Tacheles mit Aviel – Auch in meiner Truppe sind wir uns nicht einig

Tacheles, offen und unverblümt sage ich meine Meinung. Wer mich kennt, weiß das. Mit Klartext und ohne Umschweife werde ich Themen auf den Kern der Sache bringen. Ich stelle euch vor, was gestern in der WhatsApp Gruppe meiner Kameraden in Sache Uneinigkeit im Volk diskutiert wurde.

Truppe. Israelis protestieren am 4. März 2023 in Tel Aviv gegen die von der israelischen Regierung geplante Reform der Justiz.
Israelis protestieren am 4. März 2023 in Tel Aviv gegen die von der israelischen Regierung geplante Reform der Justiz. Foto: Tomer Neuberg/FLASH90

Gestern wurde in den Medien gemeldet, dass Reservisten einer Jagdstaffel angekündigt haben, nicht zum Training zu erscheinen. 37 Kampfpiloten der Reserve des 69. Jagdgeschwaders der israelischen Luftwaffe gaben bekannt, dass sie aus Protest gegen die Rechtsreformen nicht zum Training erscheinen werden. Die Kampfpiloten kündigten an, sich im Notfall zum operativen Einsatz zu melden. So etwas passiert zum ersten Mal in Israels Staatsgeschichte! Anstelle von Training soll ein Reservetreffen stattfinden, das sich mit dem Thema „Demokratie und Volkseinheit“ befassen wird.

Israels Verteidigungsminister Yoav Galant rief alle Reservisten auf, Befehle nicht zu verweigern. Israel darf sich das in dieser Zeit nicht leisten.

Der Generalstabschef der israelischen Armee, Herzi Halevi, warnte vor einer Verwicklung der Armee in den politischen Konflikt um die umstrittene Justizreform. Dies geschah, nachdem sich Hunderte von Soldaten der Reservekräfte in großem Umfang an den weit verbreiteten Protesten gegen den Justizreformplan der israelischen Regierung beteiligt hatten. Ehemalige Armeegeneräle, Offiziere und Soldaten der Reserve sowie Soldaten im aktiven Dienst haben sogar Petitionen gegen den geplanten Plan unterzeichnet. Halevi warnte Benjamin Netanjahu vor diesen Auswirkungen.

Zur selben Zeit piepte bei mir die WhatsApp Gruppe meiner Kameraden aus den 80er Jahren im Libanonkrieg. Wir alle sind heute über 55 Jahre alt und pflegen bis heute eine lebendige Freundschaft. Drei Kameraden Oren, Ronen und Alex sind im Libanon gefallen.

Selbst in unserer Truppe waren wir nicht in der Lage einen gemeinsamen Nenner bei der aktuellen Frage zu finden. Solch ein Zwiespalt ist unserer Gemeinschaft noch niemals vorgekommen. Die meisten unserer Freunde drückten sich an der WhatsApp-Diskussion teilzunehmen und dies alleine ist schon eine Aussage. Der Streit um die Rechtsreformen oder den Rechtsputsch spricht uns alle an. Unter uns sind große Bibi Fans, aber gleichzeitig auch seine Gegner. Was uns vereint ist die Liebe zum Land und Volk.

Jaron: „Freunde, was in diesen Tagen im Land passiert, tut mir weh und deswegen schlage ich vor einen Beitrag im Namen unserer Truppe zu veröffentlichen. Aber nur wenn alle damit einverstanden sind. Wir, die Kämpfer aus der Bataillon Zabar der Givati Brigade sind 55 Jahre alt und werden immer zum Reservedienst kommen, wenn wir gerufen werden – trotz allen Meinungsunterschieden unter uns.“

