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Tacheles mit Aviel – „Als Jude gehört das Land den Juden, als Mensch allen!“

Tacheles, offen und unverblümt sage ich meine Meinung. Vor einigen Tagen stieß ich auf das CNN-Interview mit Ami Ayalon. Seine Worte und seine Haltung spiegeln die DNA des israelischen Sicherheitsapparates wider, der für die derzeitige rechts-religiöse Regierungskoalition zu menschlich ist. Es ist eher christlich als jüdisch und ihr werdet am Ende verstehen, warum ich das sage.

Ami
Ami Ayalon, ehemaliger Chef des Shin Bet, im Interview mit Christiane Amanpour auf CNN. Screenshot auf X

Ich möchte zwei Minuten und mehr des Interviews mit Ami Ayalon aufschlüsseln und analysieren, weil sie den Konflikt innerhalb des Volkes und die Kluft zwischen der israelischen Armee und der Regierung darstellen. Zwei Weltanschauungen, die Israel unterschiedlich sehen und sich gegenseitig verpassen. Derselbe Konflikt innerhalb des jüdischen Volkes wie in der jüdischen Geschichte, zwischen Hellenisten und Eiferern.

Doch zunächst: Wer ist Ami Ayalon (79)? Ami war Admiral und Oberbefehlshaber der israelischen Marine und von Februar 1996 bis Mai 2000 Chef des israelischen Sicherheitsdienstes Shin Bet. Er ist ein israelischer Politiker, Friedensaktivist und ehemaliges Mitglied der Knesset für die sozialistische Arbeitspartei. Er wurde 1945 in Tiberias geboren, drei Jahre vor der Gründung des Staates Israel. Ami Ayalon diente in der Eliteeinheit Schajetet-13, war ihr Kommandeur und erhielt die höchsten militärischen Auszeichnungen.


Zwei Minuten und mehr, die viel verraten. „Was müssen wir aus dem siebten Oktober lernen?“, fragte Ami Ayalon seine Gastgeberin Christiane Amanpour in die CNN-Kamera. „Das war der schlimmste Moment in der Geschichte des Staates Israel. Wir müssen lernen, dass wir keine Sicherheit haben werden, solange wir die Besatzung aufrechterhalten, und das hat uns die Hamas gezeigt. Wir werden auch keine Demokratie haben, solange es die Besatzung gibt. Die Palästinenser wollen Freiheit und sie werden dafür kämpfen, bis die Besatzung beendet ist. Aber solange wir nicht verstehen, dass dieses Land uns gehört, aber nicht nur uns, haben wir nur zwei Möglichkeiten. Entweder wir teilen das Land und behalten unsere Identität, oder wir teilen das Land nicht, dann verlieren wir unsere Identität und unsere Sicherheit“.

Dann fragt Christiane ihren Gast, ob die israelischen Soldaten ihre Moral und ihre Menschlichkeit verlieren, weil die israelischen Soldaten sich im Gazastreifen nicht so nett verhalten, wie sie sich das wünscht, und die Soldaten sich in den Trümmern im Gazastreifen fotografieren und so weiter. „Nicht sie – wir verlieren. Wir verlieren unsere Identität als Volk, als Menschen, als Juden.“

Christiane: „Hast du jemals geglaubt, so etwas zu sagen? Du warst Chef des israelischen Sicherheitsdienstes Shin Bet“.

Ami: „Ja, ich habe das mehrmals gesagt. Ich habe es gesagt, als ich für den Shin Bet gearbeitet habe, als wir den Kodex für Moral und Ethik aufgestellt haben. Damals habe ich gesagt, wenn wir in den Krieg ziehen, denken die Leute nicht. Wenn wir in den Krieg geschickt werden, dann nicht, um zu verhandeln, sondern um zu töten. Und wir sind mit der Idee geboren, du sollst nicht töten. Und jetzt sagst du mir, ich soll in den Krieg ziehen und alle Feinde töten.“

