Sollte Israel seine Feinde medizinisch versorgen?

Ein palästinensischer Hungerstreikender soll aus der Haft entlassen werden. In diesem Rahmen wird eine wichtige Debatte über Israels Umgang mit seinen Feinden neu angestoßen.

von Israel Heute Redaktion | | Themen: Palästinenser
Palästinenser demonstrieren zur Unterstützung des hungerstreikenden Dschihadisten Hisham Abu Hawash, der in einem israelischen Krankenhaus behandelt wird.  Foto: Abed Rahim Khatib/Flash90

Die Angelegenheit um den palästinensischen Hungerstreikenden Hisham Abu Hawash ging diese Woche zu Ende, als Israel beschloss, seine Haft nicht zu verlängern. Es ist jener Gefangene, vor dessen Krankenzimmer sich rechtsgerichtete und arabische Knessetmitglieder bei einem Besuch in dem Krankenhaus in der Nähe von Tel Aviv letzten Oktober ein recht handgreifliches Wortgefecht geliefert hatten.

Abu Hawash ist ein Mitglied des Palästinensischen Islamischen Dschihad, der im Oktober 2020 wegen seiner Beteiligung an terroristischen Aktivitäten gegen Israelis festgenommen worden war. Da jedoch nie eine offizielle Anklage gegen ihn erhoben wurde, trat Abu Hawash vor 141 Tagen in einen Hungerstreik, um internationalen Druck für seine Freilassung auszuüben.

Der Plan ging auf. Israel hat diese Woche beschlossen, Abu Hawashs Haft nicht zu verlängern, wenn sie am 26. Februar ausläuft.

Da derzeit so viele in- und ausländische Augen auf Abu Hawash gerichtet sind, besuchten Mitglieder der Knesset, die immer gerne vor die Kamera treten, den palästinensischen Terroristen, nachdem sie von seiner bevorstehenden Freilassung erfahren hatten.

Als er das Krankenhaus betrat, rief der Vorsitzende der Vereinten Arabischen Liste, Ayman Odeh, aus: „Ein Sieg für das palästinensische Volk!“

Begleitet wurde Odeh von Itamar Ben Gvir von der rechtsextremen Partei Religiöser Zionismus, der ihm entgegnete: „Du bist ein Terrorist!“

Ben Gvir fügte hinzu, dass Feinde wie Abu Hawash nicht gefangen genommen werden sollten, um ihnen die Möglichkeit zu geben, das israelische Gesundheitssystem auszusaugen und internationale Aufmerksamkeit zu erregen. Vielmehr „sollten sie durch einen gezielten Schlag eliminiert werden“.

Dies ist tatsächlich seit vielen Jahren ein Streitpunkt in Israel.

Oft werden nach tödlichen Terroranschlägen die verwundeten palästinensischen Täter zusammen mit ihren Opfern in israelischen Krankenhäusern behandelt. Wenn es um lebensrettende medizinische Versorgung geht, diskriminiert Israel grundsätzlich nicht, auch nicht unter solch schwierigen Umständen.

Für einige Israelis ist das nicht in Ordnung. Andere bestehen darauf, dass die Liebe zu seinen Feinden ein wichtiger Teil von Israels Berufung ist, ein Licht für die Völker zu sein.

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