Jaron: „Ist jemand nicht einverstanden damit?“

Guy: „Wer dagegen ist, soll die Gruppe verlassen.“

Amit: „Ich bin nicht einverstanden.“

Jaron: „Verstanden, werde das nicht veröffentlichen.“

Eli: „Aber Freunde, wer von uns wird überhaupt noch einberufen?“

Amit: „Danke Jaron.“

Guy: „Amit, sag mal, warum bist du gegen diesen Post?“

Jeremia: „Jaron mein lieber, anstatt die Frage Reservedienst ja oder nein, schreib was anderes. Die Spaltung im Volk tut uns allen weh und wir alle wollen das Volk vereinen. Unterschrieben von rechten und linken Kameraden, vereint.“

Pinchas: „Jaron, du bist ganz schlau! So etwas fragt man nicht vorher. Zuerst veröffentlicht man den Post und dann sagst du uns Bescheid, dass der Post verschickt wurde. Danach kannst du fragen, wer damit einverstanden ist oder nicht.“

David: „Jaron, Respekt für deine Initiative. Wir folgen dir.“

Itzchak: „Eine gesegnete Initiative.“ Reaktion auf die verbesserte Version von Jeremia.

Jaron: „Einverstanden. Lass uns deine Version nehmen. Die Spaltung im Volk tut uns allen weh und wir alle wollen das Volk vereinen. Unterschrieben von rechten und linken Kameraden, vereint.

Ariel: „Ich bin dafür und werde mich immer melden.“

Amit: „Ich bin dagegen. Lasst die Politik draußen. Was bei uns schön ist, ist dass wir alle anderer Meinungen sind und uns trotzdem lieben.“

Pinchas: „Was hat er schon geschrieben? Wir melden uns zum Reservedienst, das ist alles. Wir haben nichts gegen die Richter und Rechtsputsch gesagt. Übrigens Guy, wo bist du? Wieder in Georgien?“ (Guy ist ursprünglich aus Georgien und lebt heute teilweise wieder dort)

Pinchas: „Hallo Freunde, schreib auf, dass ich mich zum Reservedienst nur mit meinem Hund melde, ohne Hunde komme ich nicht. Schreibe seinen Namen auf. Mekita heißt mein Hund.“

Aviel: „Mit Mekita oder ohne. Lasst die Politik aus unsere Gemeinschaft. Wir wissen wer wir sind und was wir alle im Notfall machen werden.“

Pinchas verkleidet sich zu Purim als Cowboy mit einem Colt in der Hand und schickt sein Selfie an uns: „An alle lieben Protestler. Ich bin auf den Weg!“

Ronen reagiert auf das Foto von Pinchas: „Das ist überhaupt nicht lustig!“

Pinchas: „Chag Purim Sameach (Frohe Purimfeier) Freunde. Lasst uns feiern und nicht mehr streiten.“

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Patrick Callahan

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4 Kommentare zu “Tacheles mit Aviel – Auch in meiner Truppe sind wir uns nicht einig”

  1. marie.luise.notar sagt:

    In Hebräer 12 findet sich ein Hinweis: haltet Frieden mit jedermann….was nicht gleichbedeutend ist mit EINER MEINUNG SEIN…die sinkende Kompromissbereitschaft ist auch in Österreich, besonders seit Corona, ein Dauerthema, im großen wie im kleinen Rahmen. Wenn aber Meinungsverschiedenheiten dazu führen, dass man im Streit auseinandergeht, ja dann wird die Sache zunehmend schwieriger.

  2. Serubabel Zadok sagt:

    Lieber feiern statt streiten. Endlich wird Israel demokratischer, wenn die Justizreform umgesetzt wird. Das muss gefeiert werden.

  3. Serubabel Zadok sagt:

    Ich würde erst Recht zum Reservedienst erscheinen, wenn die Justizreform umgesetzt wird. Aber auch wenn nicht, das Land Israel muss trotzdem verteidigt werden. Hoffentlich wird die Justizreform umgesetzt.

  4. Nehemiah sagt:

    @ Serubabel Zadok
    Und ich dachte immer, die Demokratie geht in Israel den Bach runter, wenn die Reformen umgesetzt werden. Denkt man jedenfalls der Massen an Demonstranten.
    Gibt es im Netz eine gute Quelle, wo man sich über den Inhalt und die Folgen der Justizreform schlau machen kann?

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