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Israel Heute Morgen

Hat es gestern tatsächlich geregnet? Davon war nichts mehr zu sehen, als ich heute früh in Jerusalem ankam. Die Grabeskirche kann wieder besucht werden. Ein paar Worte über den Streit der Kirchen bezüglich der Steuern und der Grundstücke, die von den Kirchen verpachtet wurden. Ein sehr wichtiges Gebäude befindet sich auf einem dieser Grundstücke. Das Wetter: Es wird wärmer.

Guten Morgen liebe Leser!

Hat es gestern tatsächlich geregnet? Davon war nichts mehr zu sehen, als ich heute früh in Jerusalem ankam. Der Himmel ist wolkenlos und die Sonnenstrahlen sind angenehm warm, während die Luft doch noch etwas kühl war. Es waren 9 Grad, um genau zu sein. Es ist mir klar, dass das Wort „kühl“ vielleicht etwas übertrieben ist, wenn ich auf die Temperaturen schaue, die Sie gerade in Europa haben. Während bei Ihnen also eine neue Eiszeit ausgebrochen zu sein scheint, wird es hier bei uns wieder sehr frühlingshaft mit Höchsttemperaturen von um die 20 Grad. Am Wochenende soll es dann noch etwas wärmer werden.

Und hier ist das Wetter für heute in Israel:

Heiter bis teilweise bewölkt mit einem leichten Anstieg der Temperaturen. Folgende Höchsttemperaturen werden erwartet: Jerusalem 16 Grad, Tel Aviv 20 Grad, Haifa 18 Grad, Tiberias am See Genezareth 22 Grad, am Toten Meer 24 Grad, Eilat am Roten Meer 25 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um weitere zweieinhalb Zentimeter gestiegen und liegt jetzt bei -213.595 m unter dem Meeresspiegel.

Das heutige Titelfoto zeigt die Grabeskirche, die am Sonntag plötzlich geschlossen worden war. Doch heute ist sie wieder offen, es wird dort heute sicher sehr voll werden. Noch gestern Abend mischte sich unser Ministerpräsident Netanjahu ein und rief die Seiten dazu auf, miteinander zu reden, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Die Stadt Jerusalem stellte daraufhin sofort die Schritte zur Eintreibung der Steuerschulden vorläufig ein, danach wurde die Kirche wieder geöffnet. Heute früh gab es im Radio ein Interview mit Farid Jubran, dem Berater der Hüter der heiligen Stätten der römisch-katholischen Kirche, den wir ja gestern schon in unserem Bericht erwähnt hatten. Er begrüsste den “Schritt in die richtige Richtung”, wie er die Einigung auf ein Gespräch zur Lösung des Problems nannte. Des Gespräch sei das beste Mittel, um Probleme zu lösen, sagte er. Dabei sprach er sich nicht unbedingt vollkommen gegen die Idee aus, das die Kirchen für ihre Geschäfte Steuern zahlen sollen. Er meinte, alles hänge davon ab, was man als Gegenleistung dafür bekommen würde. Man könne nicht nur nehmen, sondern müsse eben auch geben. Ich denke, und ich bin vorsichtig, dass wir hier vielleicht in die richtige Richtung gehen. Allerdings war ich überrascht, als Jubran sagte, dass nicht Israel das beste Land für die Christen im Nahen Osten sei, sondern Jordanien. Dort hätte man immer eine Adresse, an die man sich wenden kann, was hier in Israel leider nicht immer Fall sei. Ich kann das jetzt nicht beurteilen, aber es kann sein, dass man hier vielleicht eine neue Arbeitsweise entwickeln muss, bei der die Kirchen einen direkten Draht zur israelischen Regierung bekommen. Die Gespräche, die jetzt begonnen werden, werden vom Minister für regionale Zusammenarbeit geleitet werden, Zachi Hanegbi. Eigentlich haben wir doch das Ministerium für Religion und auch im Büro des Ministerpräsidenten gibt es einen Berater für Fragen, die die Kirchen betreffen.

