Eins muss man im Fall von Itamar Ben Gvir zugeben, dumm ist er nicht und er weiß seiner Zunge freien Lauf zu lassen. Zudem trägt er sein Herz auf seiner Zunge und versteht es besser als seine Kollegen die Menschen im Volk direkt und offen anzusprechen. Der Parteivorsitzende der rechtsradikalen Otzma Jehudit ist in der israelischen Gesellschaft inzwischen so akzeptiert, dass er sogar zu den eher linken Kibbuzim eingeladen wird, um seine politische Agenda vorzutragen. Der angeblich rassistische Politiker wird in Gemeinden empfangen, die einst das Herz des sozialistischen und liberalen Israel waren. Der 46-Jährige ist jedoch nicht irgendein rassistischer Waffennarr. Er lebt mit seiner Familie in Hebron und war in unzähligen Strafverfahren verstrickt, wurde schließlich „nur“ acht Mal verurteilt.
Aber vieles stimmt, was er sagt. „Ich möchte ihn wählen, kann aber nicht. Irgendetwas hält mich zurück. Oder kann ich und möchte ich ihn nicht wählen?“ Das ist mein Ding und Problem mit Itamar. Als ich ihn letztes Mal im Jerusalemer Gemüsemarkt traf, machte ich Itamar darauf Aufmerksam, dass seine Schnürsenkel offen sind. „Pass auf, du stolperst mein Freund.“ Er schaute auf dem Boden, sagte „Danke Gerechter“ und kniete sich nieder und hat seinen Senkel gebunden. Aber dafür stolperten wir ins Gespräch. Er erklärte mir immer wieder, warum er der einzige Gamechanger in der israelischen Politik ist. Es stimmt, Itamar ist in der Politik ein Phänomen, dass man entweder liebt oder hasst. Alle reden von ihm und er wird die Überraschung der bevorstehenden Wahlen sein. Zum Guten oder schlechten, es kommt darauf an, wen man fragt.

Itamar spricht klare Worte, was viele Menschen im Land überzeugt. „Euch steht Sicherheit im Leben zu!“ „Todesstrafe den Terroristen.“ „Der jüdische Tempelberg gehört uns und wir brauchen keinen Araber fragen, ob wir den Tempelplatz betreten dürfen oder nicht.“ „Wir haben die Herrschaft in der Wüste verloren: Die Beduinen machen im Süden, was sie wollen. Damit machen wir ein Ende.“ Die arabischen Knessetabgeordneten betrachtet er als Vertreter des palästinensischen Terrors. Wenn er an der Macht wäre, hätte er alle nach Syrien oder in den Gazastreifen geschickt. „Wir müssen unseren Soldaten volle Rückendeckung geben und sie nicht im Stich lassen, sobald sie unvorsichtig Palästinenser verletzt oder erschossen haben. Die Soldaten sind unsere Kinder und garantieren uns Sicherheit.“
Genug mit dem „kleinen Brötchen backen“. „Schluss mit der Angst vor den Arabern.“ Häufig zitiert Itamar aus dem Talmud „Wenn jemand kommt, um dich zu töten, erhebe dich und töte ihn zuerst“. „Eretz Israel wurde dem Volk Israel verheißen und nicht den Arabern und deswegen dürfen wir nicht aufgeben.“ Das kommt gut an und bewegt die Herzen, nicht nur in den rechten und religiösen Kreisen, sondern überall im Land. Er verbreitet das Gefühl jemand kümmert sich wirklich um Israel. Er weiß dies und kann es im richtigen Wortschatz, fundiert und tapfer vor der Kamera auszusprechen. Und das lieben die jungen Menschen im Land.
Viele meiner Bekannten wählen Itamar und keiner von ihnen kommt aus einer rechten Ideologie und Vergangenheit. Aber der Itamar bewegt sie. Gemäß allen Umfragen im Land wird sein Parteibündnis mit seinem Kollegen Bezalel Smotrich zur drittgrößten Partei Israels werden. Davor haben seine Gegner im Land große Angst. Wie ist es dazu gekommen, dass ein „Rassist und Faschist“ so populär im Land geworden ist. Es wird ihm nachgesagt, dass er eine Gefahr für Israels Demokratie sei. In einer rechten Koalition mit der Likud und Benjamin Netanjahu würde ihm ein wichtiges Ministeramt zustehen. Justiz oder vielleicht innere Sicherheit? „Die Araber müssen vor uns Angst haben und zittern, sonst machen sie mit uns, was sie wollen“, sagt Itamar.
Washington hingegen machte Israel klar, dass es keinen Itamar als Minister in einer Regierung dulden wird. Aber nicht die Amis bestimmen, sondern das Volk im Land. In der Zwischenzeit drückt sich Bibi Netanjahu mit Itamar auf derselben Bühne zu stehen, was Itamar beinahe zum Weinen brachte. Bibi mit einem Rassisten an seiner Seite, sieht für Bibis Image nicht gut aus. „Das habe ich nicht verdient, schließlich muss Bibi mit mir in der Knesset zusammensitzen“, erklärte Itamar.

In den ausländischen Medien wird Itamar immer wieder als moderne israelische Version eines amerikanischen weißen Rassisten oder eines europäischen Faschisten dargestellt. Vor wenigen Tagen sagte er im Interview mit Kanal13, dass er ein Auswanderungsministerium einrichten möchte und die Palästinenser überzeugen will, das Land freiwillig zu verlassen. „Europa“, so erklärte Itamar, „brauche dringend Arbeiter“.
Das verärgerte natürlich die Araber und gemeinsam mit den Linken kritisierten sie Itamar. Wie würden Juden in Europa reagieren, wenn ein europäischer Politiker ein Auswanderungsministerium für Juden einrichten würde? Unvorstellbar. Aber der Punkt ist, dass Juden in Europa nicht zur Vernichtung Europas aufrufen und in Israel Palästinenser zur Vernichtung Israels drängen, sogar arabische Politiker.
Und das nervt einen Teil der Menschen im Land. Itamar ist sehr begabt den Nerv der Zeit zu treffen, denn alle reden von ihm in den Medien und sozialen Netzwerken. Auch ich. Wie schon gesagt, Itamar ist mir sympathisch, aber er nervt mich auch. In vielen Dingen stimme ich ihm zu, in vielen Dingen auch nicht. Er sieht aus wie ein einfacher Mensch, kleidet sich eher informell, aber arbeitet rund um die Uhr und ist ein Profi in Politik und Medien. Freunde von mir sagen, sie wünschten sich in der Politik einen niedlichen Teddybär wie Itamar auf der linken Seite.
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Er nervt dich, aber das Beste was Israel braucht. Klare Ansagen!
Ich bin ein absoluter Fan von Itamar Ben-Gvir. Wenn ich in Israel wahlberechtigt wäre, würde ich ihnen sofort zum neuen Präsidenten wählen.
Ich auch !!
Leider ist das mit den Arabern so, das sie mit Diplomatie nicht umgehen können.Eine Einigung kann nur erzielt werden wenn feststeht das sie gewinnen. Klare Ansage ist die Sprache, welche sie verstehen. Ob von Itamar oder Bibi. Ich denke die Israelis sind des taktierens müde. Shalom