Benjamin Netanjahu hat die UNO-Generalversammlung nicht nur als politische Bühne genutzt, sondern als ein Instrument im Kampf um die öffentliche Meinung. Auf seiner Jacke prangte ein unscheinbarer QR-Code, der binnen Stunden zu einem Symbol wurde. Wer ihn scannte, landete auf einer Internetseite mit Aufnahmen der Hamas-Massaker vom 7. Oktober. Laut Büro des Ministerpräsidenten wurde der Code über eine Million Mal aufgerufen, und ausgerechnet rund 30 Prozent dieser Zugriffe kamen aus Iran und aus dem Gazastreifen.
Für Netanjahu war das kein Nebeneffekt, sondern das Ziel. Seine Botschaft sollte nicht bei den Diplomaten im Saal verhallen, sondern dorthin gelangen, wo Israels Feinde ihre eigenen Bürger abschirmen und indoktrinieren. Mit dem QR-Code umging er Zensur, Propaganda und staatliche Mauern. So erreichte das, was die Weltöffentlichkeit oft verdrängt, auch die Bevölkerung in Teheran und Gaza: die brutalen Bilder des Terrors, die Erinnerung an den 7. Oktober, die Realität des israelischen Schmerzes.

Die Rede selbst wurde zusätzlich in arabischer Sprache verbreitet, über Lautsprecher an der Grenze zu Gaza ausgestrahlt und nach Angaben des Büros des Ministerpräsidenten sogar auf Mobiltelefone innerhalb des Gazastreifens übertragen. Ob dies technisch in vollem Umfang funktioniert hat, bleibt unbestätigt, doch die Absicht ist klar: Israels Ministerpräsident spricht nicht nur zu den Staatschefs der Welt, sondern auch direkt zu den Menschen hinter den feindlichen Linien.
Außerdem veröffentlichte das Büro des Ministerpräsidenten Netanjahus UNO-Rede mit arabischer Synchronisation, als Teil des Versuchs, die öffentliche Meinung zu gewinnen.
Parallel dazu lief in New York eine groß angelegte PR-Kampagne. Digitale Anzeigetafeln, Lkws mit Bildschirmen und Banner rund um das UN-Gebäude verstärkten die Botschaft. Wer sich der Rede entzog oder den Saal verließ, sollte ihr draußen in den Straßen von Manhattan nicht entkommen.
Natürlich gibt es Zweifel. Wer die Millionen Scans auswertet, weiß nicht, ob es wirklich Bürger in Iran oder Gaza waren, die sich die Bilder ansahen, oder ob ein Teil der Zugriffe aus der Diaspora oder von Sympathisanten kam. Auch die technische Behauptung, Handys in Gaza seien mit Netanjahus Rede bespielt worden, lässt sich schwer überprüfen. Doch die Zahlen sprechen für sich: Das Signal wurde gesendet – und offenbar empfangen.





Ja, seid listig und klug wie die Schlangen aber ohne falsch wie die Tauben.
Shavua tov – eine gesegnete Woche euch.