Ami beginnt und erklärt vor der Kamera, dass alles Übel Israels Besatzung im biblischen Kernland Judäa und Samaria sei. Solange Israel diese Gebiete besetzt halte, werde es keine Sicherheit und keine Demokratie in Israel geben. Rational und logisch mag Ami recht haben, wenn man dies nur an politischen und sozialen Maßstäben misst. Militärverwaltung und Besatzung sind unpopuläre Begriffe. Ich verstehe, kein Volk will unter fremder Herrschaft leben. Auch Israel lebte in seinem Land vor rund 2000 Jahren unter römischer und davor unter babylonischer Herrschaft. Wer die Bibel nicht als eine Art Vertrag zwischen Gott und Israel für dieses Land sieht, der hat natürlich recht, dass Israel ein Abklatsch der Römer und Babylonier ist und dass diesmal die Unterdrückten die Palästinenser sind und nicht das auserwählte Volk Israel. Wer Israels Existenz nur menschlich betrachten und beurteilen will, wird Israel meistens falsch verstehen und interpretieren. Israels Existenz ist ein Wunder, ein politisches Wunder, kein biblisches Wunder, denn biblisch wurde es in der Bibel durch die Propheten verheißen. Das biblische Recht Israels auf das Land überzeugt das politische Recht nicht, und die israelische Sicherheitsführung sieht es so. Die rechten Medien behaupten, dass die Sicherheit Israels in den Händen der Amerikaner liege.

Deshalb hat Ami als Jude einen Kompromiss gemacht und gesagt, dieses Land gehört uns, … aber auch den Palästinensern. Als Jude gehört das Land dem jüdischen Volk und als Mensch gehört es allen Bewohnern, auch den Palästinensern. Solange sich die Palästinenser besetzt fühlten, würden sie für ihre Freiheit kämpfen, und dazu gehöre, so Ami, auch der Überfall und das Massaker vom 7. Oktober. Um aus diesem Hexenkessel herauszukommen, bleibt Israel laut Ami & Co. keine andere Wahl, als das Land zu teilen und damit die jüdische Identität Israels zu bewahren, sonst „verliert Israel seine Identität und seine Sicherheit“. Genau das denken auch die führenden Persönlichkeiten Israels, die in der New York Times eine Kolumne veröffentlichten: „Lasst Netanjahu nicht vor dem Kongress sprechen“, so Ehud Barak, ein ehemaliger Premierminister, Verteidigungsminister, Generalstabschef, und Tamir Pardo, der ehemalige Mossad-Chef. Aber sie sind nur die Spitze des Eisbergs im israelischen Sicherheitsapparat, der öffentlich gegen die israelische Regierung hetzt. Der aktuelle Generalstabschef darf sich nicht politisch äußern.

Hetzten gegen die Regierung. Ehud Barak und Tamir Pardo. Archivbild von 2013: Yossi Zeliger/Flash90

Immer wieder behaupten Ami & Co, Israel müsse Land aufgeben, um sich selbst zu retten, nicht um den Palästinensern entgegenzukommen. In den Osloer Verträgen und den nachfolgenden Schritten hat sich Israel aus den Gebieten zurückgezogen, aber das hat die Palästinenser nicht zufriedengestellt. Vor fast zwanzig Jahren hat sich Israel aus dem Gazastreifen zurückgezogen, und das hat auch nicht geholfen. Aber das macht nichts, denn die israelische Besatzung in den verbleibenden Gebieten ist jetzt das Übel. Solange Israel etwas besetzt hält, wird das immer der Grund für den Konflikt mit den Palästinensern sein. Vor 1967 und dem Sechstagekrieg und der Wiedervereinigung (Jerusalem) hatte Israel nichts besetzt, es gab keine jüdischen Siedlungen und es gab auch keinen Frieden. Auch davor gab es Terror und Kriege, obwohl Israel keine jüdischen Siedlungen hatte.

