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Wer wird den Iran führen?

Die gezielte Tötung von Ali Laridschani hat die Machtzentren des Regimes erschüttert und stellt Mojtaba Khamenei vor eine entscheidende Bewährungsprobe.

Iran
Ein iranisches Sicherheitskräftemitglied steht vor einer Plakatwand mit den Porträts des iranischen Obersten Führers Mojtaba Khamenei und iranischer Militärkommandeure Wache, während einer Kundgebung zum Internationalen Quds-Tag am 13. März 2026 in Teheran, Iran. Foto: EPA/ABEDIN TAHERKENAREH

(JNS) Westliche Geheimdienstquellen gehen davon aus, dass Iran trotz der gezielten Tötungen führender Persönlichkeiten – darunter der faktische Machtfaktor Ali Laridschani sowie der Basij-Milizkommandeur Gholam Soleimani und dessen Stellvertreter – nicht bereit ist, zu kapitulieren oder einen Waffenstillstand anzustreben.

Nach diesen Einschätzungen wird es ernsthafte Gespräche über einen umfassenden Waffenstillstand erst dann geben, wenn der innere Machtzirkel um Khamenei zu dem Schluss kommt, dass das Land militärisch erschöpft ist und eine Fortsetzung des Krieges die bestehende Krise weiter verschärfen würde. Eine zentrale Rolle im Entscheidungsprozess spielt dabei Mohsen Rezaei, den Khamenei zu seinem wichtigsten militärischen Berater ernannt hat.

Rezaei gilt als Hardliner. Bereits 1988 gehörte er zu denjenigen, die sich im Iran-Irak-Krieg gegen einen Waffenstillstand aussprachen – selbst nachdem die iranischen Streitkräfte weitgehend erschöpft waren. Am Ende war es Revolutionsführer Ruhollah Khomeini, der den Waffenstillstand akzeptierte.

Zum engeren Umfeld Khameneis zählen laut westlichen Geheimdiensten mehrere einflussreiche Figuren: Mohammad Bagher Ghalibaf, Parlamentspräsident und ehemaliger IRGC-Offizier; Ahmad Vahidi, IRGC-General und früherer Minister unter den Präsidenten Ebrahim Raisi und Mahmud Ahmadinedschad sowie erster Kommandeur der Quds Force; sowie Rahim Safavi, ein einflussreicher Berater im Sicherheitsestablishment, insbesondere in den Bereichen Luftverteidigung und strategische Planung. Weitere wichtige Akteure sind Majid Mousavi, Kommandeur der IRGC-Raketenstreitkräfte, sowie Alireza Tangsiri, Kommandeur der IRGC-Marine.

Trotz schwerer israelischer Angriffe ist es Iran bislang gelungen, einen Zusammenbruch seiner militärischen Führungsstruktur zu verhindern. Das Militär hatte im Vorfeld Pläne entwickelt, um einen möglichen Krieg für die Region und die Weltwirtschaft möglichst kostspielig zu machen. Die Strategie des Regimes basiert dabei auf zwei zentralen Ansätzen:

Erstens soll durch einen Abnutzungskrieg mit ballistischen Raketen und Drohnen eine dauerhafte Bedrohungslage in den Golfstaaten geschaffen werden – verbunden mit dem Vorwurf, diese würden die Vereinigten Staaten unterstützen. Zweitens setzt Teheran darauf, den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus erheblich zu stören.

Westliche Geheimdienste gehen zudem davon aus, dass Iran darauf hinarbeitet, den Ölpreis im Vorfeld der US-Zwischenwahlen im November auf bis zu 200 Dollar pro Barrel zu treiben, um US-Präsident Donald Trump unter Druck zu setzen.

Khamenei dürfte daher eine harte Linie verfolgen und Kompromisse vermeiden, um nicht als schwach oder besiegt zu erscheinen.

Gleichzeitig stellen die gezielten Tötungen einen schweren Schlag für die iranische Führungsstruktur dar. Hochrangige israelische Sicherheitskreise betonen, dass die Angriffe das Regime spürbar erschüttert haben, auch wenn der „harte Kern“ der IRGC-Kommandeure weiterhin intakt ist.

Ali Laridschani spielte eine zentrale Rolle als faktischer Machtfaktor und als Gegengewicht sowohl zur religiösen als auch zur militärischen Elite. Sein Tod isoliert Khamenei zusätzlich. Tatsächlich liegt die operative Macht zunehmend bei den IRGC-Generälen – und mit dem Wegfall Laridschanis wird die strategische Entscheidungsfindung geschwächt und die politische Kontinuität gestört.

Auch die Tötung Soleimanis und seines Stellvertreters hat weitreichende Folgen, insbesondere mit Blick auf mögliche neue Proteste im Iran. Sie wird als Vergeltung für die Gewalt der Basij-Milizen gegen die eigene Bevölkerung wahrgenommen und könnte Demonstranten neuen Auftrieb geben.

