Israel hat laut hebräischen Medienberichten am Dienstag sämtliche Beschaffungen im Verteidigungsbereich aus Frankreich beendet. Der Schritt spiegelt eine grundsätzliche Einschätzung in Jerusalem wider: Frankreich habe sich für politische Feindseligkeit statt strategischer Partnerschaft entschieden.
Die Entscheidung wurde demnach vom Generaldirektor des Verteidigungsministeriums, Amir Baram, getroffen. Er wies das Ministerium an, alle Rüstungsverträge mit Frankreich zu stoppen und die Beschaffung stattdessen auf israelische Systeme sowie Anbieter aus verbündeten Staaten zu verlagern.
Es ist ein bedeutender Bruch – wenn auch kein überraschender.
Seit Monaten verhält sich Frankreich weniger wie ein westlicher Verbündeter, der Differenzen managt, sondern eher wie eine Regierung, die Israel isolieren will, während das Land einen Krieg führt, der ihm durch das Massaker vom 7. Oktober und die anschließende iranische Eskalation aufgezwungen wurde. Paris schränkte die Teilnahme Israels an Rüstungsmessen ein und unterstützte eine UN-Resolution, die ein Waffenembargo gegen Israel fordert.
Besonders sichtbar wurde der Bruch während des zwölftägigen Krieges im Juni mit dem Iran. Israel warf der französischen Regierung vor, Teile des israelischen Pavillons auf der Paris Air Show blockiert zu haben. Nach Angaben Jerusalems verstieß dieser Schritt gegen vorherige Vereinbarungen über die Teilnahme Israels sowie gegen grundlegende Prinzipien der Gleichbehandlung.
Baram reagierte damals ungewöhnlich deutlich und bezeichnete das Verhalten Frankreichs als „absolut, unverblümt antisemitisch“. Es handle sich um eine Form wirtschaftlicher Ausgrenzung mit dem Ziel, israelische Rüstungsunternehmen im Wettbewerb mit der französischen Industrie zu benachteiligen.
Dieser Vorwurf trifft den Kern dessen, was viele in Israel zunehmend als französische Politik wahrnehmen: politische Diskriminierung, verpackt als diplomisches Prinzip.
Das Verteidigungsministerium erklärte damals, das französische Vorgehen erfolge zu einem Zeitpunkt, in dem Israel einen notwendigen und gerechten Krieg gegen die nukleare und ballistische Bedrohung durch den Iran führe. Frankreich nehme diese Haltung ausgerechnet in dem Moment ein, in dem Israel einem offen auf seine Zerstörung zielenden Gegner gegenüberstehe – und zugleich Europa sowie die gesamte Region vor den Folgen iranischer Eskalation schütze.
Darin liegt der zentrale Widerspruch der französischen Position: Paris spricht die Sprache von Sicherheit und Stabilität, unternimmt jedoch wiederholt Schritte, die ausgerechnet den regionalen Akteur einschränken, der aktiv gegen destabilisierende Kräfte vorgeht.
Auch rechtlich gab es zuletzt Zweifel an der französischen Linie. 2024 hob ein Pariser Gericht Beschränkungen auf, die das französische Verteidigungsministerium gegenüber israelischen Unternehmen auf der Rüstungsmesse Eurosatory durchsetzen wollte. Das Gericht entschied, dass diese gegen den Gleichheitsgrundsatz verstoßen. Selbst innerhalb Frankreichs hielt der Versuch, israelische Firmen auszubremsen, rechtlicher Prüfung nicht stand.
Israel zieht daraus nun praktische Konsequenzen.
Ein Land, das an mehreren Fronten kämpft, kann es sich nicht leisten, bei der Rüstungsbeschaffung von Regierungen abhängig zu sein, die seinen Verteidigungssektor politisch zur Disposition stellen. Aus Sicht Jerusalems ist es sinnvoller, auf heimische Produktion zu setzen, die Zusammenarbeit mit verlässlichen Partnern zu vertiefen – und strategische Unklarheiten nicht länger mitzufinanzieren.




