Guten Morgen Israel – Wie lange noch?

Der Lockdown wird viel länger dauern als zunächst angesagt. Wir sollten das Beste daraus machen.

Guten Morgen Israel – Wie lange noch?
Miriam Alster/Flash90

Boker Tov liebe Leser!

Ich gebe zu, als wir im März den ersten Lockdown begannen, war ich mir sicher, dass wir uns heute nur noch lächelnd daran erinnern werden. Damals war uns noch nicht klar, vor was wir stehen. Es wurde gesagt, dass das Coronavirus die Hitze des israelischen Sommers nicht überstehen würde und nach Pessach alles wieder gut sein werde. Und mit viel Optimismus wurde dann der Lockdown beendet, die Schulen wurden erst noch mit dem sogenannten Kapselsystem geöffnet, nur kleine Gruppen sollten zusammen lernen, doch unsere Ungeduld und der falsche Optimismus machte dem schnell ein Ende. Der “Damm der Sorge” war gebrochen und alles war schnell wieder ganz normal. Auch unser Ministerpräsident war wohl zu optimistisch, als er uns aufforderte, auszugehen und viel Spaß zu haben. Und dann gingen die Zahlen der mit dem Coronavirus infizierten Menschen wieder nach oben, allen voran rund 170 Schüler eines Gymnasiums in Jerusalem. Das war der Anfang der aktuellen zweiten Welle.

Heute haben wir in Israel die höchste Infizierungsrate der Welt, wir stehen wieder an der Spitze, nur diesmal im negativen Sinne. Erinnern Sie sich noch an die Meldungen über den beeindruckenden Erfolg der israelischen Regierung im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus? Darüber können wir heute nur noch lächeln. Fast 15 Prozent aller Coronatests in Israel sind positiv, eine schlimme Zahl. Um das in den Griff zu bekommen ist nun alles wieder zu in Israel. Am Freitag begann der verschärfte landesweite Lockdown. Ist das die Lösung? Das wird wohl davon abhängen, wie wir uns nach dem Lockdown benehmen werden. Ich bin leider nicht zu optimistisch.

Übrigens soll der Lockdown viel länger dauern als zunächst angesagt. Zwei Wochen? Vergessen Sie es. Mindestens einen Monat oder noch viel mehr, das war die Antwort von Benjamin Netanjahu während einer Fragestunde auf seiner Facebookseite. Auch Experten sind der Ansicht, dass es lange dauern kann, bis wir wieder in irgendeinen Alltag zurückkehren können. Schule? Vielleicht erst zu Chanukka. Die Universitäten erklärten gestern, dass sie das neue Studienjahr erst einmal nur per Fernunterricht, per Zoom, eröffnen werden. Meiner Tochter hat diese Nachricht gar nicht gefallen, wartet sie doch schon sehnsüchtig auf ihren Studienbeginn.

Alles ist momentan etwas schwieriger. Als ich vor ein paar Tagen zur Bank musste, um ein Dokument entgegenzunehmen, konnte ich die Bank nicht betreten. Ich klopfte an die Eingangstür, die dann nur etwas geöffnet wurde. Ob ich einen Termin vereinbart hätte, wurde ich gefragt. Nein, sagte ich, ich solle nur ein paar Dokumente bekommen. Ich sagte meinen Namen und wurde dann aufgefordert, zu warten. Die Tür wurde wieder geschlossen. Nach ein paar Minuten wurde die Tür dann nur soweit geöffnet, wie es nötig war, um mir den Umschlag zu übergeben. Die Bankfiliale befindet sich in unserem Einkaufszentrum, das sonst immer voll ist. Man kann es fast als das Herz unsere Stadt bezeichnen, da wir in Modiin (noch) kein richtiges Stadtzentrum mit Geschäften haben, Modiin ist eine noch junge, geplante Stadt.

Ein trauriger Anblick, unser leeres Einkaufszentrum

Es war ein komisches Gefühl, durch die menschenleeren Gänge zu gehen. Was für eine traurige Zeit. Hier noch ein paar Bilder:

Fast apokalyptisch. Wann wird das Leben wieder einkehren?

Aber es gibt auch nette Erfahrungen in dieser eigenartigen Zeit. Seit Beginn des Lockdowns haben wir, meine Frau, unsere Tochter und ich, damit begonnen, jeden Abend einen Spaziergang in unserer Nachbarschaft zu machen. 1000 Meter darf man sich vom eigenen Haus entfernen, aber wenn man sich sportlich betätigt, fällt diese Einschränkung weg. So gehen wir jeden Abend sportlich gekleidet und mit Sportschuhen nach draußen und entdecken unseren Stadtteil von Neuem. Das macht uns sehr viel Spaß. Dazu kommen dann auch immer interessante Gespräche.

Den Stadtteil von neuem entdecken. Der Stadtteil Moriah in Modiin.

Und mit diesem leichten Optimismus kommen wir jetzt zum Wetter. Der Sommer hat sich noch nicht verabschiedet, doch am Abend kann man ab und zu schon eine herbstliche Brise verspüren.

 

Das Wetter für heute in Israel

Teilweise bewölkt bis heiter. Im Landesinneren und in den Bergen wird es etwas kühler,  dennoch bleibt es für die Jahreszeit etwas zu warm. Für heute werden folgende Höchsttemperaturen erwartet: Jerusalem 30 Grad, Tel Aviv 31 Grad, Haifa 28 Grad, Tiberias am See Genezareth 38 Grad, am Toten Meer 38 Grad, Beersheva 35 Grad, Eilat am Roten Meer 39 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist um einen weiteren halben Zentimeter gesunken und liegt jetzt bei – 209.74,5 m unter dem Meeresspiegel angegeben. Es fehlen 94,5 Zentimeter bis zur oberen Grenze!

Noch ein kurzer Hinweis auf unsere nächste Zoom-Veranstaltung: Heute Abend wird Chefredakteur Aviel Schneider die Mitglieder von Israel Heute empfangen und über die aktuelle Situation in Israel sprechen und auch für Fragen zur Verfügung stehen. Interessiert? Dann klicken Sie bitte hier.

Im Namen der gesamten Redaktion von Israel Heute wünsche ich Ihnen einen angenehmen Mittwoch. Machen Sie es gut und bleiben Sie gesund.

Schalom aus Modiin!

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