Die FIFA, der Dachverband der Fußballweltmeisterschaft, verbietet Spielern und Trainern, während des größten Sportereignisses der Welt religiöse oder politische Ziele zu fördern. Wird sie also die marokkanische Nationalmannschaft dafür bestrafen, dass sie zur Feier ihres historischen Sieges am Dienstag eine palästinensische Flagge hervorgeholt hat?
Marokko hat als erstes Team aus der arabischen Welt das Viertelfinale der Fußballweltmeisterschaft erreicht, als es den langjährigen Spitzenreiter Spanien schlug.
Viele Fans in Israel drückten Marokko die Daumen, das im Dezember 2020 dem Abraham-Abkommen beitrat und den jüdischen Staat offiziell anerkannte.
Doch die Freude schlug bei vielen einheimischen Fans in Unmut um, als die marokkanische Mannschaft zur Feier des Tages ein Gruppenfoto mit einer großen palästinensischen Flagge schoss.
morocco becomes only the fourth (!) african country to reach the world cup quarterfinals
+ celebrates victory holding up palestine flag: pic.twitter.com/ERhm9sp24T— ian bremmer (@ianbremmer) December 6, 2022
Die palästinensische Flagge und Schilder mit Slogans zur Unterstützung der Palästinenser gehören zu den auffälligsten Merkmalen der Fußballweltmeisterschaft 2022 in Katar, einem der wenigen Länder, die die israelfeindliche Terrororganisation Hamas offen unterstützen. Das war bei der großen arabischen Fangemeinde auch zu erwarten. Wie bereits erwähnt, ist es den Spielern jedoch untersagt, während einer internationalen Sportveranstaltung für solche Anliegen zu werben.
Kein Mut
Die FIFA hat sich den Zorn der westeuropäischen Länder zugezogen, als sie ihren Spielern das Tragen von Armbinden zur Unterstützung der LGBT-Gemeinschaft untersagte. Homosexualität ist in Katar verboten, und die europäischen Spieler wollten mit ihren „One Love“-Armbinden ihren Protest zum Ausdruck bringen.
Es bleibt abzuwarten, ob die FIFA es riskieren wird, die arabische Welt in ähnlicher Weise zu verärgern, indem sie Marokko zur Verantwortung zieht.
Für Israel war es in vielerlei Hinsicht eine frustrierende Weltmeisterschaft. Es bestand die Hoffnung, dass die Abraham-Abkommen eine Atmosphäre geschaffen hatten, in der Durchschnitts-Israelis und Durchschnitts-Araber aus der ganzen Region endlich in einen persönlichen Dialog treten und einander kennen lernen könnten.
Doch zahlreiche Beispiele von arabischen Fans, die plötzlich feindselig wurden, als sie erfuhren, dass sie mit einem Israeli sprachen, machten diese Hoffnung zunichte.
Ein erfahrener israelischer Journalist meinte sogar, dass ihm in Katar endlich das wahre Ausmaß des arabischen Hasses auf Israel bewusst geworden sei.
Ein beliebter israelischer Komiker, der sich dabei gefilmt hatte, wie er sich auf humorvolle Weise mit Fans aus dem gesamten Nahen Osten unterhielt, sah sich aufgrund von Gewaltandrohungen gezwungen, vorzeitig nach Israel zurückzukehren.