Mit Amis letztem Satz im Video höre ich zum ersten Mal eine christliche Interpretation der DNA des jüdischen Sicherheitsapparates in Israel. Was sagt Ami:

„Wenn wir in den Krieg geschickt werden, dann nicht um zu verhandeln, sondern um zu töten. Und wir wurden geboren mit der Idee ‚Du sollst nicht töten‘. Und jetzt sagst du mir, ich soll in den Krieg ziehen und alle Feinde töten.“

Ich muss zugeben, dass mich diese Aussage sehr überrascht hat. Er meinte, er zitiere das fünfte Gebot, aber in der hebräischen Bibel steht ‚Du sollst nicht morden‚ und stattdessen zitiert er die typisch falschen Bibelübersetzungen, in denen Töten mit Morden verwechselt wird. Verstehen Ami & Co. wirklich nicht den Unterschied zwischen Töten und Morden? Sind Israels Verteidigungskriege Mord und nicht Töten? Denn in der hebräischen Bibel steht „Du sollst nicht morden„. Inwieweit haben sich christliche Interpretationen in das jüdische Sicherheitsdenken eingeschlichen? Israel führt Krieg im Gazastreifen und ermordet keine Palästinenser. Dass die Palästinenser und die Weltöffentlichkeit das anders sehen, ist mir egal. Sie sehen auch keine Zukunft für Israel in diesem Land.

In der jüdischen Geschichte war die Spannung zwischen Hellenisten und Zeloten immer die Achillesferse. Der Hellenismus prägte sich in der zweiten Tempelzeit aus und zog Juden in fremde Kulturen und Religionen. Und das führte immer wieder zu Konflikten innerhalb des jüdischen Volkes. Bruderhass ist der jüdische Begriff dafür, der immer alles im Volk zerstört hat. Die Hellenisten fürchten die Zeloten und umgekehrt. Das erklärt, warum der israelische Sicherheitsapparat seine Offiziere auswählt und keine religiösen Generäle unter sich haben will, wenn man das so direkt darstellen will. Sie haben Angst, dass die religiösen Eiferer Israel in den Abgrund stürzen, aber die gleiche Angst haben die Eiferer auch vor den Hellenisten. Für Ami & Co. ist das Volk Israel dem Extremismus verfallen und das ist aus ihrer historischen und politischen Sicht eine Gefahr für die Existenz des jüdischen Staates. Im CNN-Interview mit Ami Ayalon tauchen die hellenistischen Gedanken auf, die in den westlichen Medien so gerne gehört und verbreitet werden, um Israel bei den eigenen jüdischen Brüdern und Schwestern zu verunglimpfen. Allein aus diesem Grund hätte Ami Ayalon das Interview absagen oder seine Worte besser wählen sollen.

Der ehemalige israelische Ministerpräsident und Generalstabschef Ehud Barak bei einer Protestkundgebung gegen die Justizreform der israelischen Regierung am 25. Februar 2023 in Tel Aviv. Foto: Avshalom Sassoni/Flash90

Warum haben die israelischen Generäle grundsätzlich ein Problem mit der rechten Politik in Israel? Die Mehrheit der israelischen Generalstabschefs sowie die Chefs des israelischen Geheimdienstes Mossad und des Sicherheitsdienstes Shin Bet stehen in der israelischen Politik eher in der Mitte bis links. Warum haben 95 Prozent aller obersten Sicherheitsbeamten, Sicherheitschefs, Generalstabschefs, Generäle, Kriegshelden und Verteidigungsminister nie eine rechtsnationale Politik in Israel unterstützt?

Rafael Eitan, bekannt als „Raful“, Archivbild: Moshe Shai/FLASH90

Von 13 Generalstabschefs, die in die israelische Politik eingetreten sind, hatte nur einer eine rechte Ideologie. Das war Rafael Eitan, der Führer der Zomet-Partei. 27 Generäle dienten in der Politik, aber nur zwei vertraten eine rechte Politik, Rehavam Zeevi (Moledet-Partei) und Avraham Yaffe. Alle anderen waren entweder in der Mitte, rechts oder eher links orientiert. Was unterscheidet diese Generäle und Chefs von der israelischen Rechtspolitik? Sind sie deshalb automatisch Linksradikale, Anarchisten und Verräter, wie die rechten Politiker und ihre Wähler behaupten? Oder haben sie im Rahmen ihrer Sicherheitskarriere die Worte eines Propheten verstanden? Schon vor den Rechtsreformen haben diese Leute in ihren Militär- und Sicherheitskarrieren die Worte des Propheten Sacharja verstanden: „Nicht durch Heer und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist! spricht der HERR der Heerscharen.“ Israels Sicherheitsapparat versteht, dass Heer und Kraft eine begrenzte Macht und keine Überlebensgarantie sind. Nur der Geist Gottes kann Israel in dieser Situation retten, und dieser Geist muss dringend ins Land kommen.

