Naher Osten

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Kaviar, Kasinos und israelische Touristen im goldenen Zeitalter des Schahs

Bevor die Islamische Revolution von 1979 alles veränderte, konkurrierte Teheran mit Paris als kosmopolitischer Spielplatz.

Iran
Der Schah Mohammad Reza Pahlavi und seine Frau besuchten im Juni 1970 Espoo in Finnland. Foto: Markku Lepola, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

(Israel Hayom) Weniger als 50 Jahre ist es her, dass Israels Flughafen Ben-Gurion in Tel Aviv als Abflugort zu einem der begehrtesten, modernsten und zugleich leicht erreichbaren Reiseziele für Israelis diente: dem Iran.

Es war nicht einfach ein Nachbarland, sondern gewissermaßen „die große Schwester“ – fortschrittlich, wohlhabend, selbstbewusst. Ein Ort, an dem Frauen in Miniröcken über breite Boulevards flanierten, Alkohol in glitzernden Nachtclubs floss und Schah Mohammad Reza Pahlavi daran arbeitete, sein Königreich in eine persische Version Frankreichs zu verwandeln.

Warum alle nach Teheran strömten

In den 1960er- und 1970er-Jahren wirkte Teheran nicht wie eine Stadt im Herzen eines konservativen muslimischen Landes. Die Metropole erlebte unter der sogenannten Weißen Revolution des Schahs eine beschleunigte Westorientierung. Diese Reformen – Landreformen, Ausbau des Bildungssystems und Stärkung der Frauenrechte – sollten den Iran rasch modernisieren, erzeugten jedoch zugleich wachsenden inneren Widerstand und legten damit den Grundstein für die spätere Islamische Revolution.

Touristen aus Europa und den USA sahen im Iran die perfekte Kombination aus orientalischer Exotik und westlicher Infrastruktur.

In der Pahlavi-Straße in Teheran liefen die neuesten Hollywoodfilme zeitgleich mit ihrem US-Start. Boutiquen präsentierten Haute-Couture-Kollektionen aus Paris und Mailand, und die lokale Elite war gebildet sowie französisch- und englischsprachig.

Die Clubs Teherans waren berühmt für Live-Auftritte internationaler Stars neben persischen Popikonen wie Googoosh. Der legendäre Kaviar aus dem Kaspischen Meer wurde auf silbernen Platten zusammen mit Premium-Wodka serviert – die Atmosphäre war die einer endlosen Feier.

Googoosh singt im Iran vor der Islamischen Revolution. Bildquelle: Unbekannter Autor, Public domain, via Wikimedia Commons.

Googoosh war nicht einfach eine weitere Popsängerin. Sie war die größte Kulturikone des modernen Iran – zugleich Madonna und Édith Piaf des Nahen Ostens. In der Zeit vor der Revolution von 1979 verkörperte sie Glamour, Liberalität und kosmopolitische Offenheit der iranischen Gesellschaft.

Der megalomanische Glanz

Über Tourismus im Iran vor 1979 zu sprechen, ohne das Jahr 1971 zu erwähnen, ist unmöglich. Der Schah beschloss, 2.500 Jahre Persisches Reich mit einem Ereignis zu feiern, das bis heute als „die teuerste Party der Geschichte“ gilt.

Am antiken Ort Persepolis, mitten in der Wüste, entstand eine extravagante Zeltstadt – keine Campingzelte, sondern königliche Suiten aus Seide.

Staats- und Regierungschefs, Könige und Präsidenten (darunter auch eine hochrangige israelische Delegation) wurden zu zwei Tagen sensorischer Überwältigung eingeladen.

Das Essen wurde eigens aus Paris eingeflogen. Alles war darauf ausgelegt, der Welt zu demonstrieren, dass Iran eine globale Großmacht sei. Für westliche Touristen war dies das Signal: Iran war der Ort, an dem man sein musste.

Vom Skifahren bis zu tropischen Inseln

Der Iran bot eine in der Region nahezu einzigartige geografische Vielfalt:

Im Alborz-Gebirge nördlich von Teheran entstand Dizin, eines der besten Skigebiete der Welt. Der Schnee gilt als außergewöhnlich hochwertig, und das Resort wurde zum Pilgerort für europäische Skifahrer auf der Suche nach einer Alternative zu den Alpen.

Die alten Seilbahnen, vor der Revolution in Frankreich und Deutschland gebaut, rattern bis heute den Berg hinauf – nun mit einer neuen Generation junger Iraner. Für sie ist Dizin eine Blase der Freiheit: Fernab der wachsamen Augen der Sittenpolizei verschwimmen unter Sonnenbrillen und Helmen die Grenzen.

