Am Abend des 23. April 2025 begeht Israel den nationalen Holocaust-Gedenktag (Yom HaShoah) mit einer offiziellen Zeremonie in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Das diesjährige Motto lautet: „Aus der Tiefe: Die Qual der Befreiung und der Neubeginn“ – in Anlehnung an das 80. Jahr der Befreiung der nationalsozialistischen Lager am Ende des Zweiten Weltkriegs.
Die zentrale Veranstaltung beginnt um 20:00 Uhr auf dem Warschauer Ghetto-Platz in Yad Vashem. Zu den Rednern gehören Staatspräsident Isaac Herzog und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Der Vorsitzende von Yad Vashem, Dani Dayan, wird die Gedenkfackel entzünden. Die Zeremonie wird musikalisch begleitet von Aya Korem und Benaia Barabi, Beiträge liefert unter anderem der Schauspieler Yedidia Vital. Moderiert wird der Abend von Almaz Mangisto.
Yad Vashem, 1953 per Gesetz von der Knesset gegründet, ist Israels zentrale Einrichtung für das Gedenken an die sechs Millionen ermordeten Juden und die Dokumentation der nationalsozialistischen Verbrechen. Die Gedenkstätte umfasst ein Museum zur Geschichte des Holocaust, ein Archiv mit Millionen von Dokumenten, eine Namensdatenbank sowie pädagogische und wissenschaftliche Abteilungen. Das Gelände auf dem Jerusalemer Herzl-Berg zieht jährlich Hunderttausende Besucher aus dem In- und Ausland an – darunter Staatsgäste, Schulklassen und Zeitzeugen.
Aktuellen Angaben zufolge leben heute noch rund 123.000 Holocaust-Überlebende in Israel. Die Mehrheit von ihnen ist über 80 Jahre alt. Die Gruppe umfasst nicht nur Personen, die die nationalsozialistische Verfolgung in Europa überlebt haben, sondern auch Überlebende antisemitischer Gewalt in Nordafrika und dem Nahen Osten.
Ein fester Bestandteil der Gedenkfeier ist das Entzünden von sechs Fackeln durch Holocaust-Überlebende – stellvertretend für die sechs Millionen jüdischen Opfer. Die Oberrabbiner Israels sowie ein Überlebender sprechen traditionelle Gebete wie das Kaddisch und „El Maleh Rachamim“. Die Veranstaltung wird live übertragen und simultan in mehrere Sprachen übersetzt, darunter auch Deutsch.
Dani Dayan erklärte im Vorfeld: „Die Befreiung der Konzentrationslager war nicht das Ende des Leidens, sondern der Beginn eines langen, schwierigen Weges zurück ins Leben.“
Am Donnerstag, dem 24. April, findet um 10:00 Uhr im ganzen Land die traditionelle zweiminütige Gedenksirene statt. Während dieser Zeit kommt das öffentliche Leben in Israel zum Stillstand. Auch Autofahrer auf Schnellstraßen halten an, um der Opfer zu gedenken.

Zwischen 11:00 und 16:30 Uhr sind Besucher eingeladen, auf dem Gelände von Yad Vashem Gedenkkerzen zu entzünden. Die Aktion erfolgt in Zusammenarbeit mit der Initiative „Our 6 Million“.
Zusätzlich stellt Yad Vashem umfangreiche Bildungsmaterialien zur Verfügung, darunter Zeitzeugenberichte, Online-Ausstellungen und Audioformate, die sich mit den Erfahrungen von Überlebenden und dem Wiederaufbau nach der Befreiung befassen.
Angesichts weltweit zunehmender antisemitischer Vorfälle betont Yad Vashem die Bedeutung einer sachlichen, historischen Erinnerung und der Vermittlung der Ereignisse an jüngere Generationen.




