Religiöse, konservative Israelis beklagen häufig, dass sie bei der Vergabe hochrangiger Posten im Sicherheitsapparat übergangen werden. Gleichzeitig herrscht in Teilen der Öffentlichkeit der Irrglaube, religiöse Israelis dienten überhaupt nicht in der Armee – eine Verwechslung aller Kippa-Träger mit den Ultraorthodoxen, die sich in der Regel dem Wehrdienst verweigern.
Generalmajor David Zini durchbricht dieses Muster in gleich zweifacher Hinsicht.
Am Donnerstag ernannte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Zini zum neuen Chef des Shin Bet – dem israelischen Inlandsgeheimdienst.
Netanjahu nannte Zinis beeindruckende Qualifikationen und seine Weitsicht als ausschlaggebende Gründe für die Ernennung. Doch auch Zinis kompromissloser Führungsstil und sein tiefes Verständnis für den religiösen Charakter des Konflikts dürften ihm und dem Staat Israel zugutekommen.
Zini ist ein Kämpfer unter Kämpfern. Er diente als Kommandosoldat in der angesehenen Sayeret Matkal (Aufklärungseinheit des Generalstabs), kommandierte ein Bataillon der Golani-Brigade, führte die Eliteeinheit Egoz und gründete die Kommandobrigade der IDF, die im aktuellen Krieg stark zum Einsatz kommt. Zuletzt war er Leiter des Ausbildungskommandos der israelischen Armee.
Besonders relevant in der aktuellen Lage: Bereits im März 2023 – sechs Monate vor dem Angriff der Hamas – verfasste Zini einen Bericht, in dem er die fehlerhafte Aufstellung der IDF rund um den Gazastreifen kritisierte. Fast jeder Abschnitt sei anfällig für Überraschungsangriffe, warnte er.
Tragischerweise wurde seine prophetische Warnung nicht rechtzeitig ernst genommen.
Zini ist zudem ein tief religiöser Mensch. Der Sohn eines bekannten Rabbiners aus Aschdod trägt Kippa und hat Berichten zufolge elf Kinder. Seine Familie stammt von sephardischen Rabbinern aus Algerien ab – ein deutlicher Gegensatz zu den sonst üblichen, zumeist säkularen, aschkenasischen Kandidaten, die Israels Sicherheit aus einer „westlichen“ Perspektive betrachten – jener Perspektive, die heute vielfach als gescheiterte „Konzeptzia“ kritisiert wird.




