Israel Heute Morgen – Toleranz für alle

Tel Aviv gilt als eine sehr tolerante Stadt für jede Lebensart. Die Stadt, in der jeder so leben kann, wie er es möchte. Aber ist das wirklich so? Eine Veranstaltung auf dem Rabin-Platz stellte die Toleranz von Tel Aviv auf den Prüfstand.

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Guten Morgen liebe Leser!

Die Fahrt nach Jerusalem dauerte heute früh gerade mal 28 Minuten, unter eine halben Stunde .Das ist eben die Belohnung dafür, dass ich heute schon um viertel nach sechs aus dem Haus gegangen bin. Die Straßen waren relativ frei, besonders die Einfahrt nach Jerusalem, wo man sonst auch mal eine halbe Stunde stehen kann ,wenn man später losfährt.

Wegen des sommerlichen Wetters merkt man irgendwie gar nicht, dass es so früh am Morgen ist, außerdem sind die Straßen Jerusalems gegen sieben Uhr morgens schon recht belebt. Ich bin eben nicht der einzige der verstanden hat, dass es sich lohnt, etwas früher aufzustehen.

Was das Wetter betrifft, es ist weiterhin stabil. In den nächsten Tagen soll es wieder deutlich wärmer werden, besonders morgen, eine neue Hitzewelle ist im Anmarsch.

Und hier ist das Wetter für heute in Israel:

Heiter mit einem weiteren leichten Anstieg der Temperaturen. Folgende Höchsttemperaturen werden erwartet: Jerusalem 31 Grad, Tel Aviv 29 Grad, Haifa 28 Grad, Tiberias am See Genezareth 38 Grad, am Toten Meer 39 Grad, Beersheva 35 Grad, Eilat am Roten Meer 40 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen weiteren Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei -213.625 m unter dem Meeresspiegel.

Tel Aviv gilt als eine sehr tolerante Stadt, in der jeder so leben kann, wie er es möchte. Unter anderem gilt Tel Aviv als die freundlichste Stadt der Welt für Homosexuelle.Die Stadt ist für alle offen. Darauf ist der Bürgermeister Ron Huldai besonders stolz. Vor einigen Tagen wurde in den Medien von einem Streit der Stadt Tel Aviv mit den Organisatoren einer Veranstaltung berichtet, die Toleranz der Stadt stand auf dem Prüfstand. Und es sieht so aus, als könne eben doch nicht jeder in der Stadt so leben, wie er es gerne möchte.

Um was ging es? Um eine Veranstaltung der jüdisch-orthodoxen Chabad auf dem Rabin-Platz in Tel Aviv. Da bei der Veranstaltung Männer und Frauen getrennt von einander sitzen sollten, wie es bei orthodoxen Juden üblich ist, verbot die Stadt Tel Aviv die Veranstaltung. Die Stadt erlaube keine Veranstaltungen auf öffentlichen Plätzen, bei denen eine Trennung der Geschlechter stattfinde, begründete die Stadt ihre Entscheidung. Nun musste ein Gericht darüber entscheiden, ob die Veranstaltung stattfinden durfte oder nicht. Die Organisatoren versicherten, dass es wohl eine Trennwand geben würde, niemand aber dazu gezwungen werde, an einem bestimmten Platz sitzen zu müssen. Daher erlaubte das Gericht der Chabad-Gruppe, die Veranstaltung stattfinden zu lassen, sehr zur Enttäuschung vieler “Menschenrechts-Kämpfer” aus Tel Aviv. Auch die Stadtverwaltung sagte noch einmal, dass man in Zukunft keine Veranstaltungen dulden werde, bei Frauen und Männer voneinander getrennt werden.

Vorgestern fand die Kundgebung auf dem Rabin-Platz nun statt. Die orthodoxen Frauen und Männer sassen dort, wo es ihnen bequem war, getrennt voneinander, denn das ist Teil ihrer Lebensweise.

Frauen und Männer getrennt, die Veranstaltung auf dem Rabin Platz in Tel Aviv (Foto: Yehuda Haim/Flash90)

Dass nicht jeder in Tel Aviv, der toleranten Stadt, willkommen ist, konnte man dann leider auch daran sehen, dass einige das Stattfinden dieser Veranstaltung nicht hinnehmen wollten, denn sie kämpfen schließlich für die Menschenrechte, für die Freiheit, gegen die Benachteiligung der Frauen, klingt ja auch irgendwo richtig, oder? So protestierten sie während der Veranstaltung und versuchten ,diese zu stören. Das ist jedenfalls mein Eindruck gewesen.

Protest gegen die Veranstaltung der orthodoxen Chabad-Juden

Damit Sie, liebe Leser, mich jetzt nicht missverstehen, natürlich bin auch ich gegen die Benachteiligung der Frau. Aber wir müssen auch lernen, andere zu akzeptieren. Warum dürfen Homosexuelle frei auf den Straßen der Stadt laufen und demonstrieren, was auch völlig in Ordnung ist, aber strenggläubige Juden dürfen dort nicht ihren Glauben zufolge leben? „Leben und Leben lassen“, das ist schon immer meine Devise gewesen. Solange mich ein anders denkender oder glaubende Mensch mir nicht seine Lebensweise aufzwingen will, dürfen wir es andersrum eben auch nicht tun. Was ist denn so schlimm daran, dass Chabad diese Veranstaltung durchgeführt hat? Tel Aviv scheint eben doch nicht so tolerant zu sein, wie es sicher immer gibt.

Die Trennung von Frauen und Männern ist dabei auch gar nichts neues. In Schwimmbädern zum Beispiel gibt es immer Zeiten, an denen getrennt geschwommen werden kann. Und ich finde das auch vollkommen in Ordnung. Hier in Jerusalem gibt es bald wieder die Möglichkeit Schlittschuh zu laufen, auch dort wird es Zeiten geben, an denen Frauen und Männer getrennt voneinander ihren Spaß haben können. Denn sonst könnten sie wegen ihres Glaubens nicht daran teilnehmen.

Alle sollen in diesem Sommer wieder ihren Spaß haben

Also, wenn wir unter uns Juden nicht miteinander klar kommen, wie sollen wir dann überhaupt in der Lage sein, hier jemals einen Frieden zu erlangen? Toleranz muss in beide Richtungen gehen, da müssen einige Tel Aviver noch etwas dazulernen, meine ich.

Und jetzt wünsche ich Ihnen einen angenehmen und friedlichen Dienstag. Machen Sie es gut.

Shalom aus Jerusalem!

Dov

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