Was hat es mit Jeschuas jüdischer Identität auf sich?

Der moderne Trend, sich sowohl im Christentum als auch im Judentum auf die ethnische Zugehörigkeit Jesu zu konzentrieren, lenkt nur von seiner wahren Identität ab.

| Themen: Jesus
Dient die Hervorhebung der jüdischen Abstammung Jesu wirklich seiner göttlichen Mission und seinem Wesen? Foto: Arie Leib Abrams/Flash90

Wie kommt es, dass du, ein Jude, von mir, einer Samariterin, etwas zu trinken verlangst? (Johannes 4,9)

 

Das ‚Jüdischsein‘ des Messias

Nach der dämonischen Vernichtung von sechs Millionen Juden durch die Nazis während der Shoah (Holocaust) im Zweiten Weltkrieg und nach der Wiedergeburt des jüdischen Staates Israel im Jahr 1948 sahen viele Gelehrte die Juden und das Judentum positiver. Im Einklang mit diesem Post-Shoah-Trend hat sich auch eine „neue Suche“ nach Jesus, dem Juden, entwickelt. Sowohl jüdische als auch christliche Intellektuelle argumentieren zunehmend, dass „Jesus kein Nicht-Jude ist“.

Akademiker und andere bemühen sich immer wieder zu beweisen, dass der Messias anthropologisch gesehen Jude ist und sein muss. Eine Aussage hat diesen Gedanken wie folgt auf den Punkt gebracht: „Jesus von Nazareth lebte und starb als gläubiger Jude“.

Theologen und Historiker, vor allem im Westen, haben den historischen Jesus/Jeschua und sein ethnisches Judentum in den Mittelpunkt gestellt. Zu ihnen gehören David Flusser, Geza Vermes, Paula Fredriksen und Amy Jill-Levine. Mit anderen Worten, es ist zu einer beliebten Mode geworden, sich mit dem „Juden Jesus“ zu beschäftigen.

Gleichzeitig betonen immer mehr Forscher Jeschuas Jüdischsein, um ihn der Nazi-Propaganda von einem „blondhaarigen arischen Jesus“ entgegenzustellen. Andere wollen mit dem Hinweis auf „Jesus, den Juden“ eine andere irrsinnige Behauptung widerlegen, nämlich dass „Jesus ein Palästinenser“ gewesen sei. Dies wird nämlich immer noch von zahlreichen arabischen Christen propagiert.

 

Der „israelisch-jüdische“ Messias

Darüber hinaus verwenden auch bestimmte israelische messianische Pastoren in ihren Lehren humanistische Bezeichnungen, um das Jüdischsein Jeschuas zu betonen. Eine dieser Bezeichnungen ist zum Beispiel Sabra (hebräisch „Tzabar“), was so viel bedeutet wie ein im Land Israel Geborener. Eine andere Bezeichnung für Jeschua ist sephardischer Jude, der mit dunkler Haut und schwarzem Haar dargestellt wird und nicht wie ein blasshäutiger aschkenasischer (europäischer) Jude aussieht.

Andere stellen Jeschua sogar mit Tzitzit, den Fransen am Gewand eines jüdischen Mannes, dar (4.Mose 15,38-9). Im Rahmen dieser Darstellung habe der Messias Jeschua vor 2000 Jahren einen dunklen Bart getragen, wie es damals üblich war und wie es auch heute noch praktiziert wird. Fromme jüdische Männer halten sich an das biblische Gebot „Du sollst dich nicht an den Seiten deines Kopfes rasieren, und du sollst die Ränder deines Bartes nicht verunstalten“ (3.Mose 19:27). Heute wird ein solches äußeres jüdisches Erscheinungsbild typischerweise mit rabbinischen Autoritäten in Verbindung gebracht, die sowohl die Gebote der Thora (Pentateuch) als auch die Halacha, die Regeln und Traditionen der hebräischen Weisen, beachten.

 

Der Messias Jeschua in den Evangelien

Der springende Punkt bei der Frage nach der Identität des Messias Jeschua ist jedoch nicht sein Judentum oder sein äußerlich religiöses Erscheinungsbild. Die anhaltenden modernen Diskussionen über „Jesus, den Juden“, gehen an dem zentralen Stolperstein vorbei. Tatsächlich wird durch die ständige Betonung des Jüdischseins des Messias Jeschua seine göttliche Persönlichkeit oft in den Hintergrund gedrängt.

Die herausfordernde Antwort auf die zeitgenössische Frage nach der Identität des Messias wurde bereits vor zwei Jahrtausenden gegeben, als beispielsweise der Evangelist Markus seine Erlösungserzählung mit der Erklärung eröffnete: „Dies ist der Anfang des Evangeliums vom Messias Jeschua, dem Sohn Gottes“ (Markus 1,1).

Als Jeschua und seine 12 Jünger die Region von Cäsarea Philippi am Fuße der Golanhöhen besuchten, fragte er sie, woran die Menschen ihn erkennen würden. In ihrer Antwort nannten die Jünger mehrere Möglichkeiten: „Einige sagen Johannes der Täufer, andere sagen Elia und wieder andere Jeremia oder einen der Propheten“. Dann wandte sich Jeschua an die Zwölf und fragte sie: „Wer, sagt ihr, bin ich?“ Simon Petrus antwortete: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ (Mt. 16,13-16).

