Warum entsteht immer wieder der Eindruck, dass die Stimme des Vatikans lauter erklingt, wenn Muslime unter Krieg leiden, als wenn Christen verfolgt oder Juden von wachsendem Antisemitismus bedroht werden?
Während Kirchen in Afrika brennen, Christen im Nahen Osten vertrieben werden und jüdische Gemeinden weltweit unter Hass und Gewalt leiden, wirken päpstliche Reaktionen für viele oft verhaltener. Umso auffälliger ist es, wenn ausgerechnet Teheran den Papst für seine Kritik an Amerika und Israel lobt. Das Problem liegt nicht allein in seinen Worten, sondern in der Wahrnehmung einer moralischen Schieflage. Wer zu westlichen oder israelischen Militäreinsätzen schnell spricht, zu islamistischer Gewalt, Christenverfolgung oder Judenhass jedoch weniger deutlich, riskiert seine Glaubwürdigkeit als universelle moralische Instanz. Gerade deshalb wiegt all das so schwer: Der Papst gilt für Millionen nicht nur als Kirchenoberhaupt, sondern als höchste moralische Instanz, ja für viele als Vertreter Gottes auf Erden. Von ihm erwartet man Klarheit, Wahrheit und Gerechtigkeit nach biblischem Maßstab. Wenn seine Haltung jedoch einseitig, widersprüchlich oder politisch gefärbt wirkt, erscheint nicht das Gerade, sondern das Krumme.
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