ANALYSE: Trotz der Gespräche in Wien steigert der Iran seine Aggressivität im Nahen Osten

Teherans Tentakel breiten sich weiter aus. Ihr Ziel ist die Vernichtung Israels. Doch der jüdische Staat gibt nicht auf

von Yochanan Visser | | Themen: Iran
Iraner begehen den Jahrestag der Ermordung des Kommandeurs der Revolutionsgarden, Qassem Soleimani, was vom Regime als Rechtfertigung für neue Aggressionen benutzt wird. Foto: EPA-EFE/ABEDIN TAHERKENAREH

Während die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm am Montag in Wien wieder aufgenommen wurden, hat es den Anschein, dass die Islamische Republik ihre kriegerischen Aktivitäten im Nahen Osten weiter ausweitet.

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Ereignisse zwischen dem Iran und Israel in den letzten zwei Wochen.

 

Der Raketenangriff auf Tel Aviv

Der Abschuss von zwei Raketen auf Tel Aviv am frühen Neujahrstag wurde von den israelischen Medien mit internen Entwicklungen in Israel und den von der Palästinensischen Autonomiebehörde und der Hamas (Gaza) verwalteten Gebieten in Verbindung gebracht.

Die Hamas und der Palästinensische Islamische Dschihad (PIJ) behaupteten, der Raketenabschuss sei ein Unfall gewesen, verursacht durch „schlechtes Wetter“ oder einen „Blitzeinschlag“, je nachdem, wen man fragt.

Später gab der PIJ zu, dass der Abschuss der Langstreckenraketen, die im Meer vor der Küste von Tel Aviv und dem IAF-Stützpunkt in Palmachim explodierten, eine Warnung an Israel gewesen sei.

Angeblich geschah dies aus Solidarität mit dem inhaftierten palästinensischen Hungerstreikenden Hisham Abu Hawash, der Mitglied des PIJ ist.

 Siehe: Sollte Israel seine Feinde medizinisch versorgen?

Letzte Woche erklärten Ärzte, Abu Hawash befinde sich in einem kritischen Zustand. Der PIJ drohte Israel, Tel Aviv zu bombardieren, sollte er sterben. Die vom Iran gegründete und unterstützte Terrororganisation verlangte von Israel die Freilassung von Hawash.

 

Hungerstreik

Hungerstreiks haben sich in der Vergangenheit als wirksames Erpressungsinstrument erwiesen, um Israel zu Zugeständnissen zu zwingen.

Einige Hungerstreikende wurden von Israel freigelassen, während die palästinensischen Gefangenen in anderen Fällen bessere Haftbedingungen durchsetzen konnten.

Hungerstreiks für bessere Haftbedingungen sind jedoch eine Farce, wenn man die reale Situation in den israelischen Gefängnissen betrachtet.

Die palästinensischen Terroristen in israelischen Gefängnissen erhalten nicht nur ein „Gehalt“ von der Palästinensischen Autonomiebehörde (das je nach Schwere der Strafe bis zu 12.000 NIS pro Monat betragen kann), sondern dürfen auch 1.600 NIS von Dritten für Einkäufe im Gefängniskiosk erhalten.

Letztes Jahr wurde bekannt, dass die israelische Post Konten für die palästinensischen Gefangenen eröffnet und verwaltet hat.

Seit 2008 wurden auf diese Konten sage und schreibe 100 Millionen NIS überwiesen. In diesem Betrag sind die von der Palästinensischen Autonomiebehörde an die inhaftierten Terroristen gezahlten Gehälter nicht enthalten.

Siehe: Das lukrative Geschäft, Juden in die Luft zu jagen

Die palästinensischen Gefangenen haben außerdem freien Zugang zu Kabelfernsehen in ihren Zellen und können in der Küche der Abteilung, in der sie festgehalten werden, Essen zubereiten.

Verglichen mit der Situation in anderen Ländern des Nahen Ostens führen die Häftlinge in israelischen Gefängnissen ein luxuriöses Leben. Es gab also keinen Grund für die Hamas und den PIJ, wegen dieser Frage einen Krieg gegen Israel zu riskieren.

Am Ende war es Israel, das dem Druck nachgab, und am Dienstagabend wurde bekannt, dass der jüdische Staat Hawash Ende Februar freilassen würde.

Der Terrorist wurde kurz darauf mit einem breiten Lächeln fotografiert. Sein Zustand war also weniger „kritisch“ als behauptet.

 

Zermürbungskrieg wird fortgesetzt

Hamas und PIJ haben also einen Grund weniger, neue Anschläge auf Israel zu verüben, sollte man meinen.

Doch leider verhält sich die Sachlage ganz anders.

Der Zermürbungskrieg wird weitergehen, denn der wahre Grund, warum die Hamas und der PIJ regelmäßig neue Angriffe auf Israel verüben, ist in Teheran zu suchen.

