Israelis in iranisches Spionagenetz verwickelt

Es ist klar, dass Israels Fähigkeiten in den Bereichen Geheimdienst und Spionage dem Iran weit überlegen sind, aber unsere Führer dürfen nicht zu selbstsicher werden

| Themen: Iran
Illustration. Eine Reihe von Israelis sieht sich nun rechtlichen Konsequenzen gegenüber, nachdem sie von einem iranischen Geheimdienstagenten auf Facebook hinters Licht geführt wurden. Foto: Yonatan Sindel/Flash90

In dieser Woche hat der israelische Geheimdienst Shin Bet einen ungewöhnlichen Fall öffentlich gemacht: Jüdische israelische Bürger haben unwissentlich Aufgaben für einen iranischen Geheimdienstagenten ausgeführt. Einerseits zeigt dieser Vorfall, wie schwierig es für den Iran ist, die israelische Gesellschaft zu infiltrieren. Andererseits verdeutlicht er aber auch, wie hartnäckig der Iran trotz seiner Unzulänglichkeiten versucht, Terrorakte auf israelischem Boden zu begehen. Dies ist besorgniserregend.

Der iranische Geheimdienstagent trug den Namen Rambud Namdar und konnte über Facebook-Gruppen für Israelis iranischer Herkunft Kontakt zu israelischen Bürgern aufnehmen. Namdar gab sich als wohlhabender Jude aus dem Iran aus und nutzte diese Identität, um Israelis für die Erledigung von Aufgaben gegen Geld zu rekrutieren. Er schrieb private Nachrichten auf Facebook und sprach mit Israelis über die Sehnsucht nach Israel und sein Leben in der jüdischen Gemeinde im Iran. Diese ahnten nicht, dass sie mit einem iranischen Geheimdienstagenten sprachen.

Die Israelis erledigten eine Reihe von Aufgaben für den iranischen Agenten. Sie schickten ihm Bilder von Protesten, von Wahlkabinen bei den Wahlen zur 23. und 24. Knesset und von vielen zentralen Orten in Tel Aviv wie dem zentralen Busbahnhof, öffentlichen Parks und Polizeistationen. Einige von ihnen wurden gebeten, Bilder von der Knesset, von Gerichtsgebäuden und sogar von der US-Botschaft zu schicken. Eine von ihnen wurde auch gebeten, ihren Sohn, der in naher Zukunft in die IDF eintreten wird, zu einer Geheimdiensteinheit zu schicken.

Trotz der Schwere ihrer Handlungen und des Entsetzens darüber, wie diese Israelis von einem iranischen Agenten hinters Licht geführt werden konnten, hilft mir die Information über diesen Vorfall, nachts zu schlafen. Er gibt uns Aufschluss darüber, wie der Iran versucht, innerhalb Israels zu operieren, und zeigt die klaffende Asymmetrie zwischen den israelischen und iranischen Geheimdienstfähigkeiten.

In den letzten Jahren haben wir gesehen, wie eine israelische Geheimdienstoperation gegen den Iran aussieht. Israel war in der Lage, die ranghöchsten Nuklearwissenschaftler des Irans zu ermorden, darunter auch den Leiter des nationalen Nuklearprojekts des Landes. Dem Mossad ist es gelungen, in eine schwer bewachte Nuklearanlage einzudringen und Tausende von Geheimakten zu stehlen. Darüber hinaus halfen israelische Geheimdienste bei der Ermordung des iranischen Befehlshabers der Quds-Brigaden Qassem Soleimani im Irak.

Zum Glück reichen die iranischen Bemühungen nicht an die überlegenen Fähigkeiten Israels heran. Teheran kann nur davon träumen, dass Agenten wie Israels Eli Cohen (in Syrien) das Herz der israelischen Regierung infiltrieren. In der Zwischenzeit hat die Islamische Republik, soweit wir sehen können, Schwierigkeiten, wertvolle Mitarbeiter zu rekrutieren.

Es ist ihr nur gelungen, einige Frauen mittleren Alters anzuwerben, die weit von den Einfluss- und Entscheidungszentren entfernt sind. Darüber hinaus deuten einige der Anfragen des iranischen Agenten darauf hin, dass er wahrscheinlich nicht über genügend solide Informationen über die israelische Gesellschaft verfügt. Er bat um Bilder von sehr zentralen Orten wie dem zentralen Busbahnhof von Tel Aviv. Solche Bilder kann man einfach über eine schnelle Google-Suche finden.

Auch wenn der Inhalt dessen, was der Agent aufdecken konnte, nicht beeindruckend ist und die Unfähigkeit der Islamischen Republik, Israel zu infiltrieren, deutlich macht, sollten sich die israelischen Regierungsvertreter von dieser Überlegenheit nicht zu überheblichem Handeln verleiten lassen.

Abgesehen von den Unzulänglichkeiten des Irans lehrt uns dieser Vorfall auch, dass die Islamische Republik hartnäckig versucht, dem jüdischen Staat zu schaden. Trotz ihrer relativen Schwäche sind ihre Operationen zur Umsetzung des Terrors gegen Israel sehr umfangreich. Sie versuchen es mit Cyberangriffen, über Stellvertreter wie die Hisbollah im Libanon, durch den Ausbau ihrer militärischen Präsenz in Syrien und auch durch die Rekrutierung israelischer Bürger.

Es genügt, in Israel einen toten Winkel zu finden, und schon kann ein Terroranschlag auf israelischem Boden verübt werden.

In der Vergangenheit hat sich zu viel Selbstvertrauen in Israels militärische Fähigkeiten als kostspielig erwiesen. Viele Wissenschaftler haben hervorgehoben, dass die israelische “Hybris” einer der Hauptgründe für die Unvorbereitetheit auf den Jom-Kippur-Krieg im Oktober 1973 war. Der unfassbare Sieg im Sechs-Tage-Krieg im Juni 1967 ließ das israelische Militärvertrauen auf neue Höhen steigen. Nach dem Krieg glaubten viele in Israel, der jüdische Staat sei gegen die umliegenden arabischen Armeen unbesiegbar. Im Oktober 1973 gab es zwar deutliche Anzeichen für eine militärische Aufrüstung Ägyptens und Syriens und einen bevorstehenden Angriff, doch wurden diese von Israels oberster Führung nicht ernst genug genommen. Infolgedessen waren die israelischen Streitkräfte nicht auf den “Überraschungsangriff” auf den jüdischen Staat vorbereitet.

Das soll natürlich nicht heißen, dass Israel kurz vor einem ähnlichen Krieg steht. Es kann auch nicht gesagt werden, dass Israel unter den gleichen Bedingungen operiert. Aber Israel darf nicht zulassen, dass Hybris es für den unermüdlichen Willen des Irans, dem jüdischen Staat zu schaden, blind macht.

Auch wenn mich der jüngste Vorfall der Rekrutierung einiger Israelis nachts schlafen lässt, gehe ich doch mit dem Gedanken ins Bett, dass Teheran jede Minute des Tages nach Israels totem Winkel sucht.

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