Die ergreifende Antwort des Simon Petrus wurde weder zurückgewiesen noch entkräftet. Ganz im Gegenteil. Jeschua lobte Petrus mit den Worten: „Selig bist du, Simon, Sohn des Jona, denn dies ist dir nicht durch Fleisch und Blut offenbart worden, sondern durch meinen Vater im Himmel“. Die kurze Aussage des Petrus, dass Jeschua nichts anderes ist als der göttliche Sohn Gottes, wurde zur endgültigen Antwort auf die Frage nach der Identität des Messias.

Damit wurde die christologische Erklärung des Petrus ohne jegliche Korrekturen oder Ergänzungen autoritativ gebilligt und bestätigt.

In der Tat ist es auch glasklar, dass der Messias Jeschua nach dem ersten Evangelium in erster Linie „zu den verlorenen Schafen Israels“ gekommen war (Matthäus 15,24). Er war auf wundersame Weise unter dem jüdischen Volk erschienen und war die verheißene „Herrlichkeit Israels“ (Lukas 2,32).

Vor 2000 Jahren wurde jedoch verschwiegen, dass Josef nicht sein Vater war, während die Schwangerschaft Marias eine reine Vorsehung war (Matthäus 1,20). Jeschua ist nämlich vom Himmel herabgestiegen und sein wahrer Vater war/ist unser Vater im Himmel (Johannes 6:38-42).

 

Der Sohn Gottes im Buch der Offenbarung

Die alleinige göttliche Identität des Herrn Jeschua wird vor allem im Buch der Offenbarung offenbart. In dieser Apokalypse kann sich der Leser ein Bild vom allmächtigen und allwissenden Sohn Gottes machen. Er bezeugt von sich selbst, dass er der Erste und der Letzte ist, der ist, der war und der kommen wird, JHWH Sabaoth“ (Offb 1,8). Dort erklärt er auch, dass er die Schlüssel des Scheol (Hades) und des Todes in seinen Händen hält (Offb 1,18). Mit anderen Worten: Der himmlische Vater hat seinem Sohn Jeschua „alle Macht/Herrschaft im Himmel und auf Erden“ gegeben (Mt 28,18). Das Judentum hat damit nichts zu tun.

Ein weiteres Beispiel ist die Ansprache des Herrn Jeschua an die Gemeinde in Thyatira, in der er sich als „Sohn Gottes, der Augen hat wie eine Feuerflamme und dessen Füße wie glühende Bronze sind“ (Offb 2,18) vorstellt. Sein Thron ist dem Thron seines Vaters im Himmel am nächsten (Offb. 3,21). Aus seinem Mund geht ein scharfes Schwert hervor, mit dem er die Völker niederschlägt (Offb 19,15), und er ist der helle Morgenstern (Offb 22,16). Es ist offensichtlich, dass diese Eigenschaften nicht dem Bild eines gewöhnlichen Juden oder Israeliten entsprechen.

 

Zusammengefasst

Die ständigen Diskussionen über das Judentum des Messias Jeschua verwischen die Frage nach seiner göttlichen Identität. Wenn „Jesus der Jude“ hervorgehoben wird, wird der Schwerpunkt von der einzigartigen Botschaft entfernt, dass er der heilige Sohn Gottes ist. Die Beschäftigung mit seinem „ethnischen/nationalen Judentum“ lenkt den Diskurs auf eine sekundäre Ebene ab, die darauf abzielt, diejenigen nicht zu verärgern, die an seiner Göttlichkeit zweifeln.

Häufig wird seine Göttlichkeit durch seine „jüdische“ Historizität kompromittiert.

Heute wie vor zwei Jahrtausenden ist das Hauptthema der christologischen Debatte die göttliche Identität Jeschuas. In der späten Periode des Zweiten Tempels rechtfertigten die wütenden Priester und Ältesten in Jerusalem die Kreuzigung Jeschuas, weil „er sich selbst zum Sohn Gottes machte“ (Johannes 19,7). Diese Christologie – oder Jeschualogie – ist auch nach 2000 Jahren noch für viele der zentrale Stolperstein. Diese Angelegenheit kann nicht durch die Betonung von Jeschuas Jüdischsein übersehen werden.

Im Kern geht es darum, dass Jeschua der heilige Sohn Gottes ist – derjenige, der nicht weniger ist als der Schöpfer der Welt (Kol 1,15-16; Offb 4,11)!

Die jüdischen Leiter des ersten Jahrhunderts argumentierten leidenschaftlich, dass Jeschuas Lehre über sich selbst als Sohn Gottes eine verfluchte Gotteslästerung sei (Mt 26,63-66). Das Gleiche wird auch heute noch behauptet.

Doch schon bald nach der Kreuzigung und Auferstehung des Herrn Jeschua wies der Apostel Thomas auf die Göttlichkeit des Messias hin, als er mit großer Ehrfurcht erklärte: „Mein Herr und mein Gott“ (Joh 20,28). Auch diese Äußerung wurde nicht zurückgewiesen.

Daher ist Jeschua der höchste und göttliche König der Juden.

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