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Psychedelika und Trauma: Wie Drogen die Überlebenden des Nova-Festivals beeinflussten

Eine neue Studie untersucht den Zusammenhang zwischen bewusstseinsverändernden Substanzen und der psychischen Belastung nach dem Terroranschlag vom 7. Oktober.

Drogen
Illustration: Adobe Stock

Eine neue Studie wirft überraschendes Licht auf die psychische Belastung nach dem 7. Oktober und den möglichen Einfluss bewusstseinsverändernder Substanzen. Drei Wochen nach dem Überfall auf das Nova-Festival begannen Wissenschaftler der Reichman-Universität mit einer ungewöhnlichen Untersuchung: Wie wirkte sich der Konsum von Drogen – insbesondere psychedelischer Substanzen – auf die psychische Verfassung der Überlebenden aus?

Die Studie wurde fachlich geprüft und im medizinischen Fachjournal Journal of Psychopharmacology veröffentlicht. Demnach zeigten Personen, die LSD, Psilocybin (aus halluzinogenen Pilzen) oder Meskalin konsumiert hatten, deutlich weniger Angst und posttraumatische Symptome als andere. Das Ergebnis: Überlebende, die sich während des Anschlags unter dem Einfluss klassischer Psychedelika befanden, berichteten signifikant niedrigere Werte bei Angst und posttraumatischen Reaktionen im Vergleich zu jenen, die MDMA (3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin) konsumiert hatten oder gar keine Psychedelika.

Die Studie umfasst 343 Überlebende im Alter von 18 bis 64 Jahren – Männer und Frauen, die zwischen einer und fünf Stunden vor dem Anschlag psychoaktive Substanzen konsumiert hatten: 133 nahmen Cannabis, 147 Alkohol, 124 MDMA und 57 klassische Psychedelika. Die Teilnehmenden füllten standardisierte Fragebögen aus, unter anderem das international anerkannte GAD-7-Instrument zur Erfassung von Angstzuständen.

Die Probanden wurden in drei Gruppen eingeteilt: Personen mit Konsum klassischer Psychedelika, solche mit MDMA-Konsum und eine Kontrollgruppe ohne psychedelische Substanzen. Auch Faktoren wie Alter, Geschlecht und psychische Vorerkrankungen wurden berücksichtigt.

Der durchschnittliche Angstwert lag bei 1,90 – bei Konsumentinnen und Konsumenten psychedelischer Substanzen jedoch nur bei 1,38. Auch beim posttraumatischen Stress zeigten sich Unterschiede: Der Mittelwert lag bei 3,27, bei der Psychedelika-Gruppe lediglich bei 2,83. Besonders auffällig: Die beruhigende Wirkung zeigte sich insbesondere bei jenen, die keine weiteren Drogen wie Alkohol oder Cannabis zu sich genommen hatten.

Die Wirkung klassischer Psychedelika wie LSD oder Psilocybin verändert Wahrnehmung und Gehirnaktivität. Illustration: Adobe Stock.

Im Gegensatz zu früheren Studien zeigte MDMA in diesem Fall keinen signifikanten Effekt auf die Reduktion psychischer Belastung. Dies wirft neue Fragen auf – und öffnet zugleich Türen für weitere Forschung.

 „Das ist ein bemerkenswerter Befund“, sagt Dr. Zohar Rubinstein, einer der Studienleiter. Psychedelische Substanzen könnten, zumindest unter bestimmten Umständen, eine Schutzwirkung gegen akute Traumatisierung entfalten. Doch Rubinstein warnt vor voreiligen Schlüssen: Die Daten beruhen auf Selbstauskünften, die Substanzen wurden in einem unkontrollierten Umfeld konsumiert – Dosierung, Reinheit und genaue Zusammensetzung blieben unbekannt.

Trotzdem sieht Rubinstein im Nova-Festival ein einzigartiges „natürliches Labor“ – ein Ort, an dem sich extreme psychische Belastung und psychedelische Erfahrungen auf nie dagewesene Weise überlagerten. Die Studie markiere einen seltenen Moment, in dem sich die Forschung einem komplexen, vielschichtigen Thema direkt aus der Lebenswirklichkeit nähert.

Die Forscher hoffen, dass ihre Ergebnisse dazu beitragen, überkommene Vorstellungen von bewusstseinsverändernden Substanzen kritisch zu hinterfragen. „Gerade im Kontext von Trauma und Therapie müssen wir offen dafür sein, neue Pfade zu erkunden – ohne dabei wissenschaftliche Sorgfalt und ethische Verantwortung aus dem Blick zu verlieren“, betont Rubinstein. Denn so beeindruckend die Ergebnisse auch seien: Sie stellen keinen Freifahrtschein für den unkontrollierten Gebrauch psychedelischer Drogen dar. Vielmehr könnten sie Impulse liefern für die Entwicklung therapeutischer Ansätze, in denen der gezielte, kontrollierte Einsatz solcher Substanzen eines Tages Teil integrativer Behandlungsmodelle sein könnte.

Gedenkstelle am Ort des Nova-Festivals: Fotos, Briefe und Blumen erinnern an die jungen Menschen, die beim Terroranschlag vom 7. Oktober ermordet wurden. Foro: Miriam Alster/Flash90

Die Studie der Reichman-Universität beleuchtet eine bisher kaum erforschte Schnittstelle zwischen bewusstseinsverändernden Substanzen und akuter Traumatisierung. Sie zeigt, dass die Beschäftigung mit Psychedelika nicht zwangsläufig ein Randthema sein muss, sondern ein Baustein auf dem Weg zu einem tieferen Verständnis menschlicher Resilienz.

Mitgewirkt an der Studie haben: Dr. Einat Karp-Barnir, Prof. Mario Mikulincer, Prof. Shaul Lev-Ran (Universität Tel Aviv) und Dr. Lia Naor (Universität Haifa).

Das Journal of Psychopharmacology ist eine renommierte wissenschaftliche Fachzeitschrift, die sich mit der Erforschung der Wirkung psychoaktiver Substanzen auf Psyche, Verhalten und Gehirn befasst und häufig bei Studien zum therapeutischen Einsatz von Substanzen wie MDMA bei PTSD (posttraumatischer Belastungsstörung) zitiert wird.

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Patrick Callahan

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