(JNS) Ein norwegischer Parlamentsabgeordneter hat Israels Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem für den Friedensnobelpreis nominiert.
Das Jerusalemer Erinnerungszentrum sei „eine der weltweit bedeutendsten Institutionen im Kampf gegen Antisemitismus, Hassideologien und historische Verzerrung“, schrieb Joel Ystebø von der Christdemokratischen Partei Norwegens am Dienstag in einem Schreiben an das norwegische Nobelkomitee.
„Ich glaube, dass das Nobelkomitee ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen sollte, indem es diese Auszeichnung an Yad Vashem vergibt – auch wenn mir bewusst ist, dass dies angesichts der politischen Umstände schwierig sein könnte“, sagte Ystebø am Donnerstag gegenüber JNS.
Der 24-jährige Abgeordnete, der im vergangenen Jahr für die konservative Oppositionspartei in das Einkammerparlament gewählt wurde, wies darauf hin, dass jeder norwegische Parlamentarier das Recht habe, Kandidaten für den Preis zu nominieren.
„Es gibt viele Menschen in Norwegen, die – so wie ich – sich nach dem 7. Oktober für unsere eigene Regierung schämen, weil sie gegenüber der Hamas zu nachgiebig war. Mit dieser Nominierung wollen wir auch den Menschen in Israel und der jüdischen Gemeinschaft zeigen, dass sie in Norwegen viele Freunde haben“, sagte er in dem Interview.
In seinem Schreiben betonte Ystebø, Antisemitismus habe sich im Lauf der Geschichte als „eine der hartnäckigsten und zerstörerischsten Formen des Hasses“ erwiesen. Er verwies dabei auf den weltweiten Anstieg antisemitischer Gewalt nach dem von der Hamas geführten Angriff vom 7. Oktober 2023 auf den Süden Israels, der den zweijährigen Krieg im Gazastreifen auslöste.
„Heute dient Yad Vashem als globaler Anker im Kampf gegen Antisemitismus und andere Formen des Hasses“, heißt es in dem Schreiben. „In einer Zeit, in der Antisemitismus erneut im öffentlichen Diskurs Fuß fasst, erinnert uns Yad Vashem daran, was auf dem Spiel steht, wenn Hass und Lügen Raum gegeben wird.“
Weiter heißt es: „Der Friedensnobelpreis hat historisch jene geehrt, die sich gegen Hass, Unterdrückung und Ungerechtigkeit stellen. Genau das tut Yad Vashem, indem es an vorderster Front gegen Antisemitismus kämpft – eine der gravierendsten Bedrohungen für ein friedliches Zusammenleben unserer Zeit. Die Verleihung des Friedensnobelpreises an Yad Vashem wäre eine klare Anerkennung dafür, dass der Kampf gegen Antisemitismus ein Kampf für Frieden, Demokratie und Menschenwürde ist.“
Die Professorin Dina Porat von der Universität Tel Aviv, leitende wissenschaftliche Beraterin von Yad Vashem, sagte gegenüber JNS: „Wir erleben heute, wie der durch Antisemitismus verursachte Hass erneut hochaktuell ist. Durch seine Dokumentation und sein Gedenken vermittelt Yad Vashem ein klares historisches Bild und eine eindringliche Warnung für Vergangenheit und Gegenwart.“
Yad Vashem wurde 1953 auf dem Jerusalemer Berg der Erinnerung an den westlichen Hängen des Herzlbergs gegründet, um der sechs Millionen während des Holocaust ermordeten Juden zu gedenken. Heute zählt die Gedenkstätte zu den weltweit wichtigsten Besuchszielen für Touristen und Pädagogen.