Der Schah träumte davon, die Insel Kish im Persischen Golf zu einer Rivalin Monte Carlos zu machen. Ein luxuriöses Kasino entstand, dazu Edelhotels und sogar ein Flughafen, der für die Landung der Überschallmaschine Concorde ausgelegt war. Kish war der Spielplatz der Golf- und der westlichen Elite.

Nach 1979 erlebte Kish eine bemerkenswerte Wandlung: Vom exklusiven Refugium des Schahs und der Weltaristokratie entwickelte sich die Insel zur iranischen Version von Eilat kombiniert mit Dubai – eine Freihandelszone, ein Zentrum des Inlandstourismus und eine Blase relativer Liberalität.

Isfahan und Shiraz standen für den kulturell-historischen Aspekt. Der Naqsh-e Jahan Square mit seinen atemberaubend blauen Moscheen war Pflichtprogramm für Architekturliebhaber.

Im Herzen von Shiraz, der Stadt der Dichter und des Weins, liegt das Kronjuwel der persischen Gärten: der Eram Garten. Ein Ort, an dem königliche Architektur und wilde Natur verschmelzen – eine Spiegelung des im Koran beschriebenen Paradieses.

Die israelische Perspektive

In jenen Jahren war Iran für viele Israelis ein bevorzugtes Reiseziel – geschäftlich wie privat.

El Al betrieb regelmäßige Direktflüge zwischen dem Flughafen Ben-Gurion und Teheran. Komplizierte Visa waren nicht nötig, der Empfang war außergewöhnlich herzlich.

In Teheran lebte eine große israelische Gemeinschaft von mehreren Tausend Menschen: Ingenieure, Militärangehörige, Geschäftsleute und ihre Familien. Sie gründeten israelische Schulen, soziale Klubs und sogar eine Niederlassung des Bauunternehmens Solel Boneh, das im ganzen Land Großprojekte realisierte.

Israelis flogen nach Teheran, um echte persische Teppiche, Goldschmuck und Kaviar zu geradezu lächerlichen Preisen zu kaufen. Für den durchschnittlichen Israeli der 1970er-Jahre war Teheran „Ausland“ im vollen Sinne des Wortes – größer, reicher und spektakulärer als das kleine Tel Aviv jener Zeit.

Das bittere Ende und die bleibende Nostalgie

Die Islamische Revolution von 1979 unter Führung von Ruhollah Khomeini veränderte nicht nur die Politik, sondern löschte eine florierende Tourismusindustrie über Nacht aus.

Kinos wurden niedergebrannt, Nachtclubs geschlossen, das Kasino auf der Insel Kish verfiel (und wurde später in ein „sittenkonformes“ Einkaufszentrum umgewandelt). Frauen, die wenige Monate zuvor die neueste Mode auf Teherans Straßen präsentiert hatten, wurden gezwungen, den Hidschab zu tragen.

Die Revolution brach bereits 1977 als breite Volksbewegung aus und gewann 1978 enorme Dynamik. Beteiligt waren liberale Studenten, Kommunisten, Intellektuelle und Säkularisten – viele von ihnen wollten keineswegs einen Gottesstaat, sondern lediglich das Ende der zunehmend autoritären Herrschaft des Schahs.

Heute blicken viele junge Iraner auf Fotos ihrer Eltern aus den 1970er-Jahren – in Badeanzügen am Kaspischen Meer oder tanzend in Clubs – mit Sehnsucht auf eine Zeit der Freiheit und Offenheit zurück.

Tourismus in den Iran existiert heute nur noch in sehr begrenzter Form, vor allem für abenteuerlustige Geschichtsinteressierte. Doch das glitzernde goldene Zeitalter bleibt eine ferne Erinnerung – eingehüllt in Kaviar und den Duft französischen Parfüms im Herzen der persischen Wüste.

 

Ursprünglich veröffentlicht von Israel Hayom.

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Patrick Callahan

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Ein Kommentar zu “Kaviar, Kasinos und israelische Touristen im goldenen Zeitalter des Schahs”

  1. One sagt:

    Die Unterstützer der Revolution haben damals etwas völlig anderes „erhalten“ als geplant, ein religiöses Terrorregime, das heute den Boden Persiens mit dem Blut der Demonstranten gegen dieses Regime tränkt.
    Und wie es aussieht, wird sich so schnell nichts ändern.

    One

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