Ein anderes Problem ist die Sache mit den Grundstücken der Kirchen, die zu Beginn der fünfziger Jahre an Israel verpachtet wurden, für eine Zeit von 99 Jahren. Das heisst, in etwas weniger als 40 Jahren endet diese Zeit.Und dann? Dann könnten die Kirchen sagen, dass sie kein Interesse mehr hätten, die Grundstücke an Israel zu verpachten. Dabei geht es hier nicht um ein paar Grundstücke hier und da, sondern um sehr sehr viele, um einen sehr großen Teil Jerusalems. Ein sehr wichtiges Gebäude befindet sich zum Beispiel auf einem Grundstück, das von griechisch-orthodoxen Kirche gepachtet wurde. Es handelt sich um die Knesset, das Gebäude des israelischen Parlaments. Nun können Sie sich vorstellen, dass man nicht das Risiko eingehen kann, das in weniger als 40 Jahren plötzlich ein Räumungsbefehl in die Knesset flattert, weil die Kirche das Land nicht mehr verpachten möchte. Ein weiterer Stadtteil in Jerusalem, der sehr stark betroffen ist, dessen Häuer also auf von der Kirche gepachteten Grundstücke stehen, ist Rehavia. Einige Pachtverträge laufen sogar schon in 20 bis 30 Jahren aus. Und dann? Schon jetzt hat das Auswirkungen auf die Immobilienpreise. Wer will schon ein Haus kaufen, wo das Grundstück, auf dem es steht, vielleicht bald nicht mehr dazu gehört? Die Kirchen haben durch diese Situation auch eine sehr große politische Kraft, ein wahres Erpressungsmittel in ihren Händen. Und das kann Israel einfach nicht dulden. Auch sollen die Grundstücke ja nicht einfach so den Kirchen weggenommen werden, sie werden Geld dafür bekommen.

Knesset Israel und der Stadtteil Rehavia – Grundstücke von der Kirche gepachtet (Foto: Nati Shohat/Flash90)

Das Pachten von Grundstücken war hier in Israel eine sehr übliche Sache. Als wir unsere erste Wohnung in Pisgat Zeev gekauft hatten, wurde uns erklärt, dass die Grundstücke, auf denen sich die Wohnungen befinden, dem Staat gehören. Sie werden an die Wohnungseigentümer verpachtet, für eine Zeit von 40 Jahren und mehr. Danach müsste man theoretisch eine weitere Pachtgebühr an den Staat zahlen. Allerdings hat man in den letzten Jahren damit begonnen, die Grundstücke auf die Wohnungseigentümer zu überschreiben. Der Staat möchte nicht, dass ein Wohnungseigentümer plötzlich vor einer riesigen Ausgabe steht, wenn die Pachtzeit ausgelaufen ist. Aber ob die Kirchen so nett wären, die Grundstücke den Anwohnern zu überlassen, wage ich zu bezweifeln. Irgendwie scheint das die Leute in den fünfziger Jahren nicht sonderlich gestört zu haben, als sie die Pachtverträge mit den Kirchen unterzeichneten, denn 99 Jahre von da an war eben noch eine lange Zeit. Doch das war vor rund 60 Jahren, jetzt rückt der Termin, wo der Pachtvertrag auslaufen wir, immer näher, daher muss der Staat jetzt etwa unternehmen.

Kein leichtes Thema, liebe Leser. So ist dieser heutige Guten Morgen Artikel doch etwas länger geworden. Morgen ist Purim, dann werde ich versuchen, über etwas einfachere Themen zu sprechen, denn zu Purim soll man einfach nur fröhlich sein. Ich wünsche Ihnen einen wunderbaren und erfüllten Mittwoch. Machen Sie es gut.

Shalom aus Jerusalem!

Dov

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Patrick Callahan

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