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Nein, Trump wird keinen Palästinenserstaat anerkennen

i24News lag falsch – doch das hielt andere Medien nicht davon ab, die Meldung zu übernehmen, ohne den zugrundeliegenden Artikel überhaupt zu lesen.

Trump Palästinenserstaat
US-Präsident Donald Trump. Foto: White House.

Israelis, die den Schabbat nicht einhalten, wachten am Samstag mit einer Falschmeldung auf, die – um Winston Churchill zu zitieren – „schon um die halbe Welt war, bevor die Wahrheit sich die Hose anziehen konnte“.

Der Unsinn begann mit der Berichterstattung von i24News über einen Beitrag in der Jerusalem Post. So viel Raum nahm das hebräische Morgenprogramm für das vermeintliche Riesenthema ein, dass andere Medien es kurzerhand übernahmen.

Und in den sozialen Netzwerken verbreitete es sich natürlich ebenfalls rasch.

Das Problem: Die gesamte Meldung war falsch – angefangen bei der fehlerhaften Quellenangabe. Wer sich die Mühe machte, nachzusehen, konnte feststellen, dass es sich bei dem Artikel in der Jerusalem Post um eine Wiederveröffentlichung eines Beitrags von The Media Line handelte.

Man könnte es als nachlässigen Journalismus abtun. Doch selbst dafür verdient die Darstellung der Story rund um Trumps bevorstehende Nahostreise keinen Freispruch.

Siehe: Washington, wir haben ein Problem

Der Untertitel des Fernsehbeitrags lautete: „Bericht: Trump will palästinensischen Staat anerkennen“.

Je nach politischer Haltung rief das bei vielen entweder Panik oder Begeisterung hervor. Dabei hätte ein kurzer Blick in den Artikel genügt, um zu erkennen, dass dahinter nichts steckt.

Erst im fünften Absatz greift der Autor Ali Hussain das brisante Thema auf. Die Passage beginnt mit einer fettgedruckten Frage: „Wird Donald Trump einen Palästinenserstaat anerkennen?“, und fährt fort:

„Ein Golf-Diplomat, der anonym bleiben wollte, sagte gegenüber The Media Line: ‚Präsident Donald Trump wird eine Erklärung zur Anerkennung des Staates Palästina durch die USA abgeben, und es wird zur Gründung eines Palästinenserstaates ohne Hamas kommen.‘

Der Diplomat fügte hinzu: ‚Wenn die USA den Staat Palästina offiziell anerkennen, wäre das die bedeutendste Erklärung, die das Machtgefüge im Nahen Osten verändert, und weitere Länder würden sich den Abraham-Abkommen anschließen.‘“

Ein anonymer Diplomat aus einem nicht benannten Land, der über etwas spekuliert, das noch gar nicht passiert ist – das ist keine Nachricht. Und Hussain behauptet auch nirgends, dass es eine sei.

Im Gegenteil: Er zitiert im weiteren Verlauf mehrere namentlich genannte Personen, die diese Behauptung widerlegen. Zum Beispiel US-Botschafter in Israel Mike Huckabee, der am Samstagnachmittag auf X/Twitter schrieb, dass „Israel keinen besseren Freund als die USA habe“ – und damit die Aussagen des anonymen Informanten klar zurückwies.

Oder auch der ehemalige Golf-Diplomat Ahmed Al-Ibrahim, der gegenüber The Media Line sagte: „Ich glaube nicht, dass es um Palästina geht. Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi und König Abdullah II. von Jordanien wurden nicht eingeladen. Sie sind die beiden Länder, die Palästina am nächsten stehen, und bei einem solchen Ereignis wäre ihre Anwesenheit entscheidend.“

i24News täte gut daran, sich für die durch Nachlässigkeit oder politische Voreingenommenheit ausgelöste Aufregung zu entschuldigen. Und Zuschauer auf beiden Seiten des Meinungsspektrums sollten sich davor hüten, vorschnell auf vermeintliche Sensationen zu reagieren.

Ein Beispiel: Auf X kursierte ein Beitrag, demzufolge die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, auf den Bericht reagiert und gesagt habe: „Entgegen der verbreiteten Lügen wird es keinerlei Anerkennung eines Palästinenserstaates geben.“

Klingt klar. Nur: Eine Suche nach dieser Aussage im entsprechenden Kontext bleibt ergebnislos.

„Sich im heutigen Medienumfeld mit reißerischen Schlagzeilen zu überbieten, scheint kaum zu vermeiden. Doch Glaubwürdigkeit bleibt auf lange Sicht die wertvollere Währung.“

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Patrick Callahan

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