Das fanatische Regime von Ayatollah Ali Khamenei und Präsident Ebrahim Raisi gibt der Hamas und dem PIJ alle notwendige Unterstützung, um den Zermürbungskrieg gegen Israel fortzusetzen.

Dies wurde bereits von verschiedenen Hamas- und PIJ-Anführern bestätigt.

Iran hilft den beiden Terrorgruppen unter anderem, militärisch voranzukommen, und hat eine Strategie entwickelt, die Hamas und PIJ schon seit einiger Zeit verfolgen.

Hamas-Chef Ismail Haniyeh hat dies letzte Woche in einem Interview mit dem in Katar ansässigen Fernsehsender Al-Jazeera offen zugegeben.

Haniyeh sagte, die Hamas habe 70 Millionen Dollar vom Iran erhalten, um die palästinensische Strategie nach dem ersten Krieg mit Israel 2008/2009 zu ändern.

Haniyeh behauptete auch, dass Israel aufgrund dieser geänderten Strategie während des 11-tägigen Krieges im Mai letzten Jahres durch die aus dem Gazastreifen abgefeuerten Raketensalven „völlig gelähmt“ gewesen sei.

Haniyeh zufolge hätten die israelischen Abwehrsysteme gegen die Raketen aus dem Gazastreifen nicht den gewünschten Schutz für die Zivilbevölkerung geboten.

Auch der Iran habe den Terrorbewegungen im Gazastreifen geholfen, bessere Raketen zu entwickeln, sagte Haniyeh und fügte hinzu, dass Hamas und PIJ die Abschreckung im Kampf gegen die israelische Armee wiederhergestellt hätten.

Die Befehlshaber von Hamas und PIJ arbeiten seit kurzem intensiv zusammen und führen regelmäßig groß angelegte Militärübungen nach dem Vorbild des Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRCG) im Iran durch.

 

Iranische Cyberangriffe auf Israel

Der Iran ist auch im Bereich der Cyberangriffe auf Israel sehr aktiv.

Nach der Abschaltung von Webseiten israelischer Regierungsbehörden vor zwei Wochen wurde am vergangenen Wochenende ein weiterer iranischer Cyberangriff auf die englischsprachige israelische Zeitung The Jerusalem Post und ihre Tochtergesellschaft Ma’ariv gemeldet.

Die Homepages von JPost und Ma’ariv verschwanden und wurden durch Bilder eines explodierenden Atomreaktors in der israelischen Stadt Dimona ersetzt.

Das Bild zeigte eine Hand, die angeblich Qassem Soleimani, dem ermordeten Kommandeur der Quds-Truppe der IRGC, gehört, wie er eine Rakete auf Dimona abfeuert.

Auf dem Bild war ein Spruchband in gebrochenem Englisch und Hebräisch zu sehen, auf dem stand: „Wir sind euch näher als ihr ahnt, denkt einmal darüber nach“.

Die Jerusalem Post bestätigte später, dass es sich um eine iranische Cyber-Attacke handelte, und schrieb, der Angriff habe auch dem Staat Israel gegolten.

 

Iran gedenkt der Ermordung von Qassem Soleimani

Anfang dieser Woche gedachte der Iran der Ermordung von Qassem Soleimani, der am 3. Januar 2020 von einer amerikanischen Killerdrohne in der Nähe von Bagdad, Irak, getötet wurde.

Siehe: Was der Tod von Qasem Soleimani für Israel bedeutet

Zunächst wurden am vergangenen Montag Raketen aus iranischer Produktion auf US-Militärstützpunkte abgefeuert.

Gleichzeitig schossen irakische Militärangehörige unbemannte Kamikaze-Flugzeuge in der Nähe des Flughafens von Bagdad im Irak ab. Auf einem der unbemannten Flugzeuge war der Schriftzug „Soleimanis Rache“ aufgemalt.

Die Drohnenangriffe setzten sich am Dienstag fort, als mit Sprengstoff beladene Drohnen in der Nähe des großen Stützpunkts Ayn al-Assad bei Bagdad abgeschossen wurden. Der Stützpunkt beherbergt ein großes Kontingent der US-Armee.

Ebenfalls am Montag wurde ein aus den Vereinigten Arabischen Emiraten kommendes Schiff in der Nähe der jemenitischen Hafenstadt Hodeida von der vom Iran unterstützten Ansar Allah oder Houthi-Miliz gekapert.

Ansar Allah behauptete, Saudi-Arabien benutze das Schiff, um Waffen in den Jemen zu schmuggeln, was das Königreich vehement bestritt.

Die Entführung des Schiffes wurde später auch mit dem Gedenken an Soleimanis Tod in Verbindung gebracht.