Sicherheitskreise gehen davon aus, dass die Angriffe die Kommandostrukturen der Basij schwächen könnten, da kurzfristig Ersatz ernannt werden muss – insbesondere in operativen Positionen. Israel dürfte seine Angriffe auf diese Kräfte fortsetzen.

Die Tötung Laridschanis verschärft zudem die Spannungen rund um den designierten Nachfolger Mojtaba Khamenei. Sein Vater, Ali Khamenei, wurde zu Beginn des Krieges getötet, während seine anderen Söhne bislang keine tragende Rolle im Machtgefüge spielen.

Durch die entstandene Führungslücke steht Mojtaba Khamenei vor erheblichen Schwierigkeiten, seine Autorität zu festigen. Ihm fehlt eine breite Unterstützungsbasis in Politik, Klerus und Militär. Diese Entwicklungen könnten die Konsolidierung seiner Macht verzögern und das Regime anfälliger für interne Krisen machen.

Nach Einschätzung von Sicherheitsexperten haben die israelischen Operationen das Potenzial, eine tiefgreifende Krise innerhalb der iranischen Machtstruktur auszulösen. Das Regime, bereits geschwächt durch den Verlust seines obersten Führers und führender Militärs, könnte zunehmend Schwierigkeiten haben, strategische Entscheidungen zu treffen und interne Herausforderungen zu bewältigen.

Auch auf gesellschaftlicher Ebene könnten die Entwicklungen neue Dynamik entfalten. Die gezielten Angriffe könnten Demonstranten ermutigen, erneut auf die Straße zu gehen – möglicherweise in Abstimmung mit politischen Signalen aus den Vereinigten Staaten.

Gleichzeitig haben die jüngsten israelischen Operationen Schwachstellen in den politischen und militärischen Machtzentren Irans offengelegt. Für viele Beobachter ist dies ein Signal, dass das Regime nicht unantastbar ist. Zugleich besteht jedoch die Möglichkeit eines gegenteiligen Effekts: Teile der Bevölkerung könnten die militärische Stärke der IRGC als letzte Garantie für Stabilität ansehen.

Mit den gezielten Tötungen sendet Israel eine klare Botschaft: Im Visier steht die Führungsspitze des Regimes – jene, die für die Unterdrückung der eigenen Bevölkerung und die Unterstützung terroristischer Organisationen im Nahen Osten verantwortlich gemacht werden.

Die Ausschaltung hochrangiger Funktionäre unterstreicht Israels Fähigkeit, mit präziser Geheimdienstarbeit und operativer Schlagkraft direkt die obersten Ebenen der iranischen Führung zu treffen.

Gleichzeitig trägt dies dazu bei, das Bild eines starken Regimes im Nahen Osten weiter zu beschädigen – während der Mythos eines allmächtigen klerikalen Systems zunehmend zu bröckeln beginnt.

Ursprünglich veröffentlicht vom Jerusalem Center for Security and Foreign Affairs.

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Patrick Callahan

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2 Kommentare zu “Wer wird den Iran führen?”

  1. Stephan Wolf sagt:

    Die iranische Führung wird sich weiter spalten und man wird in allen Fragen der Taktik und der Strategie unseins sein, sodass man sich nicht mehr auf ein gemeinsames Vorgehen einigen kann. Auch wird die Ideologie der sie anhängen ihre Bindungskraft verlieren, denn immer mehr Anhänger des Regimes bezweifeln die Wahrheit ihrer Glaubenssätze und erkennen, dass es sich nicht um eine islamische Lehre handelt, sondern um eine Ideologie.

    Das erkennen sie daran, dass die Vorhersagen über unsere Tage nicht eintreffen, denn es geschehen gerade ganz andere Dinge als nach den Lehren ihrer Imame und anderen Autoritäten geschehen müssten. Der Mahdi wird nicht kommen, um sie zu retten, sondern er wird sie zur Umkehr aufrufen. Er wird auch nicht im Iran als Politiker herrschen, wie es ihre von Khomeini zusammenfantasierte Verfassung vorsieht, sondern er wird Krieg gegen das usurpatorische Regime im Iran führen.

    Denn bei ihren Geistlichen steht mittlerweile alles auf dem Kopf, ihr Gott ist der Satan und Mörder wie z.B: Attentäter erwerben sich bei ihnen den direkten Eintritt ins Paradies, d.h. sie vertauschen Himmel und Hölle. Diese ideologie bringt also keine Erlösung, sondern Elend, Leid und Unheil und deswegen wird man sie auch im Iran wieder ganz aufgeben.

  2. Andrew Manner sagt:

    Das mörderische tyrannische System in Teheran muß weiter zerstört und ausgehöhlt werden!
    Israel geht hier vollkommen richtig vor – während sich Europa nur wegduckt!
    Außerdem muß das unterdrückte Volk im Iran und die iranische Diaspora bei uns mehr unterstützt werden – durch Gebet und finanzielle Unterstützung!?

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