Als Soldatin der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte wurde Daniella Gilboa am 7. Oktober 2023 vom Militärposten Nahal Oz in den Gazastreifen verschleppt. Der Posten nahe der Grenze gehörte zu den ersten Zielen des Hamas-Angriffs. 477 Tage verbrachte Gilboa in Gefangenschaft, ehe sie im Rahmen eines Abkommens nach Israel zurückkehren konnte.
Nach ihrer Freilassung begann für sie eine Phase medizinischer und psychologischer Betreuung. Parallel dazu wandte sie sich wieder der Musik zu – einem Bereich, der sie nach eigenen Angaben bereits vor dem 7. Oktober begleitete.
Der Song trägt den hebräischen Titel „איפה שהכול נגמר“ („Wo alles endet“). Darin beschreibt Gilboa die Zeit der Gefangenschaft: Isolation, anhaltende Unsicherheit und psychischen Druck, aber auch Momente innerer Standhaftigkeit. Musik sei für sie ein Weg, das Erlebte zu ordnen und in eine persönliche Ausdrucksform zu überführen.
Während der Haft war sie nach eigenen Angaben gezwungen, an inszenierten Videoaufnahmen mitzuwirken. Zugleich versuchten sie und andere Entführte, ihren Alltag – soweit unter den Umständen möglich – zu strukturieren. In dieser Situation habe die bewusste Hinwendung zu jüdischen Traditionen und zur eigenen religiösen Identität eine stabilisierende Rolle gespielt. Der gemeinsame Bezug auf das Judentum habe geholfen, Würde und Zusammenhalt zu bewahren.
Wie viele der am 7. Oktober entführten Israelis steht auch Gilboa vor der Herausforderung, die physischen und psychischen Folgen der Haft langfristig zu bewältigen. Fachleute weisen darauf hin, dass Erfahrungen extremer Gefangenschaft häufig komplexe Traumafolgen nach sich ziehen und eine kontinuierliche therapeutische Begleitung erforderlich machen.
Mit der Veröffentlichung ihres Songs tritt Gilboa nun an die Öffentlichkeit. Ihr musikalisches Projekt ist ein persönlicher Schritt nach vorn – und zugleich Ausdruck des Versuchs, nach einer außergewöhnlichen Belastung wieder Struktur und Perspektive im eigenen Leben zu gewinnen.




