Regierung.
Bennett, der bei der nächsten Wahl, die bis spätestens 27. Oktober stattfinden muss, erneut für das Amt des Ministerpräsidenten kandidieren will, kündigte an, im Falle seiner Wahl eine staatliche Untersuchungskommission „gemäß dem Gesetz“ einzusetzen. Diese solle die Ereignisse des 7. Oktober sowie die Frage untersuchen, wie und warum Israels Regierung und Sicherheitsapparat in den ersten 24 Stunden des Angriffs „verdampften“.
Obwohl sich Israel und die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte erholt hätten, habe der 7. Oktober ein tiefer liegendes strategisches Versagen offengelegt: Israel habe sich zu sehr auf defensive Maßnahmen verlassen und dadurch ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugt, sagte Bennett. Man habe die Lehren der Vergangenheit vergessen, die verlangten, den Kampf zum Feind zu tragen.
Um künftige Angriffe zu verhindern, müsse Israel den passiven Ansatz aufgeben – zu dem es seiner Ansicht nach erneut zurückkehre – und zu einer proaktiven Strategie der direkten und entschlossenen Konfrontation mit Bedrohungen zurückfinden.
Als Beispiel für die verfestigte defensive Denkweise nannte Bennett das Jahr 2014, als Israel 30 Terror-Tunnel entdeckte, die ins Land führten. Er habe im Sicherheitskabinett vehement darauf gedrängt, diese zu zerstören, um einen Großangriff zu verhindern, sei jedoch auf Widerstand führender Vertreter, darunter der Armee und des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet, gestoßen. Erst nach anhaltendem Druck sei gehandelt worden.
„Zu viele Entscheidungsträger – nicht alle, aber viele – haben nicht verstanden, dass jenseits unserer Grenzen Millionen von Menschen leben, die uns töten wollen“, sagte Bennett.
Mit Blick auf die Bedeutung der Beziehungen zwischen den Juden der Diaspora und Israel erklärte Bennett, nach dem Angriff vom 7. Oktober 2023 und der darauffolgenden Welle des Antisemitismus hätten Israelis und das Weltjudentum verstanden, dass sie sich für ihr Überleben nur aufeinander verlassen könnten. „So wie ich es sehe, gehört Israel, der Staat Israel, jedem Juden auf der Welt“, sagte er.
Zum Abschluss äußerte sich Bennett optimistisch über die junge Generation Israels. Sie sei außergewöhnlich, habe in Gaza gekämpft und Verantwortung getragen, wie es die meisten jungen Männer und Frauen weltweit nie müssten.
Israel bringe nicht nur außergewöhnliche Kinder hervor, sondern auch viele von ihnen. Während andere Länder die minimale Reproduktionsrate nicht erreichten, habe Israel die Erfolgsformel gefunden: „Viele Kinder, multipliziert mit außergewöhnlichen Kindern, ergeben erstaunliche 50 Jahre für den Staat Israel.“





Die israelische Gesellschaft wird ihre Spaltungen bald überwinden, weil Ereignisse in Israel stattfinden werden, die sie alle Meinungsverschiedenheiten und Grabenkämpfe vergessen lassen. Die Bundeslade wird wieder auftauchen und man wird kurz darauf mit dem Bau des Tempels beginnen.