Israels Verteidigungsminister Israel Katz hat deutlich gemacht, dass der Konflikt im Gazastreifen trotz Waffenstillstand noch lange nicht beendet ist. Seinen Angaben zufolge sind rund 60 % des unterirdischen Tunnelsystems der Hamas weiterhin intakt und einsatzfähig. Diese Tunnel gelten als zentrales Element der militärischen Infrastruktur der Hamas – sie werden genutzt, um Kämpfer und Waffen unentdeckt zu bewegen, Anschläge vorzubereiten oder sich israelischen Angriffen zu entziehen. Katz machte klar, dass Israel die Zerstörung dieser Strukturen als Voraussetzung für eine echte und dauerhafte Sicherheitslage betrachtet.
Der Minister erklärte, die israelische Armee (IDF) befinde sich nun in einer sensiblen und entscheidenden zweiten Phase des mit den USA abgestimmten Plans. Nach der Rückkehr der letzten lebenden Geiseln und dem Rückzug der IDF auf die sogenannte Gelbe Linie müsse nun sichergestellt werden, dass Hamas dauerhaft kampfunfähig gemacht wird. Nur wenn die Tunnel beseitigt und die Terrororganisation entwaffnet sei, könne der Gazastreifen stabilisiert werden, so Katz. Israel stehe hierzu in engem Austausch mit amerikanischen Stellen, darunter Militärvertreter des US-Zentralkommandos (CENTCOM) und politische Gesandte der US-Regierung.
פירוז עזה באמצעות הריסת מנהרות הטרור של חמאס, לצד פירוק חמאס מנשקו, הם בראייתי היעד האסטרטגי החשוב ביותר למימוש הניצחון בעזה.
המשימה הערכית הדחופה ביותר היא כמובן השבת כל החטופים החללים הביתה ונעשה הכל כדי לממש את המשימה הקדושה והחשובה הזאת.
משימת העל האסטרטגית למימוש הניצחון…
— ישראל כ”ץ Israel Katz (@Israel_katz) October 25, 2025
Obwohl sich israelische Truppen entsprechend der Vereinbarungen aus dicht besiedelten Gebieten zurückgezogen haben, bleiben sie weiterhin aktiv, wenn sich Bedrohungen abzeichnen. So meldete die IDF kürzlich einen gezielten Angriff auf einen Kämpfer des Palästinensischen Islamischen Dschihad, der einen unmittelbar bevorstehenden Anschlag vorbereitet haben soll. Die Armee betont, dass sie sich an die Bedingungen des Waffenstillstands hält, gleichzeitig jedoch jede akute Gefahr entschlossen abwehrt.
Auch aus den Vereinigten Staaten kommt Rückendeckung. Bei seinem Besuch in Israel bezeichnete Marco Rubio, der amerikanische Außenminister, den von Washington vorgeschlagenen Friedens- und Stabilitätsplan als „einzige realistische Option“. Rubio lobte Israel für die Einhaltung der ersten Vereinbarungen – darunter die Umsetzung des Gefangenenaustauschs und den militärischen Rückzug – und machte deutlich, dass der Erfolg des gesamten Prozesses nun davon abhänge, ob die militärische Infrastruktur der Hamas vollständig neutralisiert werde.
Das Tunnelsystem der Hamas stellt dabei seit Jahren eine besondere Herausforderung dar. Es verläuft oft mitten durch Wohngebiete, unter Schulen, Moscheen oder Krankenhäusern und erschwert dadurch gezielte militärische Einsätze. Die IDF hat seit Beginn des Krieges zahlreiche Tunnelaufgänge zerstört, doch der verbliebene Teil gilt weiterhin als weit verzweigt, gut befestigt und schwer zugänglich. Experten gehen davon aus, dass seine vollständige Räumung Monate dauern und erhebliche Risiken mit sich bringen wird.
Zudem steht Israel unter internationaler Beobachtung. Jede weitere Operation im Gazastreifen, insbesondere dort, wo Zivilisten gefährdet sein könnten, wird genau verfolgt. Katz deutete an, dass Teile der Tunnelräumung künftig gemeinsam mit internationalen Partnern – möglicherweise unter amerikanischer Verantwortung – koordiniert werden könnten. Wie das praktisch aussehen soll, ist jedoch bisher offen.
Für viele Israelis bleibt das Thema emotional stark besetzt. Die Rückkehr der letzten überlebenden Geiseln brachte Erleichterung, doch die Leichen von 13 Geiseln befinden sich weiterhin in Gaza. Ihre Rückführung ist für zahlreiche Familien und einen großen Teil der israelischen Öffentlichkeit eine moralische Verpflichtung des Staates. Zugleich sehen viele in der Zerstörung der Hamas-Strukturen die einzige Garantie, dass sich ein solcher Albtraum nicht wiederholt.
Die zweite Phase des Waffenstillstands wird deshalb nicht als Ende des Konflikts verstanden, sondern als Übergang in eine andere Form des Kampfes – weniger sichtbar, stärker strategisch geprägt und in hohem Maße von internationaler Zusammenarbeit abhängig. Ob dieser Prozess gelingt, wird entscheiden, ob der Gazastreifen eine neue Entwicklung erlebt oder in den vertrauten Kreislauf aus Terror, Gegenschlägen und Leid zurückfällt.




