In der jüdischen Tradition beschäftigen sich die biblische und mit ihr die rabbinische Vorstellungskraft vor allem mit dieser Welt und mit dem, was wir in ihr hinterlassen. Während Begriffe wie Olam HaBa (kommende Welt) und Auferstehung in der rabbinischen Literatur vorkommen, schweigt die Thora darüber, was dem Menschen nach dem Sterben geschieht. Ansonsten gibt die hebräische Bibel nur wenige Hinweise auf eine Auferstehung und ein Leben nach dem Tod. In späterer Literatur (wie Daniel, vgl. 12,2) verbinden die Propheten das ewige Leben eher mit der nationalen Wiederherstellung und dem kollektiven Schicksal Israels – weniger mit einer individuellen Belohnung nach dem Tod.
Hauptanliegen der hebräischen Schriften in Bezug auf die Zukunft sind die Kontinuität der Bundesgemeinschaft, das Land Israel und das Versprechen eines langen und gesegneten Lebens als Belohnung für Gehorsam gegenüber Gottes Geboten. In diesem Artikel untersuchen wir den Reichtum dieser jüdischen Herangehensweise – nicht als Kritik am Christentum, sondern als Einladung, wiederzuentdecken, was verloren gegangen sein könnte, wenn Ewigkeit nur im Sinne des individuellen Schicksals verstanden wird.
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