Am 7. November 1938 schoss der 17-jährige polnisch-stämmige Jude Herschel Grynszpan (Grünspan) in Paris auf Ernst vom Rath. Es ist belegt, dass die Rettung des deutschen, homosexuellen Diplomaten möglich gewesen wäre. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass Karl Brandt, Hitlers Leibarzt, vom Rath auf Anordnung von oben sterben ließ. Brandt wurde übrigens 1939 bis 1941 Beauftragter für den tausendfachen Krankenmord, im Nazi-Jargon euphemistisch „Euthanasie“ genannt.
Benutzte das NS-Regime Herschels versuchten Anschlag und vom Raths Tod als Vorwand für das „große Pogrom“? Versuchte das NS-Regime gar, vom Rath zum Märtyrer zu stilisieren?
Einiges spricht dafür, denn die Nationalsozialisten deuteten Herschels Tat als „Angriff des Weltjudentums auf das Deutsche Reich“ und rechtfertigten damit das schlimmste Pogrom der Neuzeit in Mitteleuropa, die so genannte „Reichskristallnacht“, in welcher mehr als 100 Menschen ermordet wurden. 30.000 jüdische Männer wurden in Konzentrationslager verschleppt. Nur wenige überlebten die Internierung, und dies meist gesundheitlich schwer gezeichnet.
Was war an jenem Novembermorgen geschehen? Kurz vor...
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