Während Israel weiterhin auf die historische Beziehung zum amerikanischen Judentum baut, weist eine neue Umfrage der Ruderman Family Foundation auf eine zunehmende Sorge in der israelischen Öffentlichkeit über eine schwindende Unterstützung Israels in den USA hin.
Die Umfrage unterstreicht zugleich die Bedeutung der Beziehung zu den USA sowie die Notwendigkeit, die Positionen der amerikanisch-jüdischen Gemeinschaft in politische Entscheidungsprozesse in Israel einzubeziehen. Zugleich thematisiert sie das Gefühl, dass der Staat Israel nicht genug für die Stärkung dieser Beziehungen und für den Kampf gegen Antisemitismus weltweit unternimmt.
Die Umfrage, die auf Initiative der Ruderman Family Foundation durchgeführt und vom Institut „Dialog“ erhoben wurde, basiert auf einer landesweit repräsentativen Stichprobe von 1.002 erwachsenen jüdischen Israelis. Sie zeigt: Trotz der großen Bedeutung, die die Öffentlichkeit der Beziehung zum amerikanischen Judentum beimisst – 78 Prozent bezeichnen sie als wichtig und wesentlich –, gerät das Vertrauen in die Zukunft dieser Beziehung zunehmend ins Wanken.
Die Ergebnisse spiegeln auch die Kritik der israelischen Öffentlichkeit an der zentralen Rolle der Regierung und der israelischen Politik wider. So sind 43 Prozent der Israelis der Ansicht, dass die Art der Kriegsführung im Gazastreifen die Unterstützung des amerikanischen Judentums für Israel geschwächt habe, während lediglich 28 Prozent glauben, die Politik habe diese Unterstützung gestärkt.
Parallel dazu sind nur 17 Prozent der Befragten der Meinung, dass Israel in erheblichem Maße zum Kampf gegen Antisemitismus in den Vereinigten Staaten beiträgt. Mehr als ein Drittel der Befragten ist hingegen der Ansicht, der Beitrag sei gering oder existiere überhaupt nicht. Auf die Frage, ob der Staat Israel bei seiner Politik die Positionen des amerikanischen Judentums berücksichtigen solle, antworteten 41 Prozent, dies solle in gewissem Maße geschehen; weitere 23 Prozent sprachen sich für eine starke Berücksichtigung aus.

Fast die Hälfte der Israelis (44 Prozent) ist der Auffassung, dass die junge Generation des amerikanischen Judentums Israel künftig weniger unterstützen werde als heute; nur 22 Prozent gehen von einer Zunahme der Unterstützung aus. Gleichzeitig sind 67 Prozent der Meinung, dass der US-Präsident Donald Trump einen positiven oder sehr positiven Einfluss auf Israel hat, während lediglich 12 Prozent seine Wirkung als negativ oder sehr negativ einschätzen. Diese Gegensätzlichkeit verweist auf die Sorge vor einem Generationenwechsel in der amerikanischen Arena – weg von einer Generation von Führungspersönlichkeiten, die Israel unterstützen und an seiner Seite stehen, hin zu einer Generation, die sich möglicherweise von Israel entfernt oder sogar antiisraelische Positionen entwickelt.
Diese Sorge bleibt nicht theoretisch, sondern wird breit empfunden. Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) gibt an, sehr beunruhigt über einen Rückgang der Unterstützung Israels in der amerikanischen Öffentlichkeit zu sein, weitere 30 Prozent sind in gewissem Maße beunruhigt. Daraus ergibt sich, dass nahezu acht von zehn Israelis ein entstehendes Problem erkennen – und viele von ihnen das Gefühl haben, dass es bereits Realität ist.

Die jüngsten Entwicklungen in der politischen Arena der Vereinigten Staaten, allen voran die Wahl des New Yorkers Zohran Mamdani zum Bürgermeister, gelten als greifbarer Beweis für den Aufstieg junger, progressiver und Israel-kritischer Stimmen. Zugleich wächst die Erkenntnis, dass diese Stimmen nicht länger als extreme Randerscheinung im amerikanischen Diskurs wahrgenommen werden, sondern als Ausdruck eines breiteren Trends zunehmender Distanzierung der jungen Generation – von etwas, das bis vor Kurzem noch als bloße zukünftige Bedrohung galt.
Siehe auch: Amerikanische Juden, Israel und der „Mamdani-Moment“

Neben der Kritik spiegelt die Umfrage auch eine klare Erwartung an einen Kurswechsel und an stärkere politische Einbindung wider. Eine deutliche Mehrheit der Öffentlichkeit – 74 Prozent – ist der Ansicht, Israel müsse erhebliche Anstrengungen unternehmen, um die Verbundenheit der jungen jüdischen Generation weltweit mit Israel und dem Zionismus zu stärken. Die Hälfte der Befragten sieht zudem in Israelis, die in den USA leben, in hohem Maße eine wichtige Brücke zwischen den Gemeinschaften; weitere 32 Prozent stimmen dem in gewissem Maße zu.
Shira Ruderman, Geschäftsführerin der Ruderman Family Foundation, warnt, es handele sich um einen kritischen Zeitpunkt, an dem gehandelt werden müsse:
„Die Daten der Umfrage zeigen, dass die israelische Öffentlichkeit versteht, dass sich etwas Grundlegendes verändert. Der Aufstieg junger, kritischer Stimmen in den USA ist nicht losgelöst von der Realität, sondern das Ergebnis eines langen Prozesses der Entfremdung und der Ignoranz gegenüber der Situation vor Ort. Dies ist ein Moment, der Israel zwingt, innezuhalten, zuzuhören und anders zu handeln – von der Taktik zur Strategie überzugehen. Die Beziehung zum amerikanischen Judentum ist ein strategischer Wert für die nationale Sicherheit des Staates Israel und des jüdischen Volkes. Eine Vernachlässigung dieser Beziehung heute wird uns morgen teuer zu stehen kommen. Die jungen Amerikaner sind es, die den Kurs der Vereinigten Staaten in den kommenden Jahren bestimmen werden – als Gewählte und als Wähler – und sie werden die Beziehungen zwischen den Ländern maßgeblich beeinflussen.“





Jüdische Aktivisten halten bei einer pro-palästinensischen Kundgebung im März 2025 im US-Bundesstaat Massachusetts ein Banner mit der Aufschrift „Free Palestine“. Solche Gruppen sind insbesondere in progressiven Milieus sichtbar und stehen für eine wachsende Distanz eines Teils der jungen Generation zu Israel. Foto: EPA/Taylor Coester.
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