(JNS) Der Leichnam der letzten noch in Gaza verbliebenen israelischen Geisel wird im von Hamas kontrollierten Teil des nördlichen Gazastreifens vom Islamischen Dschihad festgehalten, teilte ein israelischer Beamter am Mittwoch mit.
Geheimdienstinformationen über den Aufenthaltsort des Leichnams des israelischen Grenzpolizisten Ran Gvili – einschließlich der Namen beteiligter Personen sowie Luftaufnahmen des Ortes, an dem sein Körper vermutlich begraben wurde – seien in den vergangenen „Tagen und Wochen“ an Vermittler weitergeleitet worden, um sie an Hamas-Gesprächspartner zu übermitteln. Bislang habe die Terrororganisation jedoch nicht darauf reagiert, so der Beamte.
Das im Oktober in Ägypten von Israel und Hamas unterzeichnete Waffenstillstandsabkommen sah die Rückführung aller Geiseln und Leichen aus Gaza bereits in der ersten Phase der Vereinbarung vor.
„Der Islamische Dschihad hat ihn entführt, und innerhalb des Islamischen Dschihad gibt es eine Gruppe von Menschen, die wissen, wo Ran ist“, sagte der Beamte. „Hamas weiß, wie man Druck auf den Islamischen Dschihad ausübt – und sie tun es nicht.“
Die Terrorgruppen hätten Verzögerungstaktiken angewandt – unter anderem mit Verweis auf das Wetter oder durch falsche Behauptungen, die von israelischen Geheimdiensten identifizierten Personen seien tot –, um Zeit zu gewinnen.
„Wir werden wissen, wann die Bemühungen zu 100 Prozent umgesetzt werden“, sagte der Beamte bei einer Presseunterrichtung für internationale Journalisten in Tel Aviv. „Und das ist nicht der Fall. Davon sind wir weit entfernt.“
Der Beamte, der erklärte, er sei mit den bisherigen Reaktionen „nicht zufrieden“, sagte, es gebe eine „starke Verknüpfung“ zwischen der Rückführung der letzten Geisel und dem Übergang zur nächsten Phase des Waffenstillstandsabkommens für Gaza. Wie weiter verfahren werde, liege jedoch in der Entscheidung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach am Mittwochabend mit Gvilis Eltern Tali und Itzik Gvili und versicherte ihnen, dass die Rückführung der sterblichen Überreste ihres Sohnes höchste Priorität habe, wie aus einer Mitteilung seines Büros hervorgeht.
Gvilis Mutter reiste am Mittwoch in die Vereinigten Staaten zurück, um weiterhin Druck auf die Verantwortlichen auszuüben, die nächste Phase des Waffenstillstands nicht einzuleiten, solange der Leichnam ihres Sohnes nicht freigegeben ist.
Anfang dieses Monats hatten sich Gvilis Eltern in Mar-a-Lago, dem privaten Club und Wohnsitz von US-Präsident Donald Trump in Palm Beach, Florida, mit Trump getroffen, nachdem sie sich der offiziellen Delegation Netanjahus angeschlossen hatten.
„Sowohl [Netanjahu] als auch Trump sind uneingeschränkt entschlossen, Rani nach Hause zu bringen“, sagte der Beamte.
In einem Beitrag zur Bekanntgabe der neuen technokratischen Regierung in Gaza schrieb Trumps Sondergesandter Steve Witkoff am Mittwoch, die Vereinigten Staaten erwarteten von Hamas, die letzte israelische Geisel umgehend im Rahmen ihrer Verpflichtungen aus dem Abkommen freizugeben. Ein Nichterfüllen werde „ernsthafte Konsequenzen“ nach sich ziehen.
Ran Gvili, ein 24-jähriger israelischer Grenzpolizist, hatte am 7. Oktober 2023 am Eingang eines Kibbuz im Süden Israels Dutzende Terroristen zurückgeschlagen, obwohl er verletzt war, bis ihm die Munition ausging und er getötet wurde. Sein Leichnam wurde verschleppt und anschließend durch die Straßen von Gaza geführt. Stunden zuvor hatte er noch zahlreiche Menschen gerettet, die vom Supernova-Musikfestival geflohen waren.
Der Beamte erklärte bei der Unterrichtung zudem, dass die Terroristen vom 7. Oktober schriftliche Anweisungen bei sich getragen hätten, Organe – darunter Augen, Leber, Nieren, Herzen sowie Hände und Beine – nach Gaza zu bringen, um sie als „Vermögenswerte“ zu nutzen; einige davon würden sie bis heute festhalten. Außerdem hätten sie den Befehl gehabt, den Opfern „Hosen und Unterwäsche“ auszuziehen, was eine implizite Anweisung zur Vergewaltigung und sexuellen Gewalt gewesen sei.
„Mit dieser Art von Feind haben wir es zu tun“, sagte er. „Das ist blanker Horror.“
Hamas soll „auf die eine oder andere Weise“ entwaffnet werden
Der Beamte sagte JNS, die im Waffenstillstandsabkommen festgeschriebene Entwaffnung der Hamas werde „auf die eine oder andere Weise“ erfolgen; es sei lediglich die Frage, wer sie durchführen werde.
„Ich bin mir nicht sicher, auf welchem Weg, aber sie werden entwaffnet werden – so oder so. Andernfalls werden wir es selbst tun müssen“, sagte er.




