ANALYSE: Was wird aus Soleimanis Nahost-Agenda?

Das Superhirn des Nahost-Chaos ist tot, werden jetzt andere das Ruder übernehmen?

ANALYSE: Was wird aus Soleimanis Nahost-Agenda?
Abed Rahim Khatib/Flash90

Mehr als drei Wochen nachdem das US-Militär im Irak Qassem Soleimani, den Befehlshaber der Quds Force des Islamic Revolutionary Guards Corps (IRGC) und den Befehlshaber der irakischen Miliz Kata’ib Hisbollah, Abu Mahdi al-Muhandis, getötet hat, scheint es, dass die Ermordung nicht die gewünschte Wirkung auf den Schattenkrieg zwischen dem Iran und Israel hatte.

Schauen wir uns zunächst an, was im Irak passiert, wo ein Volksaufstand nicht nur gegen die korrupte irakische Regierung, sondern auch gegen die iranische Verankerung im Land gerichtet war.

Nachdem die USA Soleimani und al-Muhandis ausgeschaltet haben, hat sich im Irak jedoch ein dramatischer Wandel vollzogen. Erstens nahmen Zehntausende Iraker an Trauerritualen für die beiden getöteten Kommandeure teil, wonach die schiitische Mehrheit im irakischen Parlament einstimmig eine Resolution verabschiedete, die ein Ende der Präsenz des US-Militärs im Irak forderte.  

Insgesamt wurden seit Beginn der Unruhen im Oktober 109 Katyusha gegen US-amerikanische Einrichtungen im Irak abgeschossen worden und am Sonntag fand ein weiterer Raketenangriff auf die US-Botschaft in der Grünen Zone Bagdads in der Nähe des Botschaftsgeländes statt. Fünf Raketen wurden auf die Botschaft abgefeuert und eine traf eine Person direkt. Der Angriff erfolgte, nachdem der mächtige schiitische Geistliche, Moqtada al-Sadr, der Sieger der letzten irakischen Wahlen, beschlossen hatte, sich der iranischen Achse im Irak anzuschließen, und eine Liste von Forderungen veröffentlicht hatte, die seiner Ansicht nach erfüllt werden müssen, um die USA loszuwerden.

Am vergangenen Freitag organisierte al-Sadr in Bagdad seinen eigenen Millionenmarsch gegen die amerikanische Präsenz im Irak und kündigte später an, er könne weitere dieser antiamerikanischen Demonstrationen organisieren. Gleichzeitig forderte al-Sadr seine Anhänger auf, die Proteste gegen die Regierung abzubrechen, was den Weg für ein neues rücksichtsloses Vorgehen gegen die wütenden Demonstranten freimachte. Al-Sadr machte den entscheidenden Schritt, nachdem er sich am 13. Januar mit Mitgliedern der Quds Force und Kommandeuren der schiitischen irakischen Milizen der Dachorganisation, al-Hashd al-Sha’abi, in der iranischen Stadt Qom getroffen hatte, um über die neue Situation im Irak nach Soleimanis Ermordung zu diskutieren.

Im Nordosten des Irak nahe der Grenzstadt al-Bukamal gehen die iranischen Aktivitäten derweil weiter und haben offenbar neue Luftangriffe von unbekannten Drohnen und Kampfflugzeugen ausgelöst. Berichten zufolge baut der Iran in der Nähe von al-Bukamal eine Untergrundbasis, was Israel beunruhigt, das Berichten zufolge bereits Luftangriffe durchgeführt hat, um den Bau der Basis und den Einsatz ballistischer Raketen in der Region zu stoppen.

All diese jüngsten Entwicklungen sollen eindeutig dazu beitragen, dass der Iran den Irak nach dem Tod seines Oberbefehlshabers besser im Griff hat. Das eigentliche Problem für Israel ist die amerikanische Passivität angesichts dieser Entwicklungen. Die Trump-Administration glaubte, sie hätte dem iranischen Monster den Kopf abgeschnitten, aber die Iraner nutzen jetzt die antiamerikanische Stimmung im Irak, um das US-Militär mit Erfolg aus dem Land zu zwingen. Reporter, die amerikanische Stützpunkte im Irak besuchten, stellten fest, dass weniger US-Soldaten anwesend sind und diejenigen, die sich noch dort aufhalten, aufgrund der zunehmenden Gefahren, denen sie jetzt gegenüberstehen, in ihren Bewegungen eingeschränkt sind.

Nachdem das US-Militär das Kalifat des Islamischen Staates besiegt hatte, richtete es seine Aufmerksamkeit auf die iranische Achse im Irak, um die iranische Verankerung im Land zu stoppen. Die Ermordung von Soleimani droht nun, dieser neue Mission zu schaden.

Dann gibt es noch Syrien, wo die israelische Luftwaffe (IAF) am 14. Januar neue Luftangriffe gegen die iranische Achse durchführte, als die T-4-Basis im Nordwesten Syriens angegriffen wurde und höchstwahrscheinlich auch am vergangenen Samstag, als nicht identifizierte Kampfflugzeuge zwei Standorte der Quds Force und der schiitische Liwa Fatemiyoun-Miliz bombardierte.

Liwa Fatemiyoun ist eine afghanische Miliz, die von Qassem Soleimani nach Syrien gebracht wurde, um im Auftrag des Assad-Regimes als Kanonenfutter in gefährlichen Missionen eingesetzt zu werden. Soleimanis “Soldaten” in Syrien machen Berichten zufolge jetzt den schmutzigen Job, die sunnitischen Islamisten in der nördlichen Provinz Idlib in Syrien zu besiegen. Die britische Tageszeitung Daily Telegraph hat Audioaufnahmen des Funkverkehrs zwischen Mitgliedern von Liwa Fatemiyoun abgefangen, die derzeit die letzte Hochburg der Rebellen in Syrien “befreien”. “Die Kämpfer sprechen Persisch und verwenden die Namen von Tieren als Codewörter, um Ziele zu beschreiben und sie behaupten, dass ein geplanter Angriff leicht sein wird”, so der Daily Telegraph.

Auch in diesem Fall wird die afghanische Miliz, die Berichten zufolge 20.000 Kämpfer in Syrien hat, als Rammbock eingesetzt, um die sunnitisch-islamistischen Milizen zu bekämpfen, die jetzt in Gefahr sind, besiegt zu werden. Berichten zufolge hat Soleimani der iranischen Achse eine Fünfjahresstrategie zur Schaffung des schiitischen Halbmonds vorgegeben, der zu einer existenziellen Bedrohung für Israel geworden ist. Unter seinem Kommando entwickelte die IRGC auch eine qualifizierte Cyber-Warfare-Einheit, die Israel und das US-Militär im Nahen Osten zunehmend behindert.

Letzte Woche gehörte der Iran zu den Nationen, die Cyber-Angriffe gestartet haben, um das Gedenken an die Befreiung des Todeslagers Auschwitz in Jerusalem zu stören. Israels neu aufgerüstete Cyber ​​Defense Air Traffic Einheit berichtete, sie habe 800 Cyber-Angriffe auf die ankommenden Flugzeuge der führenden Politiker der Welt, die an der Gedenkstätte in Jerusalem teilnahmen, neutralisiert.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Ermordung von Soleimani ein schwerer Schlag für den Iran gewesen sein mag, aber wie die Entwicklungen vor Ort zeigen, hat dies nicht zu einer signifikanten Reduzierung der kriegerischen Aktivitäten der iranischen Achse geführt.