Europa wollte der Welt zeigen, wie man den Krieg überwindet. Heute lernt Europa wieder, wie man sich auf Krieg vorbereitet. Jahrzehntelang galt der Kontinent als Beweis dafür, dass alte Feindschaften überwunden werden können, offene Grenzen statt Schützengräben, Handel statt Panzer, Diplomatie statt Raketen. Besonders uns Israelis wurde diese europäische Erfahrung gerne als Lektion präsentiert. Warum könnt ihr im Nahen Osten nicht lernen, was wir Europäer längst verstanden haben? Warum immer Abschreckung, Armeen und Waffen? Mit Dialog, wirtschaftlicher Verflechtung und genügend gutem Willen lasse sich schließlich jeder Konflikt lösen. Ich habe diese Sätze unzählige Male gehört. Von Politikern, Freunden, Christen, Friedensaktivisten. Noch vor kurzem erklärte mir ein deutsches Ehepaar in Brasilien mit bemerkenswerter Gewissheit, im Grunde lasse sich alles ohne Krieg lösen. Doch Geschichte interessiert sich wenig für Gewissheiten. Heute verteilt Schweden Anweisungen für den Kriegsfall. Deutschland empfiehlt Notvorräte. Die Niederlande wollen, dass ihre Bürger 72 Stunden ohne staatliche Hilfe auskommen können. Großbritannien holt alte Krisenpläne hervor. Finnland hält seine Schutzräume bereit. Norwegen erklärt 2026 zum Jahr der Totalverteidigung. Ausgerechnet Europa, das anderen jahrzehntelang predigte, wie Frieden funktioniert, übt wieder für...
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