Muslime sehen Normalisierung mit Israel als “Verrat” am Islam an

Mit dieser absolutistischen Rhetorik machen einige Muslime den Frieden unmöglich, egal, was Israel tut.

Muslime sehen Normalisierung mit Israel als “Verrat” am Islam an
Illustration - Najeh Hashlamoun/Flash90

 Am vergangenen Freitag deutete der Imam der Größen Moschee in Mekka, dem Zentrum der islamischen Welt, in seiner wöchentlichen Predigt an, dass für die Muslime die Zeit gekommen sei, mit dem jüdischen Volk zusammenzuarbeiten.

Viele in der arabischen Welt sahen die Predigt als Auftakt dafür, dass Saudi-Arabien in die Fußstapfen der Vereinigten Arabischen Emirate treten und die Beziehungen zu Israel normalisieren würde. Bereits in der vergangenen Woche erteilte Riad für Flüge zwischen Israel und den VAE die Erlaubnis, den saudischen Luftraum zu nutzen.

 

Selbst Mohammed kooperierte mit Juden

In seiner wöchentlichen Predigt erklärte Imam Abdul Rahman al-Sudais, dass es an der Zeit sei, “den islamischen Glauben zu korrigieren und von falschen und verdächtigen Überzeugungen zu reinigen”, als er erklärte, dass der Prophet Mohammed selbst mit Juden zusammenarbeitete.

Es geht das weit verbreitete Gerücht um, dass Saudi-Arabien eines der nächsten Länder sein wird, das die Beziehungen zu Israel normalisiert, auch wenn König Salman nach wie vor darauf besteht, dass ein solcher Schritt durch ein israelisch-palästinensisches Friedensabkommen vorbereitet werden muss.

Aber da ein israelisch-palästinensisches Abkommen noch in weiter Ferne liegt, wurde die Predigt von Sudais in der ganzen arabischen Welt als ein Schritt angesehen, der den Weg für eine Normalisierung zwischen Saudi-Arabien und dem jüdischen Staat ebnen sollte, selbst wenn es keine Zwei-Staaten-Lösung gibt. Man geht davon aus, dass Saudi-Arabien wie die anderen Golfstaaten unter starkem amerikanischen Druck steht, den Frieden mit Israel nicht länger vom Ausgang des palästinensischen Friedensprozesses abhängig zu machen.

 

Verrat macht Frieden unmöglich

Die harschen Reaktionen auf die Predigt von Sudais zeigten einmal mehr, wie viele Muslime den Konflikt so religiös dargestellt haben, dass sie den Frieden für immer unmöglich gemacht haben, selbst wenn Israel 100 Prozent der palästinensischen Forderungen erfüllen würde.

Der verehrte ägyptische Islamwissenschaftler Mohammed al-Sagheer warf Sudais vor, “den Weg für Normalisierung und Verrat geebnet zu haben”.

Al-Jazeera-Redakteur Abdel Fatah Fayed stellte klar, dass der Verrat, von dem die Rede ist, nicht gegen die palästinensische Sache, sondern gegen den Islam selbst gerichtet sei. “Al-Sudais hat nicht das Recht, sich am Islam zu vergreifen. Nichts kann den Verrat rechtfertigen”, schrieb Fayed.

Auch die palästinensische Führung hat den Konflikt kürzlich so dargestellt, als sie die jüdische Nation als Feinde des Propheten Mohammed” bezeichnete.

Wenn ein Volk einer Gehirnwäsche unterzogen wird, damit es die Menschen auf der anderen Seite des Verhandlungstisches als Feinde der Sache ansieht, die ihm am meisten am Herzen liegt, in diesem Fall des Islam, kann es niemals echten Frieden geben, egal wie viele Zugeständnisse gemacht werden.

Wenn Donald Trump China als den Feind Jesu bezeichnen würde, würde niemand glauben, dass er wirklich an Frieden interessiert ist. Genau das tun jedoch viele arabisch-muslimische Führer, einschließlich derer in Ramallah und in Israel selbst.