 

Hisbollah und Iran in Syrien

Auch in Syrien ist der Iran weiterhin sehr aktiv und baut gemeinsam mit seinem Verbündeten Hisbollah alte syrische Armee- und Luftstützpunkte wieder auf.

Der Iran hat zudem seine Truppenaufstockung in der Nähe von Damaskus verstärkt und plant, den so genannten T-4-Luftwaffenstützpunkt in der Nähe der Stadt Homs auf einen wieder hergerichteten syrischen Luftwaffenstützpunkt in der Nähe von Damaskus zu verlegen.

Dies geschieht wahrscheinlich, um israelische Luftangriffe auf die Basen zu erschweren, da die russische Armee für die Luftsicherheit von Damaskus zuständig ist.

Die israelische Luftwaffe (IAF) hat dieses Gebiet um die syrische Hauptstadt wiederholt bombardiert, um die iranische Truppenaufstockung zu verhindern und ausgeklügelte Waffenlieferungen aus dem Iran für die Hisbollah zu unterbinden.

Letzte Woche hat die israelische Luftwaffe bei einem weiteren Angriff auf iranische Einrichtungen in Syrien Raketen eingesetzt, die von israelischen Kampfflugzeugen vom Mittelmeer aus abgefeuert wurden.

Die Raketen zerstörten eine Reihe von Containern mit modernen Waffen, die von einem iranischen Schiff in die westsyrische Hafenstadt Latakia geliefert wurden.

 

Hebräisch als psychologische Waffe

Die Medien und das iranische Regime nutzen die hebräische Sprache zunehmend, um Israel zu bedrohen.

Drohungen mit einem Angriff auf Dimona wurden in hebräischer Sprache auf Webseiten veröffentlicht, die dem Regime nahestehen.

 Siehe: Der Iran droht mit der Zerstörung des israelischen Atomreaktors

In dieser Woche eröffnete die Khamenei-nahe Nachrichtenseite Tasnim eine neue Seite in hebräischer Sprache.

Die Seite zielt eindeutig darauf ab, die öffentliche Meinung in Israel zu beeinflussen und den psychologischen Druck auf den jüdischen Staat zu erhöhen.

 

Israel warnt seine Nachbarn vor dem Iran

Israels Verteidigungsminister Benny Gantz warnte vergangene Woche die arabischen Länder in der Nähe des Iran davor, zuzulassen, dass ihr Territorium für den Transport von Waffen an dessen Stellvertreter genutzt wird, die Israel bedrohen.

Israel werde weiterhin den Transport von Waffen blockieren, die „die Spielregeln verändern“, warnte Gantz.

„Der Iran ist der größte Feind meiner Nation und der Menschen im Nahen Osten“, fügte Gantz hinzu.

 

Die kriegerischen Aktivitäten des Irans stehen in Wien nicht auf der Tagesordnung

Es bleibt unklar, ob alle kriegerischen Aktivitäten des Irans bei den Verhandlungen mit der Islamischen Republik in Wien zur Sprache kommen werden.

Der Sprecher des US-Außenministeriums, Ned Price, sagte am Dienstag, bei den Verhandlungen mit dem Iran seien „bescheidene Fortschritte“ erzielt worden.

Price stellte jedoch auch klar, dass nur von einer gegenseitigen Rückkehr zum ursprünglichen Atomabkommen von 2015, dem sogenannten Gemeinsamen Umfassenden Aktionsplan (JCPOA), die Rede ist.

Für die israelische Regierung ist eine Rückkehr zum ursprünglichen JCPOA jedoch inakzeptabel.

Außenminister Yair Lapid kündigte am Dienstag an, dass in Wien nur geringe Fortschritte erzielt werden und es nicht den Durchbruch geben wird, den Israel braucht.

 

Kein Platz für den Zionismus in der Welt

Lapid wurde später in eine Art Twitter-Krieg mit seinem iranischen Amtskollegen Hossein Amirabdollahian verwickelt, der schrieb, dass „es in der Zukunft der Welt keinen Platz für den Zionismus gibt“.

In seiner Antwort sagte Lapid, dass das Regime in Teheran letztendlich den Kampf mit Israel verlieren werde.

Das extremistische iranische Regime droht Israel mit der Vernichtung, wird diesen Kampf aber weiterhin verlieren. Ihre gescheiterte Führung zerstört den Iran von innen heraus. Um es mit den Worten des iranischen Dichters Saadi zu sagen: „Derjenige, dessen Wesen das Böse ist, wird es für immer bleiben.“  

Das israelische Militär bereitet sich unterdessen weiter auf eine Militäraktion gegen den Iran vor und hat sich nun mit den Amerikanern auf die baldige Lieferung von zwei Boeing K-64-Tankflugzeugen geeinigt, die für einen Luftangriff auf den Iran benötigt werden.

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