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Patrick Callahan

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4 Kommentare zu “Tacheles mit Aviel – „Als Jude gehört das Land den Juden, als Mensch allen!“”

  1. udin sagt:

    „Die Palästinenser wollen Freiheit und sie werden dafür kämpfen, bis die Besatzung beendet ist.“

    Manchmal reicht schon ein Satz, um zu wissen, wo das Problem ist. Es fällt mir immer etwas schwer, von außen Kommentare abzugeben. Aber wenn Ami Ayalon solche Sätze wie oben von sich gibt, dann bleibt mir für einen Moment die Sprache weg. Er gehört offensichtlich zu den Israelis, die immer noch nicht begriffen haben, dass Palästinenser nicht für ihre Freiheit oder angeblich gegen eine „Besatzung“ kämpfen.

    Sie kämpfen für die Vernichtung Israels – und für nichts anderes. Wie kann es zu so einer Fehleinschätzung kommen? Wie kann diese unglaubliche Ignoranz trotz dem 7.10. noch erklärt werden?

  2. Rosa Rosatti Pixner sagt:

    Ich bezweifle, dass die eher linksgerichteten Generalstabschefs, Sicherheitschefs aus religiösen Motiven für eine 2 Staatenlösung, bzw. gegen eine „Besatzung“ sind, sondern genau aus dem gegenteiligen Grund heraus. Ich glaub nicht, dass es Ihnen darum geht die Worte des Propheten Sacharia zu interpretieren und umzusetzen. Denn dann dürfte es konsequenterweise gar kein Heer geben.
    “ Nicht durch Heer und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist! spricht der HERR der Heerscharen.“
    Israel führt einen unglaublich mutigen und zutiefst gerechten Krieg gegen das Böse. Ich glaube, dass Gott tagtäglich durch viele große und kleinere Wunder zeigt, dass Er hinter diesem Heer und diesen Kämpfern steht. Deshalb ist auch jeder Sieg zuallererst Ihm zu verdanken. Böse ist es dabei Zweifel zu säen und Verwirrung zu stiften.
    Samarien und das biblische Kernland gehören zum verheißenen Land Gottes. Wer hier von Besatzung und Übel spricht, der verdreht Gottes Wort. Und das ist das Übel.

  3. Daniel Leon sagt:

    Welche Besatzung???
    Für mich ticken diese Linken, die den Woken im Westen entsprechen, nicht ganz.
    Warum begreifen sie nicht, dass die grundlegende Fehlentscheidung, die zu dem ganzen Desaster jetzt geführt hat, der Rückzug GEGEN das eigene Volk aus dem Gazastreifen im Jahr 2005 war?
    Es GIBT kein legitimes Recht der Palästinenser auf Land, weil selbst das ‚Volk der P.‘ ein Kampfbegriff ist, um Israel zu vernichten. Soviel Geschichtsverständnis müssten selbst Eure Linken haben.

  4. Günter Schlag sagt:

    Den Kommentaren hier kann ich mich nur anschließen. Bei solchen „Sicherheits“chefs kann man sich nur wundern, dass es Israel überhaupt noch gibt. „Als Jude gehört das Land den Juden, als Mensch allen!“ ist ja nichts weiter, als die Selbstaufgabe Israels. Auf Deutschland übertragen: als Deutscher gehört das Land den Deutschen, als Mensch allen. Genau danach handelt die Regierung seit 2015 mit offenen Grenzen. Mit den schrecklichen Ergebnissen, die Israel noch näher sind.

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